Die Kustodie führt seit den 1970er Jahren Ausstellungen an verschiedenen Standorten durch. Die "Galerie im Hörsaalbau" konnte 1979 mit der Ausstellung "Gerhard Kurt Müller – Skulpturen und Zeichnungen" eröffnet werden. Eine Ausstellungstätigkeit im Kroch-Haus (heute Ägyptisches Museum) wurde 1983 mit "Luther und Leipzig" aufgenommen. 1997 eröffnete die Dauerausstellung im Rektoratsgebäude. Durch Umstrukturierungen gingen Standorte für Wechselausstellungen in den 2000er Jahren verloren, diese Tradtion wird seit 2012 in der "Galerie im Neuen Augusteum" auf dem Campus Augustusplatz weitergeführt.

Schwarz-weiß-Foto mit Blick in einen Galerie Raum, links an der Wand hängen Zeichnungen und Grafiken, rechts im Raum steht im Vordergrund eine hohe, schmale Skulptur, die eine Frau darstellt
Eine der ersten Ausstellungen der Kustodie, Gerhard Kurt Müller, Galerie im Hörsaalbau, 1979, Foto: Archiv Kustodie

Ausstellungen ab 2021

Ausschnitt des Gemäldes "Die Blüte Griechenlands" von Max Klinger, dargestellt ist eine Landschaft mit mythologischen und historischen Figuren, Venus, Homer etc.
Max Klinger, Die Blüte Griechenlands (Ausschnitt), Reproduktion E. A. Seemann Verlag Leipzig, 1909, Foto: Scan Color Leipzig

Ausstellung in der Galerie im Neuen Augusteum

15. Oktober 2021 bis 22. Januar 2022

Im Jahr 1909 wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500jährigen Jubiläum der Leipziger Universität Max Klingers Aulawandbild „Die Blüte Griechenlands“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Auftrag für das Gemälde war dem Künstler 1896 im Zusammenhang mit den von Arwed Rossbach geleiteten Um- und Neubauten der Universität am Augustusplatz von der Sächsischen Staatsregierung übertragen worden. Wie so viele historische Raumausstattungen verbrannte das 6,15 x 20,30
Meter große Leinwandbild im Zweiten Weltkrieg und verschwand aus dem kulturellen Gedächtnis. Mit der Ausstellung sollen Künstler und Gemälde neu betrachtet und eingeordnet werden. Das Gemälde beruft sich auf ein antikes Bildungsideal, dessen Inszenierung in der Universitätsaula nur allzu passend erschien. Zu sehen sind mehrere Figurengruppen der griechischen Geschichte und Mythologie – platziert vor dem Hintergrund einer abwechslungsreichen, südlichen Landschaft. Etwas losgelöst vom Geschehen posiert Aphrodite ganz links am Bildrand. Daneben befindet sich Homer, der zu einer vor ihm im Gras sitzenden Menschengruppe spricht. Am äußeren rechten Rand betritt Alexander der Große die Szene. Dazwischen tummeln sich Philosophen und Dichter, Jungfrauen, Jünglinge und Musen. Wie bei vielen Werken Klingers lässt auch dieses Gemälde keine eindeutige Bildaussage zu, sondern es lädt ein zu vielfältigen Deutungen und Assoziationen.


Begleitprogramm
(Corona bedingt musste der Großteil der Veranstaltungen entfallen)


DONNERSTAG, 4. NOVEMBER, 18 UHR
„Max Klinger und die Universität Leipzig“
Dr. Christine Hübner

DONNERSTAG, 11. NOVEMBER, 17 UHR
Allgemeiner Rundgang durch die Ausstellung

DONNERSTAG, 18. NOVEMBER, 18 UHR
„Max Klinger und die Universität Leipzig“
Dr. Simone Tübbecke

DONNERSTAG, 25. NOVEMBER, 15 UHR
„Universitäre Selbstdarstellung der Gründerzeit“
Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen

DONNERSTAG, 2. DEZEMBER
Dies Academicus, 14 Uhr, 16 Uhr, 17 Uhr
Allgemeiner Rundgang durch die Ausstellung

MITTWOCH, 8. DEZEMBER, 18 UHR
„Privates im Öffentlichen – Max Klinger, Elsa Asenijeff und das Aulabild“
Dr. Conny Dietrich und Rita Jorek

DONNERSTAG, 6. JANUAR, 18 UHR
„Vieles sehr schön. Manches weniger.“
Der Leipziger Archäologe Franz Studniczka und Max Klingers Aulabild
Dr. Hans-Peter Müller

DONNERSTAG, 13. JANUAR, 18 UHR
„Griechische Kultur in Ideallandschaft. Zum Bildprogramm des Wandgemäldes“
Dr. Conny Dietrich

FREITAG 21. JANUAR, 18 UHR
FINISSAGE, Live Talk – Diskussionsrunde zur Ausstellung
Hörsaal 9, Hörsaalgebäude, Universitätsstraße 3, 04109 Leipzig

Blick in die Ausstellung "Max Klinger und die Universität Leipzig", WS 2021/22, Foto: Kustodie/Marion Wenzel
Blick in die Ausstellung "Max Klinger und die Universität Leipzig", WS 2021/22, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellungen der Jahre 2015 bis 2020

Ausstellung vom 5. März bis 12. Juli 2020 (verlängert bis Dezember) in der Galerie im Neuen Augusteum

Ausstellung der UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK LEIPZIG und der Kustodie der Universität Leipzig in Kooperation mit der Veterinärmedizinischen FakultätBibliotheca Albertina und Galerie im Neuen Augusteum Laufzeit ursprünglich 5. März bis 12. Juli 2020, Verlängerung bis 22. November/15. Dezember 2020 mit vorzeitigen Schließungen.

Aufgrund der Corona–Pandemie konnte die Ausstellung nur wenige Wochen gezeigt werden, daher haben wir digitale Angebote erarbeitet. Zu der Ausstellung haben wir einen Audioguide–Rundgang erstellt. ExpertInnen der Kustodie und der Veterinärmedizin geben Erläuterungen zu ausgewählten Objekten. Außerdem erhält man in einem Filmclip einen nachträglichen Eindruck zur Ausstellung.

FILMCLIP ZUR AUSSTELLUNG

DOKUMENTATION ZUR AUSSTELLUNG

KINDERFILM ZUR AUSSTELLUNG

AUDIO-GUIDE-PLAYLIST

Weitere Informationen unter:
UNI-LEIPZIG.DE/+PFERDE

Die Publikation zur Ausstellung ist über den Verlag wbg Theiss zu beziehen.
EINBLICK

Die Beziehung Mensch–Pferd und im Besonderen die Geschichte der sächsischen Veterinärmedizin behandelt eine Doppelausstellung, die ab März in der Bibliotheca Albertina und in der Galerie im Neuen Augusteum der Universität Leipzig gezeigt wird.

An zwei Standorten wird mit wertvollen historischen Universitätsbeständen, pferdemedizinischen Büchern und Objekten, das Zusammenwirken von Forschung, Lehre und Sammlungen illustriert. In der Bibliotheca Albertina werden die meist aufwändig illustrierten Pferdebücher aus dem reichen Bestand der Universitätsbibliothek ausgestellt. Objekte aus den Sammlungen der Veterinärmedizin – Pferdemodelle, Präparate, Instrumente, handgezeichnete Lehrtafeln sowie Druckgraphik – zeigt die Galerie im Neuen Augusteum. An der Ausstellung in der Galerie im Neuen Augusteum haben sich die Sammlungen der  veterinärmedizinischen Einrichtungen der Universität Leipzig beteiligt: Der Veterinär–Anatomischen Lehrsammlung, den Sammlungen des Instituts für Veterinär–Pathologie und der Hufbeschlagschule sowie der Veterinärmedizinhistorischen Sammlung. Auch wenn diese auf die historischen Strukturen des 19. Jahrhunderts zurückgehen, sind die meisten Exponate im 20. Jahrhundert entstanden.

Schönheit und Leiden der Pferde bilden die beiden Pole der Ausstellung. Schönheit kommt in einer Reihe von eindrucksvollen Kupferstichen und Lithographien zum Ausdruck, die die Dresdner Veterinärbibliothek bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwarb. Hier spiegelt sich die Begeisterung der Zeitgenossen für edle Tiere und besondere Pferderassen wider, gleichzeitig sind genaue Kenntnisse der Pferdeanatomie ablesbar. Eine ganz eigene ästhetische Qualität besitzt der umfangreiche Bestand an handgezeichneten, mitunter monumentalen historischen Lehrtafeln. Diese Schaubilder, die über Generationen hinweg in der Lehre eingesetzt wurden, sind häufig von bestechender Präzision und illustrieren die Geschichte der jeweiligen Fachdisziplin. Sie zeugen nicht nur von den didaktischen Absichten der Professoren, sondern auch von der Kunstfertigkeit der Zeichner. Zu sehen sind unter anderem Tafeln zu Knochenbau, Nervensystem und Organen des Pferdes sowie zu mikroskopischen Befunden. Die vielfältigen Leiden der Pferde werden in den ausgestellten Präparaten und Modellen, aber auch in einer Reihe von Objekten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs thematisiert. Neben einem vollständigen Pferdeskelett veranschaulichen besonders die Präparate tierischer Organe einzelne Krankheitsbilder. Die tierärztliche Behandlung von Krankheiten erfordert ein spezielles Instrumentarium, das in Vitrinen ausgestellt wird. Beispiele aus der Sammlung historischer Hufeisen zeigen hingegen, wie sich der Hufbeschlag der Pferde über Jahrhunderte verändert hat.

Ein Pferdeskelett im Ausstellungsraum
Ausstellungsdokumentation zu "Die Schönheiten und Leiden der Pferde", 2020, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 24. Oktober 2019 bis 24. Januar 2020 in der Galerie im Neuen Augusteum

Eine Ausstellung der Kustodie und des Instituts für Kunstpädagogik der Universität Leipzig mit dem Kolegium Edukacji Artystycznej, der Akademia Pedagogiki Specjalnej im. Marii Grzegorzewskiej aus Warschau. Die Kunstobjekte waren in der Galerie im Neuen Augusteum der Universität Leipzig zu sehen.

Löwen und Meerjungfrauen sind mythische Geschöpfe und die Wahrzeichen von Leipzig und Warschau. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die facettenreiche Arbeit von Menschen, die ihre Sichtweisen auf die Dinge und ihre alltäglichen Dilemmas teilen. Auf ihrem Weg streben sie in gleiche Richtungen und besitzen Ideen und Vorstellungen, denen zu folgen diese Ausstellung einlädt.

Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler bereiten in ihrer Tätigkeit als Akademiker und Akademikerinnen zukünftige Lehrerinnen und Lehrer auf ihren Beruf im Bereich der Kunstpädagogik vor. In sechs Jahren hat sich eine intensive Zusammenarbeit entwickelt. Durch den Erasmus-Austausch, durch eigenfinanzierte und NGO–geförderte Projekte konnten Studierende und Dozenten aus beiden Ländern zusammentreffen. In Warschau und Leipzig wurden verschiedene künstlerische und kunstpädagogische Projekte realisiert.

Malerei, Grafik, Plastik, Objekt, Fotografie und Video – gemeinsam stellen aus: Die bildenden Künstlerinnen und Künstler des Kolegium Edukacji Artystycznej, der Akademia Pedagogiki Specjalnej im. Marii Grzegorzewskiej aus Warschau und des Instituts für Kunstpädagogik der Universität Leipzig.

Ausstellungsdokumentation zu "Löwen und Meerjungfrauen", 2020, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 12. April bis 13. Juli 2019 in der Galerie im Neuen Augusteum

Studienreisen waren für Künstler seit Jahrhunderten Teil der Ausbildung und wichtige Inspirationsquelle. Selbst die DDR bemühte sich hier um Internationalität, wobei solche Auslandsaufenthalte im Rahmen eingeschränkter Reisefreiheit meist in „sozialistische Bruderländer“ wie Polen, Ungarn, Bulgarien, Tschechien oder die Sowjetunion und nur selten in „den Westen“ führten. Die Ausstellung beleuchtet diese Künstlerreisen anhand von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken aus den Jahren 1960 bis 1980 in der Kunstsammlung der Universität Leipzig.

Das Phänomen dieser Künstlerreisen ist schlecht dokumentiert und wenig erforscht. Die Auswahl der Künstler und die Etablierung der Kontakte oblag dem Verband Bildender Künstler. Wer wohin reisen durfte, war unter den Bedingungen der DDR naturgemäß ein Politikum, das sich oft – wenn überhaupt – nur in groben Zügen rekonstruieren lässt. Interessant ist natürlich auch die Frage, wie sich die Künstler mit den Reiseeindrücken auseinandersetzten, was sie auswählten – und was nicht, und wie sie es darstellten. Jenseits der spezifischen Aspekte werfen die Werke auch die überzeitliche Frage der Auseinandersetzung mit dem Fremden auf.

Die Kunst in der DDR hatte primär kulturpädagogische Aufgaben beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu verfolgen. Die vom Künstlerverband zentral organisierten Künstlerreisen dienten weniger der künstlerischen Bildung als der bekenntnishaften Völkerverständigung bzw. der Vermittlung eines sozialistischen Gemeinschaftsgefühls und wurden folgerichtig in die Sowjetunion und andere sozialistische Länder sowie, hauptsächlich in den frühen 1960iger Jahren, nach China und die jungen Nationalstaaten Asiens und Vorderasiens gelenkt.

