In fünf Erinnerungsabschnitten zeigen wir auf dem zentralen Campus am Augustusplatz historische Kunst aus verschiedenen Epochen der Universitätsgeschichte. Inmitten des modernen Universitätsbetriebs des 21. Jahrhunderts wollen wir die traditionsreiche sechshundertjährige Geschichte unserer Universität erlebbar machen.

Kolossalbüsten von Leibniz, Goethe und Lessing im Foyer des Neuen Augusteums, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Kolossalbüsten von Leibniz, Goethe und Lessing im Foyer des Neuen Augusteums, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Moderne Architektur und historische Kunst im Dialog

Während sich die 600-jährige Geschichte der Universität an ihren Bauten kaum mehr ablesen lässt, ist sie in den Werken der Kunstsammlung unmittelbar erfahrbar. Der Dialog moderner Architektur mit historischer Kunst verkörpert die Zukunftsorientierung der Hochschule vor dem Hintergrund einer facettenreichen Vergangenheit.

Fünf räumlich zusammenhängende Erinnerungskomplexe veranschaulichen wesentliche Aspekte der Universitätsgeschichte vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert:

Spätmittelalterliche Fresken des Dominikanerklosters

Als Zeugen der Frühzeit der Universität zeigen wir die Überreste des Dominikanerklosters heute in einem Gang, der das Hauptgebäude mit dem Hörsaalgebäude verbindet. Die Wandmalereien stammen aus dem Kreuzgang eines Klostergebäudes, das später die Universitätsbibliothek beherbergte. Sie entstanden im 15. und 16. Jahrhundert und zeigen Szenen aus dem Marienleben, die Kreuzigung Christi, Heiligenlegenden sowie einen Dominikanerstamm­baum. Es handelt sich um die einzigen figürlichen Wandmalereien Leipzigs aus dem Mittelalter und den größten Zyklus mittelalterlicher Wandmalerei in ganz Sachsen.

Im Übergang von Augusteum zum Hörsaalgebäude sind die Fresken des Dominikanerklosters ausgestellt, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Im Foyer des Neuen Augusteums, an der südlichen Außenwand des Paulinums, befinden sich Grabplatten aus dem Bereich der Paulinerkirche, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Grabplatten aus der Universitätskirche St. Pauli

Sechzehn wandgebundene Grabplatten haben an der Südwand des Paulinums im nördlichen Foyerbereich des Neuen Augusteums Aufstellung gefunden. Dort befand sich bis zur Kirchensprengung 1968 ein Kreuzgang, dessen Nordwand die Erinnerungsmale zierten. Schon zu Zeiten der Dominikaner war die Paulinerkirche ein begehrter Bestattungsort einer städtischen Elite. Nach der Reformation bestattete man bevorzugt Universitätsangehörige. Die Grabsteine beleuchten anrührende Einzelschicksale oder liefern Einblicke in die Universitäts- und Stadtgeschichte.

Paulineraltar und Epitaphien

Der Andachtsraum des Paulinums enthält Kunstwerke, die kurz vor der Sprengung im Jahr 1968 aus der Universitätskirche St. Pauli gerettet werden konnten. Ausgewählte Epitaphien präsentieren sich an schwebenden Hängeflächen: Kunstwerke von der Reformation bis zum Rokoko, Gedächtnismale aus Holz, Stein und Metall sowie Gemäldeepitaphien. Das vielfältige und qualitätvolle Ensemble ist ein Spiegel der Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte.
Der spätgotische Paulineraltar ist das bedeutendste mittelalterliche Altarwerk der Stadt Leipzig. Eine Erfurter Schnitzwerkstatt schuf ihn wohl zwischen 1485 und 1490 im Auftrag des Dominikanerordens. Der Flügelaltar zeigt Szenen aus dem Leben des Apostel Paulus, dem Marienleben und der Passion Christi.

