Aktuell teilen sich drei Restauratorinnen in den Fachbereichen Gemälde, polychrome Skulptur und Kunstwerke auf Papier eine Stelle. Unsere wichtigste Aufgabe ist, das Kunstwerk in seiner materiellen Substanz so gut wie möglich für die Zukunft zu erhalten. Auch die Kinder unserer Kinder sollen die Zeugnisse der vergangenen Jahrhunderte bewundern können, wie wir es heute tun. In der Restaurierung sind wir deshalb für die Pflege und Instandhaltung der universitären Schätze zuständig. Eine vielschichtige und verantwortungsreiche Aufgabe.

Die Restauratorin Claudia Nicolaisen-Luckenbach arbeitet an einem Werk mittels Mikroskop
Die Restauratorin Philips bei der Arbeit über Grafiken
Die Gemälderestauratorin Sibylle Wulff arbeitet an einem Bil.

Manchmal tritt trotz all unserer Bemühungen, Schäden vorzubeugen oder vorausschauend zu handeln (präventive Konservierung) ein Schadensfall ein. Oder es kommt ein Werk bereits vorgeschädigt in die Sammlung. Dann müssen wir eingreifen. Vor jeder Konservierung oder Restaurierung steht eine genaue Untersuchung des Objekts an. Dafür wird zunächst ein individuelles Bearbeitungskonzept erstellt. Der umfangreiche Bestand der Kustodie erfordert zahlreiche, ganz unterschiedliche Restaurierungsmaßnahmen. Beispiele finden Sie unter den „aktuellen Projekten“. Die praktischen Arbeiten am Objekt werden nach modernsten konservatorischen Gesichtspunkten entweder direkt vor Ort im Depot oder im Restaurierungsatelier durchgeführt. Das Prinzip der 'minimal intervention' ist unser oberstes Gebot: „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Eine Konservierung und Restaurierung kann sehr lange dauern und ist Präzisionsarbeit auf wissenschaftlicher Basis. Im Idealfall erkennt der Laie bei der Betrachtung des Kunstwerkes nichts davon.

Ganz neu im Team ist seit Februar 2021 die Papierrestauratorin Annegret Philipsen.

Präventive Konservierung

Alle Kunstwerke unterliegen Alterungsprozessen. Ziel der präventiven, vorbeugenden Konservierung ist es, diese zu verlangsamen und das Kunstwerk in seinem Originalzustand oder seinem überlieferten materiellen Bestand zu erhalten. Darum sorgen wir dafür, dass unsere „Schützlinge“ unter den bestmöglichen Bedingungen aufbewahrt, gehandhabt und ausgestellt werden. Die Restauratorinnen versuchen Schadensursachen bereits im Vorfeld zu erkennen, um diese zu minimieren und im besten Fall zu verhindern. Präventive Maßnahmen helfen zu vermeiden, dass ein Kunstwerk überhaupt restauriert werden muss.

Für unsere Sammlungs- und Depoträume entwickeln wir Strategien im Hinblick auf möglichst stabile Klimawerte (das beinhaltet Temperatur und relative Luftfeuchte) und Beleuchtung/Lichtschutz. Auch die Erfassung, Reduzierung und Vermeidung von Luft- und Schadstoffen liegen ebenso in unserem Arbeitsbereich wie der fachgerechte Umgang mit den Kunstwerken, die Art der Lagerung und sichere Montagen. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf möglichen Schädlingsbefall. Ein aktuelles Projekt ist es, Notfallpläne zu entwickeln.

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Die Restauratorin misst bei der Wartung der Ausstellungen die klimatischen Bedingungen
Kontrolle der Klimawerte in der Dauerausstellung, Foto: Kustodie/Simone Tübbecke

Sammlungspflege

Alle Kunstwerke – ob Objekte in der Dauerausstellung, auf dem Campus oder in den Depots - untersuchen wir regelmäßig auf ihren Erhaltungszustand. In einem Protokoll erfassen wir das Ergebnis für jedes einzelne Kunstwerk schriftlich und fotografisch. So können wir im Gefahrenfall, beispielsweise bei Lockerungen der Bildschicht, zu starkem Lichtein- oder Schädlingsbefall, möglichst schnell eingreifen. Das hält die Maßnahmen gering.