Die meisten Bilder dieser Ausstellung entstanden ab ca. 1970 als staatliche Auftragswerke mit Werkverträgen der Abteilung Kultur beim Rat des Bezirkes Leipzig. Sie waren „zur Nutzung durch die Karl-Marx-Universität“ beziehungsweise zur zeitgenössischen Ergänzung ihrer historisch gewachsenen Kunstsammlung bestimmt. Die Kunstwerke fügen sich ein in das Ausstattungskonzept für die am damaligen Karl–Marx–Platz errichteten Neubauten der Universität, die zwischen 1968 und 1973 anstelle der in einer Demonstration politischer Macht gesprengten historischen Universitätsbauten entstanden. Andere Objekte entstammen der Kunstsammlung der DHfK, Künstlernachlässen und Schenkungen.

Als Zeugnisse eines wenig bekannten Kapitels der DDR–Kulturpolitik gilt es, diese Werke dreißig Jahre nach der politischen Wende neu in den Blick zu nehmen und auf Qualität, Entstehungsgeschichte und ideologischen Gehalt hin zu befragen.

Ausstellungsdokumentation zu "Künstlerreisen in der DDR", 2019, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 26. Oktober bis 19. Dezember 2018 und 7.–26. Januar 2019 in der Galerie im Neuen Augusteum

Die barocke Professorengalerie, die zu den unbekannten Schätzen der Kunstsammlung der Universität zählt, wurde ab 1600 für die 1543 begründete Universitätsbibliothek im Mittelpaulinum angelegt. Zusätzlich zu älteren Portraitbeständen entstand eine einheitliche Bildnisgalerie damaliger Professoren. Insbesondere der Aufruf des Bibliotheksdirektors Joachim Feller (1638–1691) von 1679 bewirkte ein starkes Wachstum der Bestände, die hier erstmals wieder als Galeriezusammenhang erfahrbar werden.


Nach Abriss des Mittelpaulinums 1894 wurden einzelne Gemälde in der neuerrichteten Bibliotheca Albertina gezeigt. Nach Magazinierung im Zweiten Weltkrieg stellte man ausgewählte Werke wieder aus; vieles jedoch verblieb im Depot. Die Kustodie begann 2010, die Werke zu restaurieren und in kunsthistorischen Seminaren zu erforschen. Seit 2016 werden ausgewählte Stücke auf dem innerstädtischen Campus am Augustusplatz präsentiert. Die Sonderausstellung thematisiert Entstehungsgeschichte, Anbringungsort, materielle Beschaffenheit der Bilder, Zuschreibungsfragen, Vereinheitlichungskampagnen sowie die Selbstdarstellung in anderen Medien wie Epitaphien, Matrikelblättern oder Kupferstichen. Die Ausstellung verleiht vielen Persönlichkeiten ein Gesicht und stellt eine inhaltliche Ergänzung der Epitaphien im Paulinum dar.

 

Begleitprogramm zur Ausstellung

Mittwoch, 12.12.2018, 15 Uhr – Vortrag
Neues Augusteum, Zwischengeschoss, Raum A122
Dipl.-Rest. Sibylle Wulff
Kluge Köpfe –
Den Restauratorinnen über die Schulter geschaut

Donnerstag, 10.01.2019, 15 Uhr – Vortrag
Neues Augusteum, Zwischengeschoss, Raum A122
Dipl.-Rest. M. A. Claudia Nicolaisen-Luckenbach
Kluge Köpfe –
Den Restauratorinnen über die Schulter geschaut

Donnerstag, 17.01.2019, 15 Uhr – Thematische Führung
Galerie im Neuen Augusteum
Dipl.-Phil. Cornelia Junge
„Viri illustres“ – Konzeptionelle Porträtsammlungen in der frühen Neuzeit am Beispiel der Bildnissammlung der Universitätsbibliothek Leipzig

Dienstag, 22.01.2019, 18 Uhr – Thematische Führung
Galerie im Neuen Augusteum
Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen
Bild und Image – Die Professorengalerie zwischen individueller und institutioneller Repräsentation

Blick in den Galerieraum, an der kurzen Wand hängt in Blockhängung eine Porträtgalerie mit 21 Gemälden, im Vordergrund eine Porträtbüste, links an der Wand eine Vitrinen, rechts an den Wängen hängen weitere Porträtgemälde und Texttafeln mit Erläuterungen
Ausstellung: "Kluge Köpfe. Die Professorengalerie der Universität Leipzig 1600-1800", Okt. 2018-Jan. 2019, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 20. Juni bis 18. August 2018 in der Galerie im Neuen Augusteum

In seinen Fotografien strebt Thomas Oelzner eine „Verschmelzung von Physik und Philosophie, von Wissenschaft und Kunst” an. Seine Vision von der „Einheit des Seins“ versucht er zu verwirklichen, indem er seine naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse mit seinem künstlerischen Schaffen verbindet. In seine Kunst fließen die Ergebnisse neuester Forschung ein, das Wissen um die innerste materielle Substanz der Dinge: Er selbst ist auf den Gebieten der Lebensenergieforschung, der Programmierung des Immunsystems und der analogen Vernetzung der enzymatischen Steuersysteme des Lebendigen tätig. Dieser Anspruch wird auch in Titeln wie „Versuche zur Unendlichkeit” (2011), „Licht des Lebens” (2014), „Energie für das Lebendige“ oder „Schöpferische Strukturen des Chaotischen” (2017) deutlich. Dabei bildet er hauptsächlich Motive aus der Natur ab, die die „Schönheit von Erscheinungen“ darstellen und der „Ehrfurcht vor dem Leben“ Ausdruck verleihen sollen. Der Druckprozess spielt bei den Arbeiten Thomas Oelzners eine herausgehobene Rolle: Auf Büttenpapier und mit japanischer Tinte entstehen kostbare Drucke von samtener Anmutung in Kleinstauflagen. Die BetrachterInnen sollen für die Textur der Oberfläche sensibilisiert werden.

Ein Abschnitt am Anfang der Ausstellung widmet sich dem Werk von Rudolf Oelzner (1906-1985), dem Vater von Thomas Oelzner. Aus seinem Nachlass, der in 1990er Jahren von der Universität zu einem Großteil erworben wurde, werden Plastiken und Zeichnungen gezeigt. Rudolf Oelzner, der in den 1960er Jahren im Rahmen von Lehrverträgen für die Universität tätig war, fertigte mehrere Kunstwerke für den öffentlichen Raum an, die noch heute das Stadtbild prägen: die Plastik „Familie“ an der Karl–Liebknecht–Straße oder die Figuren des "Speerwerfers" und der "Gymnastin" sowie die Kindergruppe "Rumpfheben" für Bauten des Sportwissenschaftlichen Instituts der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport, heute Teil des Universitätscampus Jahnallee.

Zur Ausstellung ist ein Katalog im PASSAGE VERLAG Leipzig erschienen.

Blick in den Galerieraum, im Raum stehen Vitrinen mit Objekten, an den Wänden hängen Fotografien
Ausstellungsdokumentation zu "Faszination des Schöpferischen. Arbeiten von Thomas und Rudolf Oelzner", 2018, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 17. April 2018 bis 31. Mai 2018 in der Galerie im Neuen Augusteum

Eine Ausstellung der Kustodie mit Unterstützung des Universitätsarchivs Leipzig

Die für Anfang Dezember geplante feierliche Eröffnung des Paulinums lieferte den Anlass, die Geschichte der Universitätskirche und die Entstehung des Neubaus in einer begleitenden Ausstellung zu erläutern. Vom 17. November 2017 bis 20. Februar 2018 zeigte die Kustodie in der Galerie im Neuen Augusteum die Sonderschau „Transformationen. Von der Universitätskirche zum Paulinum“, die die Zerstörung und nun vollendete Wiede­rerrichtung der Universitätskirche in neuer Gestalt und mit veränderter Funktion schlag­lichtartig beleuchtete. Im Fokus stand dabei die Geschichte der in großen Teilen bis heute erhaltenen Ausstattung: ihre Bergung, Erforschung, Lagerung, Restaurierung, Wiederan­bringung sowie die teilweise erforderliche Rekonstruktion. Die Ausstellung sollte den Besu­chern des Neubaus Hintergrundinformationen zum Bauwerk des niederländischen Archi­tekten Erick van Egeraats liefern. Gezeigt wurden Fotografien von historischen Zuständen und einzelnen Arbeitsschritten, Quellenmaterial zur Ausstattung sowie unrestaurierte Originalstücke, die im Neubau nicht aufgestellt werden konnten. Thematisiert wurden neben dem zeitgeschichtlich relevanten Schicksal der Kunstwerke vor allem auch die ungewöhnlichen Herausforderungen, vor die Restaurierung, Konzeption und Realisierung der Wiederanbringung gestellt waren. 

Als Ort des einstigen Dominikanerklosters und zentraler Universitätsstandort seit der Reformationszeit war der heutige innerstädtische Campus der Universität Leipzig immer wieder Schauplatz intensiver geistiger Auseinandersetzungen. Nicht selten wurden diese von weitreichenden architektonischen Transformationen begleitet. Keine Umformung war jedoch so drastisch wie jene ab 1968, die mit der Sprengung der mittelalterlichen Universitätskirche eingeleitet wurde, und an die durch die heutige Gestaltung erinnert werden soll.      

Begleitprogramm zur Ausstellung "Transformationen – Von der Universitätskirche zum Paulinum"

14.12.17, 18.00 Uhr
Dipl.–Rest. Claudia Nicolaisen–Luckenbach M. A.
»Das bewegte Leben der Epitaphien der Leipziger Paulinerkirche nach 1968 – Einblicke in die Konservierung und Restaurierung«
Neues Augusteum, Raum A122

24.1.18, 15.00 Uhr
Dipl.–Rest. Sybille Wulff
„Das bewegte Leben der Epitaphien der Leipziger Paulinerkirche nach 1968 – Einblicke in die Konservierung und Restaurierung“
Neues Augusteum, Zwischengeschoss, Raum A122

8.2.18, 18.00 Uhr Vortrag
Dr. Jens Blecher, Leiter des Universitätsarchivs
„Bewahren und Erinnern. Das Universitätsarchiv Leipzig und die Universitätskirche St. Pauli“
Paulinum, 5. OG, Hörsaal Felix–Klein

20.2.18, 18.00 Uhr Filmabend
„Die Toten der Paulinerkirche“
Galerie im Neuen Augusteum

19.4.18, 18.00 Uhr Vortrag
Cornelia Junge, Sammlungskonservatorin der Kustodie
„Aus Grüften und Mauern der Universitätskirche St. Pauli. Entdeckungen beim Umbau 1898, festgehalten im Bericht des Bauführers Theodor Quietzsch“
Galerie im Neuen Augusteum

17.05.18, 18.00 Uhr, Paulinum/Andachtsraum
Buchpräsentation
Benjamin Sommer (München)
"Mitteldeutsche Flügelretabel vom Reglermeister, von Linhart Koenbergk und ihren Zeitgenossen. Entstehung, Vorbilder, Botschaften"
Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 2018

Mittwoch, 30. Mai, 13–18 Uhr, Paulinum/Aula
Wissenschaftliches Kolloquium zum 50. Jahrestag der Sprengung der Paulinerkirche“
Organisatoren: Rektorat der Universität, Leibniz–Institut, GWZO, Historisches Seminar

Freitag, 22. Juni, 18–24 Uhr, Galerie im Neuen Augusteum
Sonderöffnung der Ausstellung im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften

Vorträge
19 Uhr
Inschriften von Epitaphien der Paulinerkirche
Prof. em. Dr. Rainer Kößling (Leipzig)

21 Uhr
Bilder für das Klosterleben – Das Paulinerretabel und die Leipziger Dominikaner
Benjamin Sommer (München)

Blick in den Galerieraum mit Vitrinen und Objekten, an den Wänden hängen Textfahnen und Fotos
Ausstellungsdokumentation zu "Transformationen. Von der Universitätskirche zum Paulinum", April-Mai 2018, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Sonderöffnung der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude vom 25. Mai bis 7. Juli und 12. Oktober bis 9. November 2017

Die Reformation bewirkte eine Modernisierung der Gesellschaft, an der die Universitäten maßgeblich beteiligt waren. Auch sie verbreiteten das reformatorische Gedankengut und formten die akademischen Eliten der kommenden Generationen. Die Ausstellung beginnt mit einem Rückblick auf die vorreformatorische, katholische Universität Leipzig und das örtliche Dominikanerkloster. Luthers Gegenspieler, der Ablassprediger Johann Tetzel, hatte an der Theologischen Fakultät studiert und war eine Zeit lang Lehrer am Kloster St. Pauli. Die Leipziger Disputation – das für den weiteren Verlauf der Reformation wegweisende Streitgespräch zwischen Martin Luther und dem katholischen Theologen Dr. Johann Maier aus Eck – fand unter organisatorischer Beteiligung der Universität Leipzig statt.