Der Paulineraltar, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Der Paulineraltar, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Das Epitaph für den Mediziner Johannes Hoppe, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Professorenbildnisse aus der Universitätsbibliothek

Auf der Galerie im Zwischengeschoss des Neuen Augusteums zeigen wir in klimatisierten Vitrinen 21 Bildnisse bedeutender Professoren des 17. und 18. Jahrhunderts. Die zwischen ca. 1600 und 1780 entstandenen Gemälde waren Bestandteil einer Professorengalerie der historischen Universitätsbibliothek im Mittelpaulinum (im Bereich des heutigen Auditorium maximum). In einem Standardformat von ca. 60 x 50 cm werden die Porträtierten in schwarzer akademischer Gewandung als Brustbild ohne Hände und ohne Attribute vor neutralem, dunklem Hintergrund gezeigt.

Die Professorengalerie des 17. Jahrhunderts ist in Vitrinen auf der Galerie des Neuen Augusteums untergebracht, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Skulpturen und Baufragmente aus dem alten Augusteum im Foyer des Neuen Augusteums

Die vier Regententugenden

Vier „Regententugenden“ von der Hand des klassizistischen Bildhauers Ernst Rietschel (1804-1861) blicken von Konsolen aus in das Foyer hinunter. Sie verkörpern Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Milde und Weisheit – Tugenden, die dem Regenten besonders ans Herz gelegt wurden. Diese Gipsfiguren dienten 1832 als Gussmodelle für ein Bronze-Denkmal zu Ehren des sächsischen Königs Friedrich August I. (den Gerechten/ 1750-1827). Das ausgeführte Denkmal befindet sich heute in Dresden vor dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Gipsmodelle gingen als Geschenk an die Universität und fanden Aufstellung in der Aula des nach dem König benannten Universitätshauptgebäudes „Augusteum“. Nach der Überarbeitung des Baus durch den Universitätsbaumeister Arved Roßbach in den 1890er Jahren zierten sie die Ballustrade der großzügigen Wandelhalle.

Kolossalbüsten – Leibniz, Goethe, Lessing

Vor dem Auditorium maximum stehen drei Kolossalbüsten aus Marmor, die teilweise aus der Aula des historischen Augusteums stammen. Sie stellen drei der berühmtesten Studenten der Leipziger Universität dar: Gottfried Wilhelm Leibniz studierte 1661 bis 1663 in Leipzig, seine Büste schuf der Leipziger Bildhauer Immanuel A. H. Knaur 1847 anlässlich des 200. Geburtstags des Universalgelehrten. Die Büste Gotthold Ephraim Lessings (Studium in Leipzig 1746 bis 1748) entstand 1909 zum 500. Gründungsjubiläum der Universität und wurde von Carl Ludwig Seffner geschaffen. Johann Wolfgang von Goethe nahm das Studium in Leipzig 1765 auf, musste aber aus gesundheitlichen Gründen drei Jahre später in seine Heimatstadt Frankfurt am Main zurückkehren. Seine Büste, die ebenfalls von Knaur stammt, entstand  zum 100jährigen Jubiläum seiner Immatrikulation im Jahr 1865.

Das Schinkeltor

Das von dem berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfene Hauptportal ist das einzige erhaltene originale Baufragment des klassizistischen Augusteums. Ab 1830 entstand das neue Hauptgebäude unter der Leitung des Universitätsbaumeisters Albert Geutebrück . Seine Entwürfe wurden allerdings von Karl Friedrich Schinkel überarbeitet und korrigiert. Heute bildet das "Schinkeltor" das hofseitige Eingangsportal vom "Leibniz-Forum" in das Hauptgebäude. Es nimmt wieder eine repräsentative Funktion wahr, denn ursprünglich war es für den Eingang zur Universität vom Augustusplatz aus konzipiert. Ausgeführt wurde es von dem Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel.