Einmal im Jahr können Sie uns dabei auf dem Campus beobachten, wie wir von den Kunstwerken im öffentlichen Raum Staub und andere oberflächliche Verschmutzungen abnehmen. Wenn Sie Fragen zu unserer Arbeit haben, sprechen Sie uns gerne an.

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Bei der Wartung der Epitaphien im Paulinum bessert die Restauratorin die Kunstwerke aus.
Wartung der Epitaphien im Paulinum 2019, Foto: Kustodie/Simone Tübbecke

AUSSTELLUNGSBETREUUNG

Als Restauratorinnen übernehmen wir auch vielfältige Aufgaben im Rahmen des Leihverkehrs und der Wechselausstellungen. Dies umfasst Tätigkeiten wie die Beurteilung der Transportfähigkeit von Kunstwerken, die ausgeliehen werden sollen sowie die objektgerechte Verpackung. Das Handling mit dem Kunstwerk beaufsichtigen wir ebenso wie den Transport und die Installation im Ausstellungsraum. Ein Zustandsprotokoll für jedes Werk macht es uns möglich, auch kleinste Veränderungen am Objekt und den Zeitpunkt der Schädigung nachvollziehen zu können.

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Die Restauratorin fertigt ein Zustandsprotokoll eines Gemäldes an.
Ein Bild geht auf Reisen. Um eventuelle Veränderungen während des Leihvorgangs nachvollziehen zu können, wird zuvor ein Zustandsprotokoll angefertigt, Foto: Kustodie/Simone Tübbecke

Kunst im öffentlichen Raum

Viele Kunstwerke der Universität zieren die Räume und Flure der Fakultäten, Institute und der Bibliotheca Albertina. Auch in dem einen oder anderen Büro finden sich unsere Schätze. Restauratorinnen achten darauf, dass die Hängeorte mit Bedacht ausgesucht werden: ohne Sonneneinstrahlung, ohne Heizung in unmittelbarer Nähe und mit möglichst wenig Gefahren durch mechanische Verletzungen wie Kratzer oder Stöße durch Rucksäcke oder Stühle. Natürlich sichern wir jedes Kunstwerk unsichtbar gegen Diebstahl. Die meisten Objekte im öffentlichen Raum sind ohnehin so groß, dass sie nicht mitgenommen werden können, ohne großes Aufsehen zu erregen.

Für besonders empfindliche Werke, die aber dennoch dauerhaft öffentlich zugänglich sein sollen, wurden zum Schutz klimatisierte Vitrinen angefertigt. Sie schützen vor allen oben genannten Gefahren und halten zudem die relative Luftfeuchte auf einem konstanten Level.

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Drei Mitarbeiter der Kustodie bringen gemeinsam ein Gemälde in der Universitätsbibliothek Leipzig an.
Anbringung eines Gemäldes in der Universitätsbibliothek 2012, Foto: Archiv Kustodie

Weitere aufgaben

Ist das wirklich ein Cranach? Restauratoren sind Kenner des künstlerischen Materials. Wir werden oft hinzugezogen, wenn es um die Erforschung von Kunstwerken geht - die Geschichte, das Alter oder die Originalität eines Objekts.

Mehr zur Forschung

Eine Restauratorin prüft mit einem Mikroskop ein Gemälde.
Durch mikroskopische Untersuchungen können auch Zuschreibungen geprüft werden, Foto: Kustodie/Marion Wenze

Wir bieten für Studierende der Restaurierung im Fachbereich Gemälde/gefasste Skulptur Semesterferienpraktika und Praxissemester an. Auch eine Stelle für ein einjähriges Vorpraktikum, das als Zulassungsvoraussetzung für ein Studium notwendig ist, kann bei uns absolviert werden.

Mehr zu Praktika

Die Restauratorin erklärt einer Studentin die Arbeit mit dem Mikroskop am Werk
Die Gemälderestauratorin Claudia Nicolaisen-Luckenbach erklärt einer Studierenden die Arbeit mit dem Mikroskop, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

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