Nach der Reformation wurde die Universität Leipzig auf das Augsburger Bekenntnis verpflichtet und vollzog einen grundlegenden Wandel. Zentrale universitäre Ämter besetzten nun Vertreter der neuen Konfession, wie Caspar Borner oder Joachim Camerarius. Die Theologische Fakultät entwickelte sich zu einer der wichtigsten Institutionen der lutherischen Orthodoxie. Es folgte eine humanistische Bildungsreform, an der Philipp Melanchthon besonderen Anteil hatte. Nach dem Modell der Reformuniversität Wittenberg sollte nun auch die Leipziger Hochschule die Verbindung von reformatorischer Theologie und humanistischer Bildung vollziehen. Der geistige Wandel der Gelehrten zum evangelischen Glauben zeigt sich eindrucksvoll in den Bildwelten ihrer Epitaphien.

Die Übereignung der Klostergebäude und weiteren Grundbesitzes durch Kurfürst Moritz stellten die Hochschule finanziell auf eine neue Grundlage. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Kollegiengebäuden im Bereich Ritterstraße und Schlossgasse/Petersstraße stand nun neuer Raum für Lehrzwecke und Unterbringung zur Verfügung. Der in „Paulinerkolleg“ umbenannte ehemalige Klosterkomplex wurde zum Zentrum der Universität. In einem der Hauptgebäude, dem sogenannten Mittelpaulinum, entstand eine zentrale Universitätsbibliothek, deren Grundstock die Buchbestände säkularisierter sächsischer Klöster bildeten. Durch die mit der Schenkung verbundenen Güter und Privilegien wurde die Universität für lange Zeit zu der am besten ausgestatteten im deutschsprachigen Raum.

Das Schlusskapitel der Ausstellung wird durch die Rolle der Reformation in der Kunst der DDR bestimmt. Besonders die frühen 1970iger Jahre prägten Jubiläen, die die gesellschaftlichen Umbrüche und politischen Unruhen der Bauernaufstände thematisierten. Im Mittelpunkt der zum Teil für die Leipziger Universität geschaffenen Werke von Volker Stelzmann, Heinz Zander, Siegfried Ratzlaff und anderen steht dabei der ehemalige Leipziger Student und radikale Reformator Thomas Müntzer.

Ausstellungsdokumentation: "Die Universität und die Reformation", 2017, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 21. April bis 21. Juli 2017 in der Galerie im Neuen Augusteum

Ausstellung der Kustodie in Kooperation mit dem Institut für Kommunikations– und Medienwissenschaft der Universität Leipzig und in Zusammenarbeit mit dem Franz–Hitze–Haus Münster

Die Kustodie der Universität Leipzig zeigt Fotografien der Journalistin Anja Niedringhaus (1965-2014). Im Rahmen einer Kooperation mit dem Institut für Kommunikations– und Medienwissenschaft konnte die vom Franz–Hitze–Haus (Münster) im Jahr 2016 kuratierte Ausstellung nach Leipzig geholt werden. Gefördert wird die Übernahme durch Mittel der VolkswagenStiftung.

Die Arbeiten der Ausnahmefotografin, die 2014 in Afghanistan ums Leben kam, zeigen das multi–ethnische Land jenseits der Kriegsberichterstattung: Sie dokumentieren den ganz normalen Alltag der Menschen, die Situation der Frauen und Kinder und das Leben an der Peripherie. Niedringhaus holt in ihren Fotografien jene vor die Kamera, die die Nachrichtensendungen nicht zeigen.

Ausstellungsdokumentation: "Geliebtes Afghanistan", 2017, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 14. September bis 16. Dezember 2016 in der Galerie im Neuen Augusteum

Ausstellung der Kustodie und des Instituts für Psychologie der Universität Leipzig

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie, einer Schnittstellenwissenschaft zwischen Natur–, Geistes– und Sozialwissenschaften. Das durch Wilhelm Wundt 1879 gegründete, weltweit erste Institut für Psychologie wurde bald zu einem Mekka wissenschaftlicher Enthusiasten, die den Geist von Leipzig in alle Welt trugen. Hier sollte das Seelische endlich messbar gemacht und seine körperlichen sowie kulturellen Grundlagen untersucht werden. In dieser Ausstellung stellt das Institut für Psychologie der Universität Leipzig nun in Zusammenarbeit mit der Kustodie die Geschichte und Gegenwart der Psychologie dar. Diese werden anhand originaler Exponate aus der Zeit der Institutsgründung (Versuchsgeräte, völkerkundliche Artefakte, Illustrationen, Briefwechsel) sowie deren modernen Gegenstücken verglichen. Die Ausstellung ist interaktiv. Besucherinnen und Besucher können psychologische Wissenschaft sowohl als Beobachtende wie als Versuchsperson erleben.

 

Plakat zur Ausstellung: "Psychologie in Leipzig", 2016, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 24. April bis 16. Juli 2016 in der Galerie im Neuen Augusteum

Die Gartenkultur im Wandel der Zeit und ihre unterschiedlichen Zielsetzungen dokumen­tiert diese Ausstellung anhand von Kunstwerken und Objekten aus dem Bestand der Kunstsammlung der Universität Leipzig. Den Schwerpunkt bilden die Leipziger Anlagen, die schlaglichtartig beleuchtet werden: Vom Klostergarten, dem späteren Universitätsgar­ten („hortus medicus“) und Botanischen Garten, über die prächtigen Barockgärten der Leipziger Bürger bis zum englischen Landschaftsgarten. Woher stammen die Pflanzen in unseren Gärten? Ein Exkurs zu Forschungsreisen, Pflanzenhandel und berühmten Botani­kern geht dieser Frage nach.

Neben Haus– und Künstlergärten werden auch die Kleingärten thematisiert, entstanden auf Grundlage der Schriften des Leipziger Arztes und Hochschullehrers Moritz Schreber. Im Zeitalter der Industrialisierung sollten sie das Bedürfnis der Stadtbevölkerung nach Luft, Licht und Bewegung stillen, ebenso wie die öffentlichen Stadtparks als Raum für vielfältige Freizeitaktivitäten. Aktuell versucht die „Urban–Gardening–Bewegung“ unter dem Motto „Die Stadt ist unser Garten“ die Natur als Nutzgarten wieder in den urbanen Raum zu integrieren. Es entstehen Gemeinschafts­gärten als Experimentierräume und Orte der Begegnung, durchaus mit gesellschafts– und umweltpolitischem Anspruch, als Entwürfe für die lebenswerte Stadt der Zukunft in einer auf Nachhaltigkeit gegründeten Gesellschaft.

Publikation

Auch nach Ausstellungsende noch über den Kustodie Shop erhältlich:
"GARTEN KUNST IN LEIPZIG. Gestaltete Natur zwischen Wissenschaft, Nutzen und Genuss".
Die Publikation dokumentiert die bis 16. Juli in der Galerie im Neuen Augusteum gezeigte Ausstellung mit allen Texten und oft großformatigen Farbreproduktionen der Exponate. Sie umfasst 169 Seiten mit 165 überwiegend farbigen Abbildungen. Das Thema Garten blickt in Leipzig nicht nur auf eine lange Geschichte zurück, es wird hier bis heute mit Leidenschaft verfolgt und betrieben. Die Begleitpublikation dokumentiert die hochstehende Gartenkultur der Stadt im Wandel der Zeiten vorrangig anhand selten gezeigter, vielfach unpublizierter Werke aus dem Bestand der Kunstsammlung der Universität Leipzig, verstärkt durch ausgewählte Leihgaben des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, des Stadtarchivs Leipzig, dem Kleingärtnermuseum Leipzig sowie der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Leipzig. Ausstellung und Buch sehen sich dabei eher als Baustein für die Geschichte Leipziger Gartenanlagen, die noch zu schreiben ist, vermitteln aber bereits eine Vielzahl interessanter, oft überraschender Einblicke in das Thema.

 

Begleitprogramm zur Ausstellung "Garten KUNST"

Mi, 27. April, 18 Uhr
»Leipzigs erster Grüner Ring – Ein Spaziergang zu Parks und Plätzen in den Promenaden« mit Michael Berninger (Vorsitzender DGGL Sachsen) und Inge Kunath (Gartenamtsleiterin a.D.)
Stationen: Kurzführung durch die Ausstellung, Promenadenring, Johannapark, Garten der GfZK

Mi, 4. Mai, 12 Uhr
Pflanztag im Leibniz- Forum, StuRa AK Umwelt

Mi, 4. Mai, 18 Uhr
Filmabend zum Thema »Urban Gardening« mit anschließender Diskussion, Moderation: StuRa/Kustodie

Do, 12. Mai, 18 Uhr
»Geschichte der Kleingärtnerbewegung – Von Kinderbeeten und Schreberplätzen«, Vortrag von Caterina Hildebrand, Leiterin Deutsches Kleingärtnermuseum

Di, 24. Mai, 18 Uhr
Führung durch das Herbarium mit Dr. Peter Otto, Ort: Institut für Biologie

Sa, 28. Mai, 14 Uhr
Führung durch den Apothekergarten: »Der Hortus Medicus der Universität Leipzig im 16. Jahrhundert und in der Gegenwart – vom Nutzen und Schönen der heilenden Pflanzen« mit Matthias Schwieger

Fr, 24. Juni, 20 Uhr
»Von der Finsternis zum Licht – Inszenierte Erkenntnisreisen in frühen Landschaftsgärten am Beispiel von Machern«, Vortrag von Berit Ruge

Sa, 2. Juli, 13.30 Uhr
Exkursion zu Baukultur und Stadtnatur: »Vom Stadtpark zum Bürgergarten – Eine Radtour zu Parklandschaften und urbanen Gärten« mit Michael Berninger (Vorsitzender DGGL Sachsen) und Inge Kunath (Gartenamtsleiterin a.D.)
Stationen: Kurzführung durch die Ausstellung, Promenadenring, Johannapark, Clara Park, Palmengarten, Richard–Wagner–Hain und Annalinde Gemeinschaftsgarten

So, 3. Juli, 14 Uhr
Exkursion zu Baukultur und Stadtnatur, Teil 2: » In Nachbars Garten geschaut«, Eine Radtour auf der
Suche nach dem Grünen Ring, zum urbanen Wald in Grünau mit Gartenbesuchen mit Michael Berninger (DGGL Sachsen) und Sebastian Pomm (Annalinde Akademie)
Stationen: Nachbarschaftsgärten Lindenau, Bürgerbahnhof Plagwitz, Schönauer Park, Hofgarten WK 4.1, Schönauer Holz, Pfarrgarten der Paulus–Gemeinde, Kolonnaden–Garten

Ausstellung "Garten KUNST" 2016, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 13. November bis 19. Dezember 2015 und 5. Januar bis 13. Februar 2016 in der Galerie im Neuen Augusteum

Ausstellung zu Ehren des Dichters Johannes von Saaz/von Tepl (um 1350–um 1415)

Der Stadtschreiber, Notar, Schulrektor und Poet Johannes von Saaz (oder von Tepl) schuf um 1400 sein berühmtes Werk "Der Ackermann und der Tod." Ein Ackermann der Feder, ein Dichter also, beklagt den Verlust seiner jungen Frau, führt Anklage gegen den Tod und liefert sich mit ihm ein – rhetorisch ausgefeiltes – erbittertes Wortgefecht. Das Werk inspirierte den Zeichner und Grafiker Rolf Münzner, auch vor dem Hintergrund eigener biographischer Erfahrungen, zu einer freien Umsetzung des historischen Textes. Mit 33 Steindrucken schuf er den größten grafischen Zyklus zu dieser literarischen Vorlage. Die Ausstellung zeigt neben diesem die Vorzeichnungen und weitere Arbeiten zum Thema. In Text und Bild werden existenzielle Grundfragen des Menschen aufgeworfen, die eine zeitlose Gültigkeit haben. Beide Künstler – den spätmittelalterlichen Dichter und den zeitgenössischen Meister der Grafik und Zeichnung – verbindet dabei die Lust am Erhabenen wie am Ironischen und Burlesken.

LESUNG ZUR AUSSTELLUNG

Prof. Friedhelm Eberle und Thomas Dehler lesen: „Der Ackermann und der Tod“
gekürzte Fassung, ca. 60 Min.
Freitag, 22. Januar 2016, 19.00 Uhr, Ort: Hörsaal „Felix Klein“, Neues Augusteum, 5. OG

KÜNSTLERGESPRÄCH

Veranstaltung im Rahmen des Leipziger Bibliophilen–Abends

Podiumsdiskussion zur Buchausgabe „Der Ackermann und der Tod“ mit Rolf Münzner, Hubert Witt (Textübertragung), Gert Wunderlich (Gestalter), Herbert Kästner (Herausgeber)
Moderation: Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen
Dienstag, 2. Februar 2016, 19 Uhr, Ort: Galerie im Neuen Augusteum

Ausschnitt aus dem Werk "Der Ackermann und der Tod" von Rolf Münzner, Foto: Kustodie

Kabinettsausstellung vom 1. Oktober bis 6. November 2015 in der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude

Die Geschichte der Universität und die weitere Entwicklung der Stadt Leipzig sind eng miteinander verbunden. Dies verdeutlicht bereits die Lage vieler universitärer Einrichtungen im Herzen der Stadt. Unmittelbar nach der Gründung der Universität im Jahr 1409 stellten Landesherren und Stadt eigens Gebäude für Lehrzwecke und Unterbringung der Studierenden zur Verfügung. Noch heute befinden sich an diesen Standorten im Zentrum der Stadt (Ritter– und Petersstraße) wichtige Einrichtungen der Universität.

