Unsere Kunstsammlung umfasst ca. 10.000 Objekte – Gemälde, Plastik, Grafik und Kunsthandwerk vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. Einen Teil der Kunstwerke zeigen wir dauerhaft oder temporär in Ausstellungen, andere Objekte lagern wir in unseren Depots. Die Kustodie verwaltet zudem auch alle Kunstgüter in den Einrichtungen, Fakultäten und Instituten der Universität, ob beweglich oder baugebunden. Auch das Gemälde im Büro des Professors oder ein Denkmal im öffentlichen Raum gehören beispielsweise dazu – wir verwalten den gesamten Kunstbesitz unserer Universität.

Kunstwerk des Monats

Max Klinger
Büste Wilhelm Wundt, 1908
Marmor
73,5 x 23 x 30 cm
bez. an der linken Sockelfläche: MK [lig.]
Leipzig, Universität, Kunstsammlung, Inv.-Nr. 0686/90

Max Klinger, Porträt des Psychologen Wilhelm Wundt, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Unser Kunstwerk des Monats Oktober ist die von Max Klinger (1857-- 1920) geschaffene Porträtbüste des Philosophen, Physiologen und Psychologen Wilhelm Wundt (1832-1920). Das Kunstwerk ist Teil der Ausstellung „Max Klinger und die Universität Leipzig“ und kann ab 15. Oktober in der Galerie im Neuen Augusteum besichtigt werden.

Max Klinger fertigte die Porträtbüste aus weißem Marmor leicht überlebensgroß und kombinierte das Porträt des berühmten Universitätsprofessors mit einem Hermenschaft. Die Darstellung zeigt die wesentlichen Gesichtszüge Wilhelm Wundts in seinen späteren Jahren, Klinger hat sie allerdings bewusst reduziert und idealisiert. Die Augen, die Wundt im Alter gesundheitliche Probleme bereiteten, sind zum Beispiel nicht ausgearbeitet. Das verleiht der Darstellung eine unnahbare, visionäre Aura. Die fließenden Formen der Skulptur erinnern an Rodin, wobei die Hermenform auch Vorbilder antiker Porträtbüsten anklingen lässt.

Die Marmorbüste entstand 1908 in einem zweiten Anlauf aus einem neuen Marmorblock und wurde noch im gleichen Jahr fertiggestellt. Porträtsitzungen für die Büste, die im Auftrag der Familie entstand, fanden zwischen Juli und November 1908 in Klingers Atelier statt. Einen ersten bearbeiteten Marmorblock hatte Klinger wegen einer ihn störenden dunklen Bänderung verworfen und noch einmal neu angefangen (das erste Exemplar vollendete er dann sechs Jahre später, im Jahr 1914; heute befindet es sich im Kunstmuseum Moritzburg in Halle). Wilhelm Wundt erwarb die frühere, aber im Grunde zweite Fassung vom Künstler im Jahr 1908 für 6000 Mark. Zu Lebzeiten des Psychologen war sie in seinen Leipziger Wohnungen, zunächst in der Goethestraße, später in der Schwägrichenstraße im Musikzimmer aufgestellt. Im Jahr 1996 konnte sie mit finanzieller Unterstützung der Dresdner Bank AG für die Universität Leipzig von den Nachfahren Wilhelm Wundts erworben werden.

Sammlungsgebiete

Seit der Gründung unserer Universität im Jahr 1409 bilden akademische Gerätschaften den Grundstock der Kunstsammlung. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie immer mehr an: durch Auftragsarbeiten für die Ausstattung von Gebäuden, durch die Übereignung von Porträts durch Professoren und Rektoren, durch Schenkungen, Vermächtnisse und Stiftungen. Diese Sammlung ist nicht planvoll angelegt, sondern historisch gewachsen.

Insignien und universitätsgeschichtliche Gegenstände

Wertvolle Insignien bilden den kostbarsten Besitz unserer Universität. Die prunkvollen goldenen Zepter oder das kunstreich gestaltete kleine Universitätsiegel zeigen wir in unserer Dauerausstellung im Rektoratsgebäude. Mit der Rektorkette kam Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Insignie hinzu. Zu diesem Sammlungsbereich gehören auch Fahnen, Pokale und Studentica.

Die goldene und reich bestückte Rektorkette der Universität Leipzig aus dem Jahr 1855.
Die silbernen und goldenen Elemente der Zepter der Universität Leipzig finden ihren Höhepunkt in der prächtigen Krone am oberen Ende.
Das mit Arkantusblättern verzierte Siegel der Universität Leipzig ist in Silber gegossen und zeigt auf der Stempelseite das Siegel des Rektors.

