Unsere Kunstsammlung umfasst ca. 10.000 Objekte – Gemälde, Plastik, Grafik und Kunsthandwerk vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. Einen Teil der Kunstwerke zeigen wir dauerhaft oder temporär in Ausstellungen, andere Objekte lagern wir in unseren Depots. Die Kustodie verwaltet zudem auch alle Kunstgüter in den Einrichtungen, Fakultäten und Instituten der Universität, ob beweglich oder baugebunden. Auch das Gemälde im Büro des Professors oder ein Denkmal im öffentlichen Raum gehören beispielsweise dazu – wir verwalten den gesamten Kunstbesitz unserer Universität.

Kunstwerk des Monats

Unbekannter, niederrheinischer Maler

Hans Georg Achelis (Stifter, 1865–1937)
Geburt Christi (Altarfragment, ehemalige Paulinerkirche, Hauptchor, Südwand)
Staffeleibild Öl auf Holz, um 1510
Bildträger: 80,8 x 63,5 cm

Objektmaß: 94 x 79,2 x 10 cm
Inv.-Nr. 0061/90, Bergungsnummer 5.426

Unbekannter niederrheinischer Maler, Geburt Christi (Altarfragment), um 1510

Passend zur Jahreszeit ist unser Kunstwerk des Monats Dezember das Gemälde „Geburt Christi“. Es gehört zu einem Ensemble von insgesamt sechs Tafeln eines Flügelaltars, dessen Herkunft ebenso wie die des Künstlers nicht gesichert ist, jedoch gemeinhin im Niederrheinischen vermutet wird.

Das farbenprächtige Gemälde zeigt die Geburt und Anbetung Christi. Im Vordergrund links der Bildmitte kniet Maria mit gefalteten Händen, ein goldener Heiligenschein erstrahlt um ihren Kopf. Gehüllt in einen langen, blauen Umhang über einem goldroten Unterkleid, betrachtet sie das nackte Jesuskind, welches ebenfalls mit Heiligenschein auf ihrem, sich auf dem Boden ausbreitenden Umhang liegt. Am rechten Bildrand, leicht versetzt hinter Maria, kniet Josef, gekleidet in ein rotes Gewand. Mit seiner linken Hand umfasst er neben einem schlichten Wanderstock eine brennende Kerze, über die er schützend seine rechte Hand hält. Im Mittelgrund hinter ihnen erstreckt sich bis an den oberen Bildrand und nahezu über die gesamte Bildbreite ein offen gehaltener, gemauerter Stall. Hierin liegen, bildmittig positioniert, ein Ochse und ein aus einer Heuraufe fressender Esel, links unterhalten sich zwei Hirten. Eine grüne Wald- und Hügellandschaft vor einem golden schimmernden Himmel eröffnet sich dem Betrachtenden im Hintergrund.

Die sechs Tafeln des Flügelaltars gelangten nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren als Schenkung durch Hans Georg Achelis (1865–1937) an die Universität Leipzig. Bis zur Sprengung der Universitätskirche St. Pauli 1968 waren sie an den Pfeilern der Südempore des Hauptchors angebracht, nach der Bergung wurden sie in verschiedenen Archiven und Magazinen aufbewahrt. Für das hier vorgestellte Gemälde erfolgte in den Jahren 1978 und 2000 eine grundlegende Restaurierung durch Detlef Kautz, Restaurator aus Erfurt. Seit 2011 wird es zusammen mit den anderen fünf Altartafeln in der Studiensammlung im Rektoratsgebäude (Ritterstr. 26) gezeigt. Der Stifter, Hans Georg Achelis war Kirchenhistoriker, Archäologe und evangelischer Theologe. Nach der Habilitation 1893 in Göttingen wirkte er ab 1901 an der Universität Königsberg (heute Kaliningrad), ab 1907 als Professor für Kirchengeschichte in Halle (Saale) sowie ab 1916 an der Universität Bonn. 1918 wechselte er schließlich an die Leipziger Universität, deren Rektor er von 1932 bis 1933 war. Achelis erforschte schwerpunktmäßig die altertümliche Kirche. Große Beachtung schenkte er dabei der Entstehung des Heiligenbildes in der katholischen Kirche sowie der frühchristlichen Architektur, Malerei und Plastik. Hans Georg Achelis war keine unumstrittene Persönlichkeit. Er schien mit dem nationalsozialistischen Regime zu sympathisieren und ließ dies vermutlich auch in seine Wirkungszeit als Rektor einfließen. Die Stiftung ist bislang kaum untersucht.

Sammlungsgebiete

Seit der Gründung unserer Universität im Jahr 1409 bilden akademische Gerätschaften den Grundstock der Kunstsammlung. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie immer mehr an: durch Auftragsarbeiten für die Ausstattung von Gebäuden, durch die Übereignung von Porträts durch Professoren und Rektoren, durch Schenkungen, Vermächtnisse und Stiftungen. Diese Sammlung ist nicht planvoll angelegt, sondern historisch gewachsen.