Nach der Reformation erfolgte dann die Übernahme des Paulinerklosters, und mit seiner Umgestaltung im 19. Jahrhundert und der Bautätigkeit am Augustusplatz prägte die Universität maßgeblich die architektonische Weiterentwicklung Leipzigs. Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen sowie Stadtpläne dokumentieren die Stadt im Wandel der Zeit. Zu sehen sind Universitätsgebäude und Stadtansichten aus verschiedenen Jahrhunderten. Auch Wissenschaft, Kunst und Kultur befruchteten sich gegenseitig. Berühmte Universitätsangehörige wie Gottsched oder Gellert prägten das kulturelle Leben der Stadt. Andererseits ließen sich auch bedeutende Bürger in der Universitätskirche bestatten, so dass ihre Gedächtnismale heute von der Universität gepflegt werden. In der Kunstsammlung befinden sich außerdem Portraits bedeutender städtischer Persönlichkeiten, wie das des Gewandhauskapellmeisters Johann Adam Hiller, des Malers Adam Oeser oder des Bürgermeisters Müller. Anlässlich des 1000–jährigen Stadtjubiläums öffnet die Kustodie die Ausstellung im Rektoratsgebäude, die einen Einblick in die Geschichte der Universität Leipzig und ihre vielfältigen Beziehungen zur Stadt vermittelt.

Ausstellung vom 5. Juni bis 29. August 2015 in der Galerie im Neuen Augusteum

Leipzig als Sujet der Malerei – kaum ein Thema liegt näher in einer Stadt, die seit Jahrzehnten ein Zentrum der Maler ist. Dies gilt umso mehr, als Verfall, Sanierung und dynamische Weiterentwicklung Leipzigs zu den spannendsten und erfreulichsten Kapiteln der deutschen Nachkriegs-geschichte zählen. Im Spannungsfeld zwischen Zerstörung und Aufbau, zwischen Verfall und Rettung, zwischen Stillstand und Dynamik haben sich die Leipziger Maler als Chronisten und Interpreten ihrer Stadt erwiesen. 

Die 28 Gemälde, welche ab 1950 entstanden sind, stammen von namhaften Künstlern, wie unter anderem Bernhard Heisig, Günter Thiele und Wolfgang Mattheuer. Die Werke sind nicht allein als dokumentarische Momentaufnahmen der Stadtgeschichte zu bewerten, sondern auch als Ausdruck politischer Utopien sowie Kontroversen. Die künstlerischen Reflexionen setzen den Fokus auf die Themen Aufstieg, Verfall und Wiederaufstieg und weisen somit die vielseitige Entwicklung Leipzigs nach. In vier Kapiteln – "Versehrte Stadt", "Aufbruch", "Veduten" und "Augustusplatz" – widmet sich die Ausstellung der Deutung der Stadt und ihrer Geschichte durch die Leipziger Maler. Anhand von bekannten und unbekannten Einzelgebäuden und Schauplätzen wird die für Leipzig typische Urbanität künstlerisch in Szene gesetzt.

Ein Katalog zur Ausstellung ist in der Galerie im Neuen Augusteum erhältlich oder kann über den KUSTODIE SHOP  sowie über den Passage Verlag  Leipzig bezogen werden.

Ausstellungsdokumentation: "Ansichtssache", 2015, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellungen der Jahre 2010 bis 2015

Ausstellung vom 29. September 2011 bis 31. Januar 2012 in der Filiale der Commerzbank Goethestraße 3-5

Die Restaurierung der geretteten Kunstwerke aus der 1968 gesprengten Universitätskirche gehört zu den bedeutendsten aktuellen Kulturprojekten Leipzigs: Derzeit werden etwa 25 Epitaphien für die Wiederaufstellung auf dem neuen Campus der Universität Leipzig vorbereitet. Ihre Instandsetzung muss überwiegend aus Spenden finanziert werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Epitaph Welsch, das im Jahr 2009 Dank einer großzügigen Spende der Commerzbank-Stiftung Frankfurt/Main restauriert werden konnte. Die Restaurierung dieses besonders qualitätsvollen Alabasterepitaphs für den Professor der Medizin Gottfried Welsch und seine Ehefrau Maria geb. Anckelmann vom Anfang des 18. Jahrhunderts wurde von der Commerzbank–Stiftung übernommen. Anhand von Plakaten und ausgewählten Originalteilen des Epitaphs Welsch informiert die Ausstellung über den Stand der Arbeiten und die Anbringung in der Universitätskirche.

Person und Wirken

Der Leipziger Medizinprofessor und Stadtphysikus Gottfried Welsch (1618—1690) gilt als Wegbereiter der Gerichtsmedizin in Deutschland. Sein Wirken führt in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Als Sohn des Leipziger Ratsherrn und Vorstehers des Johannishospitals, studiert er Medizin an den Universitäten Leipzig, Wittenberg, in Italien, Frankreich, England und Holland. Als Medizinprofessor an der Universität Leipzig seziert er erstmals Leichen Hingerichteter im Kellergewölbe des Paulinerklosters und  begründet mit seinen Erfahrungen einen neuen Wissenschaftszweig, die Gerichtsmedizin. Nachhaltige Vedienste erwirbt er als Leipziger Stadtphysikus mit der Reform des städtischen Gesundheitswesens und bekämpft dauerhaft die 1680 letztmalig ausgebrochene Pest. Der Ehe mit Maria Anckelmann entstammen 12 Kinder.

Das Monument

Das vom Leipziger Bildhauer Jacob Löbelt 1706 geschaffene barocke Gedächtnismal für die Eheleute Welsch wurde von den hinterbliebenen Kindern gestiftet. Der ornamentale Rahmen aus weißem Alabaster besteht aus filigran skulptierten Lorbeerzweigen, Rosen sowie Akanthusblättern und ist bekrönt von einer Urne, aus der Zweige mit Eichenlaub, Nachbildungen eines Schädels und zwei Beinknochen ragen. Ein Tuchgehänge mit einer von Rosen umwundenen Sanduhr schließt das Epitaph nach unten ab. Von den  beiden Familienwappen unterhalb der Urne ist nur das Wappen der Familie Welsch erhalten. Leider wurde die zentrale Inschrifttafel bei der Sprengung der Universitätskirche 1968 vernichtet. 

Restaurierung

Während die zentrale Inschrifttafel aus schwarz eingefärbtem Alabaster der Sprengung zum Opfer gefallen ist, wurden nahezu alle Teile des Rahmens geborgen. Der Ornamentrahmen aus weißgelblichem Alabaster ist, trotz seiner zahlreichen Fragmentierungen, bis auf das Fehlen des rechten Wappens, vollständig erhalten. Das linke Wappen der Familie Welsch ist neben weiteren Fragmenten in der Ausstellung zu sehen. Ebenso ausgestellt sind der anatomisch getreu nachgebildete Totenschädel, die von Rosen umwundene Sanduhr sowie die bekrönende Urne.
Die Restaurierungsmaßnahmen am Rahmen bestanden in erster Linie aus Reinigungs- und Ergänzungsarbeiten. Die mit lateinischer Schrift versehene ovale Inschrifttafel, als ein zentraler Bestandteil des Epitaphs, muss anhand der fotografischen Überlieferung entsprechend zeitgemäßer Restaurierungsethik ergänzt werden, damit das Monument in seiner Gesamtheit erlebbar wird.

Ausstellungsdokumentation: "Restauro 4", 2011, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 24. Oktober bis 19. Dezember 2014 und 5.–17. Januar 2015 in der Galerie im Neuen Augusteum

Freund und Kupferstecher - Johann Friedrich Bause (17381814), Leipziger Porträtstecher und Akademielehrer im Dinest der Aufklärung

In Zusammenarbeit mit der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier aus Anlass des 200. Todestages von Johann Friedrich Bause

Der aus Halle (Saale) stammende Johann Friedrich Bause (1738–1814) galt als einer der besten Kupferstecher seiner Zeit. Während er zu Lebzeiten große Wertschätzung erfuhr, ist er heute fast in Vergessenheit geraten. Anlässlich seines 200. Todestages soll eine erstmals diesem Künstler gewidmete Ausstellung sein Œuvre wieder in Erinnerung rufen. Die gemeinsam mit der Universität Trier erarbeitete Schau thematisiert Bauses Künstlerfreundschaft mit dem Porträtmaler Anton Graff (1736–1813), künstlerische Inspirationen wie den französischen Bildnisstich, den Leipziger Verleger Philipp Erasmus Reich als Drehscheibe eines Netzwerks von Aufklärern und schließlich die Rezeption von Bauses Kunst im 18. Jahrhundert. 

Netzwerke der Freundschaft

Als Vorlage für Johann Friedrich Bauses Porträtstiche dienten in erster Linie Gemälde Anton Graffs. Die beiden Künstler hatten sich in jungen Jahren 1759 in Augsburg kennen gelernt, zu dieser Zeit das europaweite Zentrum für Graphik. Der zunächst nur autodidaktisch gebildete Bause absolvierte hier eine Lehre bei dem Radierer und Verleger Johann Jakob Haid (1704–1767), während der schon ausgebildete, aus Winterthur in der Schweiz stammende Maler Graff über Haid an Porträtaufträge zu gelangen hoffte. Die Begegnung begründete eine lebenslange, auch künstlerisch produktive Freundschaft, von der beide profitierten.

In den 1760er Jahren hatten sich beide in Sachsen angesiedelt, Graff als Hofmaler in Dresden, Bause als Kupferstecher in Leipzig. Bause war es wohl, der Graff seinem wichtigsten privaten Auftraggeber vorstellte, dem einflussreichen Verleger Philipp Erasmus Reich (1717–1787), Geschäftsführer der Weidmannschen Buchhandlung. Angeregt durch Gleim in Halberstadt legte er ab 1769 eine „Freundschaftsgalerie“ seiner geistigen Weggefährten an. Den Großteil der Gemälde gab er bei Anton Graff in Auftrag, der neben seinen Aufgaben als Dresdener Hofmaler gern auch für das Leipziger Bürgertum tätig war. Zu den Dargestellten zählen neben Reich, Bause und Graff bekannte Autoren wie Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769), Moses Mendelssohn (1729–1786) oder Christian Felix Weiße (1726–1804), aber auch Künstler, Musiker und Politiker. Verbreitung fanden die Bildnisse nicht nur über zahlreiche Kopien, sondern insbesondere über die davon abgeleiteten Kupferstiche. Bause übertrug mindestens 45 Bildnisse Graffs in den Kupferstich, die er allerdings mit ovalen fiktiven Steinrahmen und Bezeichnungen versah. Die qualitätvollen Ölgemälde waren würdige Vorlagen und wurden von Bause nicht minder hochwertig reproduziert. So trugen die Stiche wechselseitig zur Bekanntheit beider bei und befeuerten die Nachfrage nach Gemälden und Stichen gleichermassen.

Der Porträtstich im Zeitalter der Aufklärung

Die Aufklärung ging auch mit einem Wandel der Porträtauffassung einher: Hatte beim barocken Bildnis die Repräsentation des gesellschaftlichen Standes im Vordergrund gestanden, sollte das Porträt nun vorranging Charakter, Tugend und Leistungen eines Individuums aufzeigen, wie insbesondere Johann Georg Sulzer (1720–1779), Graffs Schwiegervater, theoretisch postulierte. Entsprechend traten Staffage, Attribute und symbolisches Beiwerk in ihrer Bedeutung zurück oder wurden ganz weggelassen. Als „Maler der Seele und des Geistes“ vermochte Graff es wie kein zweiter, den Charakter des Dargestellten einzufangen, so dass er bald als einer der bedeutendsten Porträtmaler seiner Zeit galt. Die besondere Qualität dieser Bildnisse scheint auch in Bauses Stichen auf. Verschiedentlich dienten Bause auch Gemälde von Adam Friedrich Oeser (1717–1799), Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722–1789) und anderen als Vorlagen.

BEGLEITPROGRAMM

FÜHRUNGEN & MUSEUMSPÄDAGOGISCHES ANGEBOT
in Kooperation mit dem Museum für Druckkunst Leipzig

  • 27. Oktober 2014, 10–12 Uhr, Ferienkurs „Zeichnen mit der Nadel“
  • 5. November 2014, 18–20 Uhr, Vortrag: „Bause in Leipzig“ von Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen – im Anschluss Vorführung der Tiefdrucktechnik an einer historischen Presse
  • 23. November 2014 und 11. Januar 2015, 12–14 Uhr, Originaldrucke in der Tiefdrucktechnik (Kaltnadelradierung) erstellen
  • Kinderworkshop am Sonntag „Zeichnen mit der Nadel“

Kombiniertes Angebot für Schulen: 

  • Führung durch die Ausstellung „Freund und Kupferstecher“ in der Galerie im Neuen Augusteum und praktisches Arbeiten im Museum für Druckkunst, (Termine nach Vereinbarung während der Öffnungszeiten der Ausstellung und des Museums)
  • Radierwerkstatt „Zeichnen mit der Nadel“

Originaldrucke in der Tiefdrucktechnik (Kaltnadelradierung) erstellen
Unter Anleitung einer Leipziger Künstlerin erproben die Teilnehmer die Technik der Kaltnadelradierung und erstellen eine eigene Druckgrafik. Zum Einsatz kommen originale Werkzeuge wie Radiernadeln, Metallplatten und eine historische Druckerpresse. Druckgrafiken und Druckplatte können mit nach Hause genommen werden.