Kloster und Universitätskirche St. Pauli

Nach der Reformation erhielt unsere Universität durch die Schenkung des Paulinerklosters und der Kirche einen beachtlichen Bestand an mittelalterlichen Gemälden und Plastiken. Dazu zählen neben den Fresken des Dominikanerklosters und Skulpturen aus dem Klosterbesitz, wie die des Thomas von Aquin, Dietrich von Wettin oder des Apostels Paulus, auch einige frühe Grabplatten und der Paulineraltar. Die Epitaphien der Universitätskirche St. Pauli entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Die gedunkelte Sandsteinfigur zeigt den Heiligen Paulus mit einem Buch in der linken Hand, die recht Hand fehlt.
Die zweiseitige Tafel zeigt auf der Vorderseite Maria, die einem Mönch das Gefäß der Erwählung präsentiert.
Ein gebrannter Ziegelstein zeigt die Jahreszahl 1513 und ist dem alten Paulinerkloster zuzuordnen.

Porträtgalerien

Bildnisse bedeutender Persönlichkeiten der Universitätselite, berühmte Wissenschaftler und Gelehrte sind in Porträtgalerien zusammengefasst. Die Professorengalerie der Universitätsbibliothek umfasst Porträts des 16. bis 18. Jahrhunderts. Einen Großteil davon stellen wir heute im ersten Obergeschoss des Neuen Augusteums aus. Die Ordinariengalerie der Juristenfakultät überliefert nahezu vollständig Bildnisse aller juristischen Ordinarien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Private Ursprünge hat die Freundschaftsgalerie des Leipziger Verlegers Philip Erasmus Reich mit Porträts bedeutender Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Wir zeigen diese fast vollständig in der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude.

Im 19. Jahrhundert gab die Universität zur Ausstattung des neuen Hauptgebäudes repräsentative Denkmale und Büsten in Auftrag, um Personen zu ehren, die sich besondere Verdienste für die Universität erworben hatten. Ein „Büstenhain“ wird im Foyer des neuen Augusteums aufgestellt (in Planung).

Das Porträt zeigt den Juristen Michael Wirth in Richterrobe
Das Porträt des Mediziners Johannes Hoppe präsentiert ihn in zeitgenössischer Kleidung und langem roten Haar
Das goldgerahmte Porträt zeigt den Leipziger Verleger Reich mit reich bestickter roter Kleidung und Perücke

Grafik

Die reichen Grafikbestände unserer Sammlung umfassen ganz unterschiedliche Konvolute. Neben der Grafiksammlung des Karl-Sudhoff-Instituts und dem zeichnerischen Nachlass von W. G. Tilesius von Tillenau (vgl. dazu unser Forschungsprojekt) sind die Handzeichnungen von B. und C. Genelli oder die Werke des Leipziger Kupferstechers Johann Friedrich Bause besonders hervorzuheben.

Eine Szenerie mit mehreren Personen konzentriert sich im Mittelpunkt auf einen Mann, der liegend auf einem Fels von einem Putten einen Spiegel vorgehalten bekommt.
Eine architektonische Inszenierung eines Porträts des Verstorbenen, in welcher ein kleiner Putte vor einem Grabstein unterhalb des Porträts sitzt
Die Grafik zeigt einen Menschen im Profil und beschreibt die verschiedenen Ebenen seines intellektuellen Denkens

Kunst der DDR

Zu Zeiten der DDR förderte die „Karl-Marx-Universität“ insbesondere Ausstellungen zeitgenössischer Künstler: Neubauten sollten mit sozialistischer Kunst geschmückt werden. So entstanden Kunstwerke unter ideologischen Vorzeichen, wie das Fassaderelief „Aufbruch“ oder das Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ von Werner Tübke. Die Kunstsammlung der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) ging in unseren Bestand über. Darunter finden sich herausragende Kunstwerke wie der „Weitspringer“ von Willi Sitte aus dem Jahr 1976 oder das "Bildnis der Eiskunstläuferin Katharina Witt" von Heinz Wagner (1986). Auch bedeutende Werke der Leipziger Schule – von Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Bernhard Heisig oder Heinz Zander – gehören zu unserem Bestand. Die Universität erhielt außerdem Künstlernachlässe, zum Beispiel von H. E. Strüning und Rudolf Oelzner.

Prächtige Farben bilden eine Stadtansicht Moskaus ab
Kurt Dornis, Moskau, 1976, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

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