Insignien und universitätsgeschichtliche Gegenstände

Wertvolle Insignien bilden den kostbarsten Besitz unserer Universität. Die prunkvollen goldenen Zepter oder das kunstreich gestaltete kleine Universitätsiegel zeigen wir in unserer Dauerausstellung im Rektoratsgebäude. Mit der Rektorkette kam Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Insignie hinzu. Zu diesem Sammlungsbereich gehören auch Fahnen, Pokale und Studentica.

Die goldene und reich bestückte Rektorkette der Universität Leipzig aus dem Jahr 1855.
Die silbernen und goldenen Elemente der Zepter der Universität Leipzig finden ihren Höhepunkt in der prächtigen Krone am oberen Ende.
Das mit Arkantusblättern verzierte Siegel der Universität Leipzig ist in Silber gegossen und zeigt auf der Stempelseite das Siegel des Rektors.

Kloster und Universitätskirche St. Pauli

Nach der Reformation erhielt unsere Universität durch die Schenkung des Paulinerklosters und der Kirche einen beachtlichen Bestand an mittelalterlichen Gemälden und Plastiken. Dazu zählen neben den Fresken des Dominikanerklosters und Skulpturen aus dem Klosterbesitz, wie die des Thomas von Aquin, Dietrich von Wettin oder des Apostels Paulus, auch einige frühe Grabplatten und der Paulineraltar. Die Epitaphien der Universitätskirche St. Pauli entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Die gedunkelte Sandsteinfigur zeigt den Heiligen Paulus mit einem Buch in der linken Hand, die recht Hand fehlt.
Die zweiseitige Tafel zeigt auf der Vorderseite Maria, die einem Mönch das Gefäß der Erwählung präsentiert.
Ein gebrannter Ziegelstein zeigt die Jahreszahl 1513 und ist dem alten Paulinerkloster zuzuordnen.

Porträtgalerien

Bildnisse bedeutender Persönlichkeiten der Universitätselite, berühmte Wissenschaftler und Gelehrte sind in Porträtgalerien zusammengefasst. Die Professorengalerie der Universitätsbibliothek umfasst Porträts des 16. bis 18. Jahrhunderts. Einen Großteil davon stellen wir heute im ersten Obergeschoss des Neuen Augusteums aus. Die Ordinariengalerie der Juristenfakultät überliefert nahezu vollständig Bildnisse aller juristischen Ordinarien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Private Ursprünge hat die Freundschaftsgalerie des Leipziger Verlegers Philip Erasmus Reich mit Porträts bedeutender Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Wir zeigen diese fast vollständig in der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude.

Im 19. Jahrhundert gab die Universität zur Ausstattung des neuen Hauptgebäudes repräsentative Denkmale und Büsten in Auftrag, um Personen zu ehren, die sich besondere Verdienste für die Universität erworben hatten. Ein „Büstenhain“ wird im Foyer des neuen Augusteums aufgestellt (in Planung).

Das Porträt zeigt den Juristen Michael Wirth in Richterrobe
Das Porträt des Mediziners Johannes Hoppe präsentiert ihn in zeitgenössischer Kleidung und langem roten Haar
Das goldgerahmte Porträt zeigt den Leipziger Verleger Reich mit reich bestickter roter Kleidung und Perücke

Grafik

Die reichen Grafikbestände unserer Sammlung umfassen ganz unterschiedliche Konvolute. Neben der Grafiksammlung des Karl-Sudhoff-Instituts und dem zeichnerischen Nachlass von W. G. Tilesius von Tillenau (vgl. dazu unser Forschungsprojekt) sind die Handzeichnungen von B. und C. Genelli oder die Werke des Leipziger Kupferstechers Johann Friedrich Bause besonders hervorzuheben.

Eine Szenerie mit mehreren Personen konzentriert sich im Mittelpunkt auf einen Mann, der liegend auf einem Fels von einem Putten einen Spiegel vorgehalten bekommt.
Eine architektonische Inszenierung eines Porträts des Verstorbenen, in welcher ein kleiner Putte vor einem Grabstein unterhalb des Porträts sitzt
Die Grafik zeigt einen Menschen im Profil und beschreibt die verschiedenen Ebenen seines intellektuellen Denkens

Kunst der DDR

Zu Zeiten der DDR förderte die „Karl-Marx-Universität“ insbesondere Ausstellungen zeitgenössischer Künstler: Neubauten sollten mit sozialistischer Kunst geschmückt werden. So entstanden Kunstwerke unter ideologischen Vorzeichen, wie das Fassaderelief „Aufbruch“ oder das Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ von Werner Tübke. Die Kunstsammlung der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) ging in unseren Bestand über. Darunter finden sich herausragende Kunstwerke wie der „Weitspringer“ von Willi Sitte aus dem Jahr 1976 oder das "Bildnis der Eiskunstläuferin Katharina Witt" von Heinz Wagner (1986). Auch bedeutende Werke der Leipziger Schule – von Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Bernhard Heisig oder Heinz Zander – gehören zu unserem Bestand. Die Universität erhielt außerdem Künstlernachlässe, zum Beispiel von H. E. Strüning und Rudolf Oelzner.

Prächtige Farben bilden eine Stadtansicht Moskaus ab
Kurt Dornis, Moskau, 1976, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

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