Anton Graff: Johann Friedrich Bause (Ausschnitt), 1773, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 9. Mai bis 12. Juli 2014

Im Sinne des integrativen Grundgedankens wird ein Begegnungsraum geschaffen, in dem Künstler_innen mit und ohne Assistenzbedarf aufeinander treffen und künstlerische Dialoge eingehen können. Thematisch geht es um eine Auseinandersetzung mit dem Bild vom Menschen, die Begegnung mit dem Anderen und mit dem Selbst. Porträts, Selbstporträts oder Spiegelbilder – teilweise gegenständlich, teilweise abstrahiert – kommunizieren in der Ausstellung miteinander und mit dem Betrachter.

Den Kern der Ausstellung bilden die Exponate der Wanderausstellung „Face to Face", die durch die "association Eg’Art – For an equal access to Art" organisiert wurde. Diese Wanderausstellung präsentiert 14 Kunstwerke von Künstler_innen mit Assistenzbedarf aufgrund einer kognitiven Behinderung oder psychischen Erkrankung aus sechs europäischen Ländern. Die Ausstellung wird als ein länderübergreifendes Event von Juni 2013 bis November 2014 in sieben Ländern Europas gezeigt (Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Deutschland, Estland, Belgien). Das Projekt „Art for All" hat zum Ziel, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Behinderungserfahrungen und psychischen Erkrankungen einen gleichberechtigten Zugang zu Kunsterziehung, zum Kunstmarkt und allgemein zum kulturellen Geschehen zu ermöglichen (http://www.art-for-all.eu/).

Die Wanderausstellung wird in unserer Leipziger Ausstellung ergänzt durch zusätzliche Einreichungen aus dem Wettbewerb sowie durch zeitgenössische Positionen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Beiträge des Kunstvereins Scotty Enterprises (http://www.scotty-enterprises.de/) antworten auf die Kunstwerke der Wanderausstellung und stehen für einen interdisziplinären Umgang mit dem Thema. Der Rekurs auf die legendäre science fiction-Serie „Raumschiff Enterprise" im Namen ist bewusst gewählt, denn es geht durchaus um Fiktionen in und mit der Kunst – und um die Erforschung von Möglichkeiten zur Realisierung derselben. Von der Besatzung des Kunst–Raumschiffs sind neun Künstler_innen mit an Bord; mit Malerei, Zeichnung, Fotografie, Installation, Film und Video ist ein weites Spektrum an künstlerischen Medien vertreten. Das internationale Projekt "The Art of Inclusion" (bareface.jimdo.com) nimmt den Titel "Face to Face – Menschenbilder im Dialog" besonders wörtlich. Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft werden von der Künstlerin kontaktiert und eingeladen, gemeinsam mit ihr der Inklusion einen Schritt entgegen zu gehen. Ein Blatt Aquarellpapier wird zum Ort der Begegnung, zwei Bilder werden ein gemeinsames Kunstwerk. Angela Merkel, Udo Lindenberg, Jogi Löw und ca. 90 weitere Personen des öffentlichen Lebens haben bereits teilgenommen. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wovon die Gesellschaft noch weit entfernt ist: Toleranz, Akzeptanz und Inklusion autistischer Menschen ist keine Illusion. Kunst ist in der Lage, Inklusion auf allen Ebenen unmittelbar sichtbar zu machen. (Siehe auch www.cloud-burst.tv.) Multiple Autorenschaft spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle bei weiteren Exponaten, die die Weißcube Galerie, kuratiert von Enrico Meyer, beisteuert (https://de-de.facebook.com/weisscube). Es wurden Kooperationen zwischen jeweils zwei Künstler_innen geschaffen, die teilweise in doppelter Autorenschaft arbeiten: Sie tauschten im Vorfeld je eine vorhandene Arbeit aus, hatten dann vier Wochen Zeit, sich damit zu beschäftigen und reagieren mit einer neuen Arbeit auf das Werk des jeweils Anderen.

So entsteht ein stimmiges Ensemble zeitgenössischer Positionen aus den Bereichen Malerei, Grafik, Skulptur/Objekte, Installation und Medienkunst. Ein Begleitpro­gramm zur Ausstellung bietet ein umfangreiches museumspädagogisches Angebot mit integrativen Projekten für Schulen und Vereine für ein gemeinsames Arbeiten in den Bereichen Malerei, plastisches Gestalten und Collage.

Ausstellungsdokumentation: "Face to Face", 2014, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 25. Oktober bis 20. Dezember 2013 und 6.–31. Januar 2014, Galerie & Foyer des Neuen Augusteums

Das Studium galt schon immer als die schönste Zeit im Leben! Doch jenseits der Studentenromantik – wie war es wirklich, das Alltagsleben der Studierenden in den vergangenen Jahrhunderten? Wie waren Lehrbetrieb und Studienablauf organisiert, wie wohnte man in den Kollegien und Bursen? Welchen Freizeitbeschäftigungen ging man nach, wie war das Verhältnis der Studierenden zu Stadt und Staat, zu Gesellschaft und Politik?

Die Ausstellung zeigt, basierend auf einer kleinen Sammlungsgruppe in den Kunstsammlungen, Aspekte studentischen Lebens von der Gründung der Universität im Jahr 1409 bis heute. Historische Dokumente, Kunstobjekte und Hörtexte dokumentieren das Alltagsleben in verschiedenen Epochen. Wie hat sich das studentische Leben im Laufe der Jahrhunderte verändert? Und wie ist das studentische Leben heute? Ergänzend zur historischen Ausstellung zeigt eine Fotoschau Impressionen aus dem studentischen Leben der Gegenwart.

Vom Bean zum Doktor

Die einzigen erhaltenen Objekte ihrer Art und somit von unschätzbarer kulturhistorischer Bedeutung sind die ausgestellten „Depositionsinstrumente“. Die „Deposition“ war ein studentischer Initiationsritus, der vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert europaweit an Universitäten üblich war. Der Studienanwärter wurde als wildes Tier behandelt und in einem symbolischen Reinigungsakt von seiner „Unzivilisiertheit“ befreit. Bevor die Einschreibung in die Matrikel der Universität, dem offiziellen Verzeichnis aller Studierenden in Form eines großformatigen Buches, erfolgen konnte, galt es noch den Eid auf die Verfassung der Universität zu leisten: In der Frühzeit wurde dazu ein Finger auf das „Schwurblatt“ der Matrikel gelegt. Über Matrikel und Schwurblatt hinaus vermitteln historische Dokumente und Objekte Einblicke in den Studienablauf vergangener Jahrhunderte. Die sehr dekorative Disputationsuhr zum Beispiel begrenzte die Redezeit bei Prüfungen und akademischen Streitgesprächen. Karten und Stadtansichten zeigen, in welchen Gebäuden in der Frühzeit Vorlesungen und Seminare stattfanden.

Leben und Sterben

Die Unterbringung der Studierenden war zunächst obligatorisch auf dem Gelände der Universität und erfolgte in den „Bursen“ (Wohn–, Ess–, Schlaf– und Unterrichtsräume für Scholaren). Ab dem 18. Jahrhundert war es dann üblich, sich ein Zimmer in der Stadt zu mieten, wie Goethe es tat, der in der „Großen Feuerkugel“ wohnte. Beispiele von Studentenunterkünften in verschiedenen Jahrhunderten werden vorgestellt, darunter die typische „Studentenbude“. Mit den Verbindungshäusern der Corps kam im 19. Jahrhundert eine gemeinschaftliche Wohnform auf. Im 20. Jahrhundert entstehen dann die ersten Studentenwohnheime in Leipzig. Zu den wichtigsten frühen Sozialleistungen für Studenten gehörten die „Freitische“ für Bedürftige, die im „Konvikt“, dem Vorgänger der Mensa, Mahlzeiten bereitstellten. Illustrationen und Stammbücher zeigen unterschiedliche Sichtweisen auf das Studium und reflektieren das Lebensgefühl der Studenten. Das Studienprogramm konnte durch Unterricht im Zeichnen, Tanzen, Reiten und Fechten ergänzt werden. Ein üblicher Zeitvertreib waren Besuche von Kaffeehäusern und Ausflüge in das Leipziger Umland, auf die „Bierdörfer“, wo der Gerstensaft günstig und das Leben freizügiger war als innerhalb der Stadtmauern. Blieb man in der Stadt, so flanierte man auf den angrenzenden Alleen, Esplanaden und in den Gärten. Das studentische Liebesleben musste sich zunächst im Verborgenen abspielen: Studenten durften erst nach dem Abschluss heiraten, eine Eheschließung während des Studiums bedeutete Exmatrikulation oder Abbruch des Studiums.

Student und Gesellschaft

Innerhalb der städtischen Gesellschaft nahmen die Studierenden eine herausgehobene Stellung ein. Sie waren dem niederen Adelsstand gleichgestellt und verfügten über das Privileg, einen Degen zu tragen. Das daraus resultierende Standesbewusstsein förderte einen Ehrbegriff, der sich zeitweise in einem ausgeprägten Duellwesen äußerte. Vergehen wurden vor dem Universitätsgericht verhandelt und Strafen mussten im universitätseigenen Gefängnis, dem Karzer, abgebüßt werden. Über diese Karzeraufenthalte liegen kuriose Berichte und bildliche Darstellungen vor. Das Aussehen der Gefängniszellen ist durch Gemälde, Zeichnungen und Fotografien dokumentiert. Die Ausstellung versucht, den Eindruck des letzten bis in das 19. Jh. bestehenden Karzers anhand von Originalmöbeln und Großfotos nachzubilden. Schwere Konsequenzen konnte die Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation haben. Die Burschenschaften setzten sich für bürgerliche Freiheiten (Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit) und die Einheit der deutschen Nation ein. Wartburgfest 1817 und Hambacher Fest 1830 stellen Höhepunkte politischer Aktivitäten der Studentenschaft im 19. Jahrhundert dar. Nachdem Burschenschaftler in der Revolution von 1830 und 1848 als treibende Kraft fungiert hatten, ist ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Leipzig und andernorts eine Tendenz zum Systemkonformismus zu verzeichnen. Der Burschenschaftler galt im Leipziger Stadtbild zwar weiterhin als typischer Student, wurde aber nicht mehr als politische Kraft gesehen.

Studium im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wurden Studierende zunehmend in Kriege und ideologische Auseinandersetzungen involviert. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden Selbsthilfeorganisationen, die verarmte und kriegsgeschädigte Studenten bei der Finanzierung des Studiums unterstützten. In den 1920er Jahren wurde das Studentenwerk gegründet. Oppositionelles Gedankengut und Widerstand gegen die Staatsmacht in Zeiten der Diktatur, wie im Nationalsozialismus, führten vereinzelt zu Haft, Verschleppung und Todesstrafen. Die Geschwister Scholl sind ein prominentes Beispiel der Münchener Universität, aber auch in Leipzig formierten sich studentische Widerstandsgruppen. Die auf die Bedürfnisse des sozialistischen Staates ausgerichtete Universitätsreform 1951/52 änderte grundlegend Zugangsvoraussetzungen und Studienbedingungen. Eine Zielsetzung des Studiums war nun auch die Erziehung zum Sozialismus. Opposition zum DDR-Regime wurde in 50er Jahren und vor allem im Zusammenhang mit der Sprengung der Universitätsgebäude 1968 als staatsfeindlicher Akt gewertet.

Die alten europäischen Universitäten waren grundsätzlich international ausgerichtet und auch an der Universität Leipzig gab es Studierende aus ganz Europa. Berühmte Wissenschaftler, wie Wilhelm Wundt und Wilhelm Ostwald zogen seit dem 19. Jahrhundert zusätzlich Studierende aus dem Ausland an. An der Karl-Marx-Universität bestand seit 1953 das „Institut für Ausländerstudium“, das seit 1961 als Herder-Institut vor allem die sprachliche Ausbildung übernahm. Seit 1991 betreut das akademische Auslandsamt Austauschstudenten, Promovierende und Teilnehmer des Studienkollegs aus ungefähr 130 Ländern. Frauen spielten in der Universitätsgeschichte lange Zeit keine Rolle. In Leipzig konnten sie seit den 1870er Jahren als Gasthörerinnen Vorlesungen und Seminare belegen, ein reguläres Studium jedoch erst im 20. Jahrhundert aufnehmen: 1906 wurde die erste Studentin offiziell immatrikuliert. Inzwischen sind weit mehr als 50 % der Studierenden an der Leipziger Universität weiblich.

Als Ergänzung zur historischen Ausstellung „Studentisches Leben in Leipzig – Eine Spurensuche“ wird vor der Galerie im Foyer des Neuen Augusteums eine Fotoschau präsentiert, die Impressionen aus dem studentischen Leben der Gegenwart zeigt.