Die "Regententugenden", Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Das "Schinkel-Tor" vom Leibniz-Forum aus, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Das "Schinkel-Tor" vom Leibniz-Forum aus, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Sozialistische Kunst der Karl-Marx-Universität

Das monumentale Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" entstand in den Jahren 1970 bis 1973 als Auftragsarbeit für die Karl-Marx-Universität. Die SED gab Kunstwerke zur Ausstattung des nach sozialistischen Vorstellungen neu zu erbauenden innerstädtischen Universitätsareals in Auftrag. Die Deutung von Tübkes Wandgemälde ist bis heute umstritten: Einerseits hielt er sich an ideologische Vorgaben der Parteiführung, andererseits kann darin auch die Vision einer freiheitlichen Gesellschaft gelesen werden. Als authentisches Zeugnis seiner Entstehungszeit bildet das Wandbild einen guten Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte unserer Hochschule zu Zeiten der DDR. Das Wandgemälde ist im Hörsaalgebäude, 2. OG, gegenüber des Hörsaals 9, ausgestellt.

 

Wandbild Arbeiterklasse und Intelligenz von Werner Tübke
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Rede zur Vernissage am 30. März 2015 - Prof. Dr. Frank Zöllner
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Das Wandgemälde "Arbeiterklasse und Intelligenz" von Werner Tübke ist im Hörsaalgebäude im 2. OG ausgestellt, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Das Gemälde "Aufrecht stehen" von Reinhard Minkewitz im 1. OG des Hörsaalgebäudes, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Das Gemälde "Aufrecht stehen" von Reinhard Minkewitz im 1. OG des Hörsaalgebäudes, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte im 21. Jahrhundert: "Aufrecht stehen" von Reinhard Minkewitz

Das Bild "Aufrecht stehen – für Herbert Belter, Ernst Bloch, Werner Ihmels, Hans Mayer, Wolfgang Natonek, Georg-Siegfried Schmutzler" gab der Schriftsteller Erich Loest bei dem Leipziger Künstler Reinhard Minkewitz in Auftrag. Loest hatte sich ein Gemälde gewünscht, das beispielhaft an Menschen erinnert, die sich zu DDR-Zeiten der SED-Politik und ihrer Umsetzung durch die damalige Universitätsleitung widersetzten. Nach längeren Auseinandersetzungen um Finanzierung und Aufstellung übernahm die Stiftung Friedliche Revolution 2014 das Projekt. Als langfristige Leihgabe an die Universität ziert es nun die Wand vor dem Hörsaal 3 im ersten Obergeschoß des Hörsaalgebäudes. Mit der Hängung im Hörsaalgebäude erfüllte sich ein dringender Wunsch von Erich Loest.

 

Gemälde Aufrecht stehen von Reinhard Minkewitz
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Die Sammlungsvitrine im Untergeschoß des Neuen Augusteums, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Vitrine im Neuen Augusteum zeigt Vielfalt der universitären Sammlungen

Unter Federführung der Kustodie wurde im Neuen Augusteum eine Vitrine eingerichtet, in der sich die Museen und Sammlungen der Universität auf dem Campus Augustusplatz zentral und gemeinsam präsentieren. Die 30 Schaukästen machen die Vielfalt der an der Universität Leipzig beheimateten Sammlungen anschaulich: Von Archäologie bis Kunstsammlung, von den Lehrsammlungen Anatomie/Pathologie bis Zoologie stellen sich hier geistes- und naturwissenschaftliche Fächer mit jeweils einem ausgewählten Objekt und einem informativen Text vor. Die Gestaltung und Bestückung erfolgte im Rahmen eines Projektseminars im Sommersemester 2017, veranstaltet vom Institut für Kunstgeschichte und der Kustodie.

An eine historische Kunst- und Wunderkammer erinnernd, vereint die Vitrine Kunstobjekte, Fotografien, Bücher, Münzen und archäologische Fundstücke mit naturwissenschaftlichen bzw. medizinischen Präparaten, Mineralien oder mathematischen Modellen. Die umfangreichen Sammlungen sind Grundlage der Wissenschaft und stellen bedeutende Ressourcen für Forschung, Lehre und allgemeine Bildung dar. Die Schaukästen im Untergeschoss des Neuen Augusteums laden dazu ein, die Museen oder Sammlungen wieder einmal genauer anzuschauen.

 

Webseite der Museen und Sammlungen der Universität Leipzig

Gesellschaft für Universitätssammlungen e.V.

Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland

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