Im Juli 2013 wurden zwei Fotowettbewerbe ausgelobt: Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts riefen Kustodie und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Leipzig zum Wettbewerb „StudentenLEBEN – gestern und heute“ auf. Ob Situationen im Seminar, der Vorlesung oder dem Studentenalltag (Mensa, Bibliothek, WGs und Wohnheimen), zu „akademischen Ritualen“ und Partys oder zur Freizeitgestaltung – Studierende, Mitarbeiter und Alumni waren aufgefordert, Fotos zum Thema einzureichen. Die Fotoschau sollte in Bildern einfangen, was das Studentenleben der Gegenwart ausmacht. Die Abstimmung der fünf finalen Motive erfolgte über Facebook. 

Zeitgleich veranstaltete der Stura der Universität Leipzig einen Fotowettbewerb zum Thema „Studentische Kultur erleben“. Einsendeschluss war der 31. Juli 2013, die besten 12 Fotos wurden von einer Jury ausgewählt.

Die Gewinnerfotos aus beiden Wettbewerben werden ab Wintersemester 2013/14 sowie während des Alumni-Treffens vom 27. bis 29. Juni 2014 im Foyer des Neuen Augusteums gezeigt.

Ausstellungsdokumentation: "Studentisches Leben in Leipzig", 2013, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 12. April bis 15. Juni 2013 in der Galerie im Neuen Augusteum

Ausstellungen mit Werken künstlerischer Lehrkräfte, die an der Universität Leipzig tätig sind und somit am Institut für Kunstpädagogik unterrichten, haben bereits seit Gründung des Institutes 1952 ihre Tradition. Zuletzt wurde die Ausstellung "Octaeder" im April/Mai 1996 in der "Galerie im Hörsaalgebäude" gezeigt. Nach der Fertigstellung des Neuen Augusteums werden die künstlerischen Lehrkräfte erstmals ihre Arbeiten in der neuen Galerie der Kustodie vorstellen. Das gezeigte Spektrum umfasst Druckgrafik, Handzeichnung, Malerei, Papierobjekte, Fotografie, Plastik, Objektkunst und Grafikdesign. Die Gruppenausstellung mit ihren unterschiedlichen Positionen und Konzepten repräsentiert und verdeutlicht zugleich das künstlerische Gesamtklima der Ausbildungsstätte.

Tobias Rost

Er wolle seine Arbeiten als Beitrag in der Betrachtung und Wahrnehmung gesellschaftlicher Realitäten verstanden wissen, betont der Bildhauer Tobias Rost. Was die Auswahl seiner Materialien und Arbeitstechniken und die Entscheidung für bestimmmte Gestaltungsweisen betreffe, so sei er nicht festgelegt und folge seiner Lust. - So begegnen wir in seinem Schaffen Plastiken und Objekten ebenso wie Installationen und performativen Interventionen. Die Installation "Aus meiner Haut" kennzeichnet Rost als eine sehr persönliche Arbeit, "die mit einem großen Umbruch in meinem Leben zu tun hat, mit Veränderung, Verlust, Schuld, Angst, Befreiung, Authentizität und Scheitern, welches nie total ist". - Und es sei eine Wut über den angesagten und den zeitgenössischen Kunstbegriff mit dem bestimmenden britischen Künstler Damien Hirst.

Roland Meinel

Die künstlerische Heimat von Roland Meinel liegt im Bereich der abstrakten bzw. konkreten Kunst, wobei er sich im Grenzfeld von freiem und angewandtem bildnerischen Tun bewegt. Mit systematisch aufgebauten Bildordnungen und Zeichenstrukturen sowie mit ursprünglich wirkenden visuellen Formen strebt er universelle Gestaltungsentwürfe an. Die Themen kreisen um konstruktive, geometrische Aspekte von Formen und Formverbindungen. "Zusammenspiel und Abgrenzung, Konstruktion und Dekonstruktion, Regel und Zufall bestimmen meine Thematik", fasst er seine bildnerischen Problemstellungen zusammen. Die konzeptuelle Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Bild und Bildträger führte Meinel zur unauflöslichen Verbindung elementarer Zeichen und systematischer visueller Ordnungen mit dem Material Papier (gegossene und handgeschöpfe Papiere). Von diesen flächigen Arbeiten ist es ein Schritt zu dreidimensionalen Papierobjekten. So entstehen aus Fasermaterialien wie Hanf oder Kozo Objekte und Gefäße, wobei die Oberflächen unbehandelt bleiben oder mit Acrylaten versehen werden.

Markus Laube

Im grafischen Schaffen von Markus Laube nimmt die bildnerische Verarbeitung konkreter Naturerlebnisse, im Wechsel von Jahreszeiten und Witterungsverhältnissen, eine herausragende Rolle ein. Die Elbauenlandschaften in der Nähe seiner Heimatstadt Schönebeck bei Magdeburg liefern hierfür einen Ausgangspunkt. Er bleibt dabei der Erscheinungsweise der Gegenstände verhaftet, verbindet das jedoch mit eigenständigen Interpretationen, ganz im Sinne eines "gestaltenden Naturstudiums". Die Verortung ist für den Betrachter am Ende kaum nachvollziehbar, es gibt keine spezifischen, wiedererkennbaren Ansichten, vielmehr sind die einzelnen Blätter aus verschiedenen Versatzstücken gebildet. Die Technik der Radierung bietet ihm vielfältigste Möglichkeiten auszuloten, "was er aus Linien alles machen kann". Der Betrachter soll sich in die unendlichen Weiten seiner zeitlos wirkenden Landschaftskonstellationen begeben und ein ungetrübtes Naturerlebnis nachvollziehen.

Verena Landau

Die Malerei von Verena Landau setzt sich mit dem Verhältnis von urbanem, sozialem Raum, Individuum und Gruppe und entsprechenden Grenzziehungen und –auflösungen auseinander. Es geht ihr um Räume, die sich durch Abwesenheit oder Anwesenheit des Sozialen kennzeichnen lassen. Die Beziehungen zwischen Individuum und Gruppe – ob in der Realität oder in gespielten Situationen, etwa im Film – sind ein damit verbundenes Problemfeld ihrer künstlerischen Forschung. Als scharfe und einfühlsame Beobachterin zeigt sie in ihren Gemälden größere und kleinere Menschengruppen, zufällig zustande gekommen, in Wartehallen von Flughäfen, in Museen oder anderen öffentlichen Räumen. Sie ist Außenstehende und als soziales Wesen zugleich selbst Teil der systematischen Zusammenhänge, die sie beobachtet: So gewinnt sie Innen- und Außensichten gleichermaßen und lässt uns daran teilhaben. Ihre kontemplative gegenständliche Malweise trägt dazu bei, dass sich die entstehenden Bildwelten von der Realität in einer Art unterscheiden, als würden wir sie in distanziert-beruhigtem Zustand von anderen Ebenen aus wahrnehmen.

Wilfried Huy

Ein Schwerpunkt des künstlerischen Schaffens von Wilfried Huy liegt auf einer Art erweitertem Naturstudium, das Zeichnen, Sehen und Fühlen mit Materialstudien verbindet. Das angestrebte Ziel besteht in der Auslösung von Prozessen der Selbsterkenntnis und -verwirklichung. Willkommen sind ihm dabei meditativ-bewusstseinserweiternde, aber auch seriell-variierende Verfahren als Mittel der Bildfindung. Für die gestalterische Umsetzung seiner künstlerischen Positionen eroberte er für sich u. a. auch die besonderen Möglichkeiten des Hochdrucks als spezielle Form der künstlerischen Bildproduktion. Die neu entstandene Druckserie "Würfel" ist als Referenz auf das Kollegium der künstlerischen Lehrkräfte am Institut zu verstehen. Die große gemeinsame Ausstellung 1996 trug den Titel "Octaeder" (acht Flächen) mit Bezug auf die acht ausstellenden Künstlerinnen und Künstler; in der jetzigen Ausstellung sind es sechs. Ausgehend davon, dass der Würfel den Oktaeder umschließt und auch beinhaltet, wählte Huy den Würfel als Such– und Experimentierfeld.

Andreas Wendt

Als Grafik–Designer stellt Andreas Wendt seine künstlerische Kreativität ganz in den Dienst der Realisierung unterschiedlichster Gebrauchsanforderungen. Seine Formensprache zeichnet sich durch prägnante, klare, gleichsam auf den Punkt gebrachte Lösungen aus. Dabei wird die Typografie zu einem wesentlichen Element. Als Designer sind ihm die Mittel der Fotografie von Anfang an vertraut und eine wertvolle Hilfe bei der Umsetzung seiner gebrauchsgrafischen Bildideen. Fotografisch die Wirklichkeit zu erkunden – den späteren möglichen "Gebrauch" der Fotos dabei in Rechnung stellend –, das ist für Wendt quasi alltägliche Gepflogenheit. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass das Fotografieren und der Umgang mit den entstandenen Fotos für ihn alsbald auch einen Eigenwert bekam und er eine in hohem Maße konzeptuelle Fotokunst als individuelles Ausdrucksmittel entwickelte.

Ausstellungsdokumentation: "Spektrum", 2013, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 19. Oktober bis 21. Dezember 2012 und 3.–31. Januar 2013

Zum Wintersemester 2012/13 beginnt der Studienbetrieb im neuen Hauptgebäude der Universität am Augustusplatz. Mit seiner Fassade und den baulichen Strukturen des Foyers erinnert der Neubau des niederländischen Stararchitekten Erik van Egeraat an die im 19. Jahrhundert errichteten und 1968 zerstörten Vorgängerbauten. Die erste Ausstellung in der neuen Galerie der Kustodie will ein Bewusstsein für die Architektur des Neubaus schaffen und das Konzept der dort integrierten Kunstwerke aus 600 Jahren Universitätsgeschichte erläutern. Sie bildet den Auftakt einer Reihe, die sich der Baugeschichte der Universität und ihrer Institute widmet. Die Geschichte der Universitätskirche St. Pauli wird daher nur im Kontext mit den Universitätsgebäuden eine Rolle spielen. Sie soll mit einer separaten Ausstellung anlässlich der Eröffnung des Paulinums gewürdigt werden.

Mit Bezug auf die Baugeschichte wird das neue Hauptgebäude der Universität "Neues Augusteum" genannt. Der Stararchitekt Erick von Egeraat reflektierte bei seinem Entwurf die Vorgängerbauten des 19. Jahrhunderts. Zitate bei der Innen- und Außengestaltung des Neubaus setzen sichtbare Zeichen der Erinnerung. Die Silhouette der Paulinerkirche greift er als architektonisches Leitmotiv für die neue Aula auf, bei der Form des Hauptgebäudes erinnert der angedeutete Giebel an den klassizistischen Giebel bzw. Portikus des "alten Augusteums". Mit seinem von den historischen Bauten inspirierten Neubau möchte der Architekt die "Schönheit der Vergangenheit" zurückbringen, "ohne diese zu rekonstruieren". Die Vorhangfassaden aus Serpentinit, Muschelkalk und Kalkstein sind von Werken Lionel Feiningers inspiriert. Im Inneren bilden Relikte der Vergangenheit mit Elementen moderner zeitgenössicher Architektur eine gelungene Einheit.

Der Campus am Augustusplatz wird bis heute von der Grundstruktur des Paulinerkollegs geprägt. Dieses entstand aus den Bauten des im 13. Jh. gegründeten Dominikanerklosters St. Paul, das nach der Reformation 1543 den Besitz der Universität überging und in den Folgejahren unter Caspar Borner für den Lehrbetrieb eingerichtet wurde. Die ehemaligen Klosterbauten wichen nach vielfältigen Umbauversuchen im Verlauf des 19. Jahrhunderts modernen Auditorien- und Verwaltungsgebäuden von zunehmend repräsentativem Charakter. Ab 1830 wurde die Universität Leipzig in eine moderne Landesuniversität umgestaltet. Als erstes staatlich finanziertes Gebäude entstand zwischen 1830 und 1836 auf dem Areal der beiden Zwingerhäuser ein neues Universitätshauptgebäude mit zweigeschossiger Aula, Auditorien, Bibliotheken und Sammlungsräumen. Es wurde im klassizistischen Stil von dem Universitätsbaumeister Albert Geutebrück (1801–1868) nach einem Fassadenentwurf von Karl Friedrich Schinkel erbaut. Das Bauwerk sollte zugleich ein "lebendiges Denkmal" für den 1827 verstorbenen sächsischen König Friedrich August I. sein und wurde ihm zu Ehren "Augusteum" genannt. Der bauplastisch von Ernst Rietschel ausgestattete Bau (Giebelrelief, Eingangsportal, Reliefzyklus der Aula und Gipsmodelle für das Denkmal für Friedrich August I.) war das erste repräsentative Gebäude, das mit seiner Schauseite mit klassizistischem Giebel und Eingangsportal das Bild des Augustusplatzes entscheidend prägte.

Nach Plänen des Architekten Arwed Rossbach (1844–1902) entstand zwischen 1892 und 1897 – nach Abbruch der letzten spätmittelalterlichen Bausubstanz – der gesamte Komplex der Universität auf dem Gelände des ehemaligen Paulinerklosters neu. Das Augusteum wurde zum repräsentativsten Universitätsgebäude Deutschlands umgebaut. Das Augusteum erfuhr in westlicher Richtung eine Erweiterung durch Flügelbauten (Johanneum, Albertinum, Paulinum), die eine große Wandelhalle umschlossen. Anstelle des Gewändeportals trat ein Portikus mit Karyatiden, und das Schinkel–Portal wurde zur freistehenden dreizügigen Toranlage erweitert. Das alte klassizistische Gebäude Geutebrücks wird zu einem "Tempel der Wissenschaft" im historistischen Stil auch nach außen hin repräsentativ umgestaltet. In der Giebelgestalt und in der Integration des historischen Bauschmucks bewahrte es als "zweites Augusteum" die Traditionen.

Die Ausstellung gibt außerdem Aufschluss über das Kunstkonzept für den Neubau und die voranschreitende Ausstattung des Neuen Augusteums mit Kunstwerken aus seinen Vorgängerbauten. Einige erhaltene Werke der historischen Ausstattung beider Augusteumsbauten sind bereits aufgestellt, wie die Regententugenden des später berühmten Bildhauers Ernst Rietschel (1804–1861) vor der Obergeschossbrüstung im Foyer des Neuen Augusteums und das von ihm nach dem Entwurf von Karl-Friedrich Schinkel ausgeführte Eingangsportal auf der Hofseite.Mittelalterliche Fresken und die Reihe der Epitaphien im Gang neben der Paulineraula erinnern an das Paulinerkolleg, das Leibniz-Denkmal auf dem neuen Campushof an den späteren, bis 1968 bestehenden Paulinerhof.

Mit der Dokumentation der universitären Baugeschichte knüpft die Kustodie an ihre vielbeachteten Ausstellungen der 1990er Jahre an: "Werden und Wandel eines großen europäischen Platzes (Augustusplatz) (1993), "... ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses", zum Gedenken an die Sprengung der Univ.-Kirche St. Pauli (1993) und "30 Jahre danach - zur Vernichtung der Universitätsbauten am Augustus-/Karl-Marx-Platz 1986" (1998).

Ausstellungsdokumentation: "Augusteum 1-2-3", 2012, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Sonderöffnung der Ausstellung 600 Jahre Universität Leipzig, vom 2. Mai bis 24. Juni 2011 in der Kunst- und Studiensammlung

Seit Gründung der Universitäten im Mittelalter wurde das akademische Leben durch Rituale geprägt. Bei Amtsantritt übernahm der neue Rektor die prächtigen Insignien als Symbole der Macht: goldene Zepter, prunkvolle Siegel und später auch den mit Hermelin besetzten Rektormantel. Bei jedem Amtswechsel wurden außerdem die Statuten der Universität und die mit prachtvollen Malereien ausgestatteten, seit 1409 geführten Matrikeln, übergeben, in die jeder Student anfangs noch vom Rektor eigenhändig eingetragen wurde. Auf das Schwurblatt musste jeder neu immatrikulierte Student einen Eid leisten und seine Finger auflegen. Deshalb ist das farbig prächtig gestaltete Blatt aus den Matrikeln von 1409 heute am unteren Rand sehr abgenützt.

Ein anderes akademisches Ritual mussten die angehen-den Studierenden der Universität über sich ergehen lassen. Bevor sie sich offiziell an der Universität einschreiben durften, sollten sie ein den Initationsriten im Handwerk ähnliches Aufnahmezeremoniell durchlaufen: verkleidet als tierhaftes Wesen wurden sie mit überdimensionalen Kosmetikartikeln frisiert, gehobelt und ihnen wurden "die Hörner abgeschlagen" Durch diesen Vorgang der "Zivilisierung" sinnbildlich geläutert, konnten sie in die akademische Gemeinschaft aufgenommen werden.

Bei Prozessionen und Umzügen, wie sie bei Universitätsfeiern, Huldigungen, Doktorpromotionen und Begräbnissen stattfanden, respräsentierten Fahnen bis zur Universitäts-reform 1830 die vier Nationen und vier Fakultäten. Erhalten haben sich Wappenbilder aus der Nationenstube im Großen Kolleg, die die Symbole der sächsischen, polnischen, bayerischen und meißnischen Nation zeigen.

Im Jahre 1855 wurde der Universität Leipzig mit der Rektorkette eine neue Insignie geschenkt. Die wertvolle Originalkette aus 14-karätigem Gold, mit Smaragden und Rubinen besetzt, trägt das Große Universitätswappen und die Bildnismedaille des Stifters, König Johann von Sachsen. Im Jahr 1909 wurden seitlich als separate Bildnismedaillen die Portraits des damaligen sächsischen Königs Friedrich August (links) sowie des Markgrafen von Meißen Friedrich der Streitbare (rechts), des wichtigsten Förderers der Universität im Zusammenhang mit ihrer Gründung 1409, hinzugefügt. Die im „Renaissancestyl“ gehaltene Rektorkette wurde der Hochschule 1855 in Dresden als Geschenk König Johanns in einer feierlichen Zeremonie überreicht. Sie wurde schon in den Reden anlässlich der Übergabe zur Insignie erklärt, von der Hochschule als solche angenommen und als Symbol eines gegenseitig verpflichtenden Bundes zwischen König und Universität gedeutet worden.

Über Jahrhunderte hinweg markierten symbolische Akte wichtige Ereignisse und waren sinn- und identitätsstiftend für Lehrende und Studierende. Das Zeitalter der Aufklärung und gesellschaftliche Veränderungen im 20. Jh. hatten eine Abschaffung von Ritualen zur Folge, so dass viele von ihnen heute in Vergessenheit geraten sind.

  • Führungen zur Ausstellung

Kunst in der Mittagspause
jeden Mittwoch 13.00-13.15 Uhr
Kurzführungen abwechselnd zu folgenden Themen:
"Die Rektorkette" (4.5., 1.6.)
"Die Universitätszepter" (11.5., 8.6.)
"Die Disputationsuhr" (18.5., 15.6.)
"Die Depositionsinstrumente" (25.5., 22.6.)

Kunst nach Feierabend
jeden Freitag 15.00-15.30 Uhr
Kurzführung"Die Insignien der Universität Leipzig"

Plakat zur Ausstellung: "Zepter, Schwurblatt und Hörnerkappe", 2011, Foto: Kustodie

Ausstellungen der Jahre 2005 bis 2010

Ausstellung anlässlich des 600. Gründungsjahres der Universität Leipzig, vom 9. Juli bis 6. Dezember 2009 im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

"Die Erleuchtung der Welt und der Beginn der modernen Wissenschaften"

Die Jubiläumsausstellung stellt auf knapp 1400 Quadratmetern mit rund 700 Exponaten die Geschichte der Universität Leipzig und die Herausbildung der modernen Wissenschaften im Zeitalter der Aufklärung dar. 

Die Gründungsphase der Universität wird durch einmalige Exponate, wie die Gründungsurkunde von 1409, Universitätszepter und -siegel, mittelalterliche Handschriften und Leipziger Frühdrucke lebendig und anschaulich. Humanismus und Reformation veränderten im 16. Jahrhundert den Charakter der Universität grundlegend. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem späten 17. und dem 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung – einer Epoche des Aufbruchs, in der neue Erkenntnisse und Forschungen die Welt veränderten.

„Wissen“ war das Schlagwort der Aufklärung. Durch Erkenntnis sollten überholte Traditionen kritisch gesichtet werden. Die Entwicklung der Wissenschaften im Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundene Umbruch in der europäischen Geistesgeschichte prägt unsere moderne Gesellschaft bis heute. Die Ausstellung veranschaulicht an aussagekräftigen Beispielen – wissenschaftlichen Instrumenten, Tierpräparaten, Kleidung und Dokumenten – wie in der Aufklärung die Grundlagen für unsere moderne Gesellschaft gelegt wurden. Mitteldeutschland, Sachsen und die Leipziger Universität waren in jener Zeit das Zentrum dieser Entwicklung. Sie prägten nachhaltig deutsche und europäische Wissenschaftsgeschichte.

Umbruch in den Geisteswissenschaften

Viele heute selbstverständliche wissenschaftliche Disziplinen entwickelten sich im 18. Jahrhundert. Humanismus und Reformation bildeten dabei die Grundlagen. Die Philosophie, zunächst eine Hilfswissenschaft der Theologie, emanzipierte sich und beanspruchte nun eine Vorrangstellung in der Erklärung der Welt. Ein neues Kapitel in der Geschichte der Philologie wurde eröffnet: Über Jahrhunderte hinweg bildete Leipzig eine erste Adresse, was die Erschließung und Edition antiker Texte betrifft. Aus der Philologie und Theologie gingen die Geschichts-wissenschaft, Kunstgeschichte, Archäologie und Orientalistik als neue Disziplinen hervor. Große Gelehrte von internationaler Bedeutung, die in Leipzig ihre Heimat hatten oder zeitweilig wirkten, waren Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Thomasius, Christian Wolff, Johann Christoph Gottsched und Johann Burkhard Mencke. Ausgesuchte Objekte erschließen dem Betrachter die Biographie und vermitteln das Werk dieser Persönlichkeiten.

Neue Entdeckungen in Naturwissenschaft und Technik

Naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik und Astronomie wurden bereits an der mittelalterlichen Universität gelehrt. Im 18. Jahrhundert kam es zu revolutionären Veränderungen. Neue Entdeckungen und bahnbrechende Erfindungen wurden gemacht und das gesamte Weltbild veränderte sich. Neue Fächer, wie Chemie und Botanik, entstanden aus der Medizin. Ökonomie und Technik, in Leipzig im Besonderen die Bergbautechnik, hielten Einzug an der Universität. Leipzig war auch ein Ort der Herstellung verschiedenster Instrumente. Zu sehen sind die Luftpumpe des Leipziger Instrumentenbauers und technischen Schriftstellers Jakob Leupold, welche die Hochtechnologie des 18. Jahrhunderts verkörpert und das Modell einer Dampfmaschine, ein Meilenstein der Technikgeschichte. In diese Zeit fallen auch die Anfänge des Experimentierens mit Elektrizität, ein Energieträger, der aus dem heutigen Alltagsleben nicht mehr wegzudenken ist.

Die Universität und Leipzig

Leipzig war eine der bedeutendsten Städte des Alten Reiches im 18. Jahrhundert, in der die enge Verflechtung von Stadt und Universität befruchtend wirkte. Dass nicht nur die Wissenschaften, sondern auch die Künste, das literarische und kulturelle Leben um 1800 eine Blütezeit erfuhren, zeigen die hochrangigen Kunstwerke in der Ausstellung.

Der Beginn der modernen deutschen Literatur verknüpft sich mit Namen wie Lessing, Klopstock, Goethe oder Schiller. Sie und viele andere Schriftsteller standen in Verbindung mit Leipzig, lebten hier, studierten hier oder fanden in der Buchstadt ihre Verleger. Dafür stehen Namen wie Jean Paul, Johann Gottfried Seume, Christian Felix Weiße, aber auch deutschlandweit gelesene Zeitschriften wie die „Zeitung für die elegante Welt“. Leipzig bildete den Zentralort des deutschen Verlags– und Zeitschriftenwesens: Die erste Tageszeitung der Welt wurde 1650 hier gedruckt, die ersten wissenschaftlichen Periodika erschienen hier sowie auch Zeitschriften für ein breites Publikum. Aber auch die Begründung des Gewandhausorchesters zeugt von den hochrangigen und vielfältigen kulturellen Aktivitäten in jener Zeit.

Wissenschaft und Bildung wurden seit der Aufklärung für die breite Öffentlichkeit von immer größerer Bedeutung: Bibliotheken entstanden, und der Aufschwung des Zeitungs- und Verlagswesens machte Informationen der Allgemeinheit zugänglich. Ein besonders spannendes Kapitel bildet die Salonkultur, in deren Mittelpunkt geistreiche und weltläufige Frauen standen. Die Musikstadt Leipzig erlebte mit Bach einen ersten Höhepunkt, aber auch die Anfänge des Gewandhauses oder Johann Kuhnau und Johann Adam Hiller als Thomaskantoren zeugen von den hochrangigen und vielfältigen kulturellen Aktivitäten der Stadt in jener Zeit. Leipzig steht auch für die Reform des deutschen Theaters, das hier erstmals seine modernen Formen entwickelte: Gottsched und die Neuberin bilden bis heute Namen von Klang. 

„Die ganze Welt im Kleinen“ zeigten Naturalienkabinette, wie die Sammlung der Apothekerfamilie Linck mit Tierpräparaten, Fossilien, Herbarien und anatomischen Modellen. Kunstsammlungen wurden in Leipzig nicht von Adeligen angelegt, wie in der Residenzstadt Dresden, sondern von Bürgerlichen, hauptsächlich von Kaufleuten wie Johann Zacharias Richter oder Gottfried Winckler. Das 18. Jahrhundert ist auch eine Epoche des Reisens, das entweder der geistigen Bildung oder der naturkundlichen Erforschung ferner Länder diente. Die Neugier auf fremde Kulturen wurde entfacht. Tagebücher und farbenprächtige Zeichnungen sind Zeugen großer Expeditionen oder der ersten russischen Weltumseglung.

Programm und Führungen

Öffentliche Führungen zwei Mal wöchentlich, dazu mehrsprachige Führungen buchbar.

Eine nächtliche Führung "Nacht der Erleuchtung" am 24.10.2009.

Gemeinsam mit der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH wurden Reiseangebote erstellt, welche ein Komplettpaket aus Hotelübernachtungen, Gänge-Menü und Ausstellungsbesuch inkl. Führung enthielten.

Für Schulklassen von der Grundschule bis zur Mittelstufe gab es thematisch diverse Führungsangebote, die um spielerische Experimente ergänzt wurden.

Eine wissenschaftliche Vortragsreihe und ein umfangreiches Kinderprogramm brachten die Schwerpunkte der Jubiläumsausstellung Groß und Klein näher.

Partner und Sponsoren

Eine Ausstellung der Universität Leipzig in Kooperation mit der Stadt Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

Für weitere Informationen und eine Übersicht des Programms gelangen Sie hier auf die Veranstaltungswebsite.

Publikationen

Zur Ausstellung erschienen ein Essay- und ein Katalogband.

Erleuchtung der Welt. Sachsen und der Beginn der modernen Wissenschaften.
  • Band 1: Essayband

Im Auftrag des Rektors der Universität Leipzig, Franz Häuser, herausgegeben von Detlef Döring und Cecilie Hollberg unter Mitarbeit von Tobias U. Müller. 384 Seiten, ca. 300 farbige Abbildungen, Format 28,0 x 23,6 cm, Klappenbroschur
Erschienen am 14. März 2009

  • Band 2: Katalog

Der Katalogband bildet die in der Ausstellung gezeigten Objekte ab. Fachleute beschreiben sie zum besseren Verständnis in knappen Texten. Im Auftrag des Rektors der Universität Leipzig herausgegeben von Detlef Döring, Rudolf Hiller v. Gaertringen, Cecilie Hollberg, Volker Rodekamp. Ca. 500 Seiten, ca. 600 farbige Abbildungen, Format 28,0 x 23,6 cm, Klappenbroschur, ISBN 978-3-940319-61-6 (Erschienen im Sandstein Verlag Dresden)

Die Publikationen sind über den Kustodie-Shop bestellbar.

Plakat zur Ausstellung "Erleuchtung der Welt", 2011, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 15. Oktober bis 21. November 2008 im Kunstdepot der Kustodie, Hainstraße

Mit der Sprengung der Universitätskirche und des Augusteums im Frühjahr 1968 wurden die geistig–geistliche Mitte der Universität Leipzig sowie wesentliche Teile ihrer historischen Identität zerschlagen. Den aus diesen Gebäuden geretteten Kunstwerken – Gemälden, Plastiken sowie großformatigen Epitaphien – kommt heute eine herausragende Bedeutung zu, da nur noch in ihnen ein Teil dieser Geschichte der Universität für den Besucher unserer Tage anschaulich wird.

Innerhalb des Gesamtkomplexes der geretteten Kunstschätze nehmen die Objekte aus der Universitätskirche eine besondere Stellung ein: Insbesondere die Grabmonumente aus drei Jahrhunderten sind ein materielles Sediment der Universitätsgeschichte, das für nachfolgende Generationen Glaubenszeugnis, Erinnerung und Selbstvergewisserung verkörperte. Sie bilden ein sozial– und kunsthistorisch einzigartiges Ensemble. Während die mit dem mittelalterlichen Dominikaner-Kloster verknüpften Kunstwerke meistenteils restauriert sind und in der Studiensammlung besichtigt werden können, stellten die – für die Universitätsgeschichte im engeren Sinne relevanteren – neuzeitlichen Epitaphien für die Kustodie eine Hauptaufgabe der letzten Jahre dar, kunsthistorisch und restauratorisch.

Epitaphien sind wertvolle Gedächtnismale des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Holz und Stein, errichtet für bedeutende Professoren und Rektoren, aber auch für ehemalige Studenten der Universität und ihre Angehörigen. So wurde zum Beispiel der bedeutende Rechtswissenschaftler Benedict Carpzow d. J. (1595–1666), der in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges Wegweisendes für die Begründung des deutschen Strafrechts leistete, durch ein Epitaph geehrt. Gedächtnismale für Gottfried Welsch, einem der Begründer der Gerichtsmedizin und Michael Horn, dem ersten Lehrstuhlinhaber im Fach Chemie sind ebenfalls erhalten. Gedächtnismale wurden auch ganzen Familien gewidmet, wie dem einflussreichen sächsischen Gelehrtengeschlecht der Familie Olearius, das sich seit Mitte des 16. bis hinein in das 19. Jahrhundert der protestantischen Theologie verpflichtet fühlte oder der Familie Steger (siehe Abbildung), eine der angesehensten Familien der Stadt, deren Mitglieder im Leipziger Rat und am Oberhofgericht wichtige Ämter ausübten.

Aber nicht nur universitätsgeschichtlich sind die Epitaphien von unschätzbarem Wert, sondern sie zeugen auch von großer Kunstfertigkeit. Hervorzuheben ist das Holzepitaph für den Juristen Heinrich Heideck (siehe Abbildung), welches ein qualitativ herausragendes Beispiel frühbarocker Schnitzkunst darstellt. Den hohen Standard der Bildhauerkunst des 16. Jahrhunderts dokumentiert das Epitaph für den aus Schlesien stammenden Johannes von Müller (Miller), der noch als Student 1574 in Leipzig verstarb. Ein Beispiel für das seit der Renaissance gebräuchliche Gemälde-Epitaph ist schließlich das Gedächtnismal für den Mediziner und mehrmaligen Rektor der Universität, Johannes Hoppe (um 1616–1654) (siehe Abbildung).

Zeigte die Ausstellung „Restauro I“ im Frühjahr 2005 in der Galerie im Hörsaalbau in der Mehrzahl unrestaurierte Vorzustände, stehen nun die immensen Fortschritte des Restaurierungsprojekts im Vordergrund: Ein Großteil der Objekte kann bereits im restaurierten Zustand präsentiert werden. Dank der fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten Spender für fast alle großen Epitaphien gefunden werden, so dass ihre Finanzierung nun gesichert ist. Die Ausstellung informiert auch über die derzeit noch laufenden Restaurierungsarbeiten, über Reinigung, Konservierung und Wiederherstellung der Kunstwerke. Außerdem wird ein Einblick in Planungsstand und vorbereitende Arbeiten für die Anbringung im Paulinum gewährt.

Ausstellungsdokumentation: "Restauro 2", 2010, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 18. April bis 11. Juli 2008 in der Kunst- und Studiensammlung, Ritterstraße

Die Kabinettausstellung im Seminarraum der Studiensammlung zeigt einen Querschnitt durch das Werk des Westberliner Malers Gerd Kalies, dessen Nachlass der Universität Leipzig von im Jahr 2005 übereignet wurde. Das Oeuvre – bestehend aus Gemälden, Drucken, Zeichnungen und Skizzenbüchern der 1950er bis 1990er Jahre – stellt eine spannungsreiche Ergänzung zu in der Kunstsammlung vertretenen Positionen ostdeutscher Künstler dar.

Das Werk des Künstlers Gerd Kalies entzieht sich einer eindeutigen kunsthistorischen Einordnung. Die Errungenschaften der Klassischen Moderne wurden von ihm mit prüfendem und kritischem Auge wahrgenommen: „…Ich arbeite mich durch die Ismen dieses Jahrhunderts.“ Ein wichtiger Ausgangspunkt während der Studienzeit war die Kunst des Deutschen Expressionismus, die – nach Jahren ihrer Verdrängung und Zerstörung durch den Nationalsozialismus – ab 1945 wieder der Öffentlichkeit durch Ausstellungen ins Bewußtsein gebracht wurde. Vor allem die Holz– und Linolschnitte weisen den Einfluss der Brücke-Künstler, wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Karl Schmidt–Rottluff, auf. Das Gesamtwerk zeichnet sich außerdem durch eine eigenwillige Fortschreibung kubistischer und expressionistischer Positionen aus. Das Ringen um die Form, die Suche und das Experimentieren des Künstlers äußern sich in einer großen stilistischen und technischen Vielfalt. In der Gesamttendenz bewegt sich die Entwicklungslinie des Oeuvres von Gerd Kalies in Richtung zunehmender Abstraktion. Vor allem die zahlreichen Zeichnungen zeigen seine stark vereinfachende und abstrahierende Arbeitsweise.

Bei aller Vielfalt ist es ist vor allem ein Motiv, das sich durch das gesamte Werk zieht: Köpfe. Im Mittelpunkt des Schaffens von Gerd Kalies steht der Mensch, vor allem der Kopf als „symbolische Darstellung seines geistigen Zentrums“. An archaische Masken erinnernde Köpfe werden in stark kontrastierende Farbflächen aufgelöst – zum Teil fast bis zur Abstraktion. In anderen, mehr der Gegenständlichkeit verpflichteten Darstellungen spürt der Maler verschiedenen Gemütszuständen des Menschen nach. Gerd Kalies zeigt in seinen Gesichtern keine Portraits, sondern erschafft „visionäre Menschenbilder“.

Nach dem Tod des Künstlers 1993 widmete sich seine Witwe, Eva Seidel–Kalies, der Erfassung seines Nachlasses. Im Jahr 2005 übergab sie der Universität Leipzig den aus insgesamt 3024 Werken bestehenden Nachlass: 17 Gemälde, 177 Blatt Malerei auf Papier und farbige Zeichnungen, 60 farbige Zeichnungen auf Büttenkarten, 278 Zeichnungen schwarz/weiß, 40 Zeichnungen auf einem Werbeblock der Buchdruckerei Hartmann Berlin, 69 Bildtafeln, Skizzenblätter und Einzelskizzen schwarz/weiß, 7 Bildtafeln mit farbigen Zeichnungen, 16 Skizzenblöcke, 25 Arbeitstagebücher, 18 Bände mit Ringbuchskizzen, 18 Linol- und Holzschnitte, 15 Holzstöcke und eine Plastik.

Programm

  • Vernissage: Donnerstag, 17. April, 19.00 Uhr
  • Finissage: Donnerstag, 10. Juli, 19.00 Uhr,
  • Lesung mit Grit Kalies, „Mensch und Maske“
Ausstellungsdokumentation: "Gerd Kalies, Mensch und Maske", 2008, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 12. Januar bis 1. Februar 2008 im Gewandhaus Leipzig, Hauptfoyer

Eine Ausstellung der Kustodie in Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus Leipzig und dem Künstlerhaus Hohennossig.

Die Rahmenbedingungen des Sächsischen Druckgrafik–Symposions sind auch im 17. Jahr seines Bestehens die altbewährten geblieben, sodass wieder fünf Künstler zu einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Hohenossig eingeladen werden konnten. Unter der Vielzahl der Bewerber wählte die Jury, bestehend aus Christine Ebersbach, Christine D. Hölzig, Rudolf Hiller von Gaertringen, Rolf Münzner und Reinhard Rössler vier Künstler aus, bereits gesetzt war der Vorjahressieger der „100 Sächsischen Grafiken Chemnitz“, Peter Hofmann.

Bei dem Sächsischen Druckgrafik-Symposion in den Werkstätten für künstlerische Druckgrafik Jeanette und Reinhard Rössler in Hohenossig nahmen teil: Charlotte Boesen, Konrad Henker, Peter Hofmann, Katrin Kunert, Katrin Stangl.

Während ihres Aufenthalts wurden die Künstler von den drei „Symposionsdruckern“ Reinhard und Jeanette Rössler sowie Thomas Sebening aus München betreut. Nachdem das Ausstellungszentrum Kroch–Haus der Universität Leipzig aufgrund der anstehenden Sanierung kurzfristig geschlossen wurde, kann die traditionelle Ausstellung der Ergebnisse nun dankenswerter Weise im Foyer des Gewandhauses stattfinden.

Das diesjährige Sächsische Druckgrafik–Symposion hat einmal mehr eine eindrucksvolle Vielfalt verschiedener Herangehensweisen aufgezeigt. Bei aller Unterschiedlichkeit der Ansätze stand in der Mehrzahl der Fälle die Auseinandersetzung mit der sichtbaren Welt im Vordergrund, die freilich bisweilen stark verfremdet wurde. Im Hinblick auf die Frage, wie die Druckgrafik weiterentwickelt werden kann, werden in der Ausstellung wieder neue interessante Antworten zu finden sein.

Ausstellungsdokumentation: "17. Druckgrafik-Symposion", 2008, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 12. Oktober bis 20. Dezember 2007 und 7.–19. Januar 2008 in der Bibliotheca Albertina

Eine Ausstellung der Kustodie und des Instituts für Klassische Philologie und Komparatistik der Universität Leipzig

Die Universität Leipzig ehrt einen herausragenden Vertreter der Klassischen Philologie mit einer Ausstellung: Gottfried Hermann (1772–1848) war einer der berühmtesten Geisteswissenschaftler seiner Zeit. Seine Untersuchungen zur altgriechischen Sprache, zur Entstehung ihrer Mythen und dem Wortlaut ihrer Dichtungen, bildeten Anfang des 19. Jahrhunderts einen glanzvollen Höhepunkt der seit der Renaissance gepflegten Text- und Wortphilologie. Seine Forschungen zur antiken Grammatik und Metrik beeinflussten auch Johann Wolfgang von Goethes Suche nach neuen Formen in der deutschen Dichtung. An der Universität Leipzig spielte Gottfried Hermann auch als Hochschulreformer eine entscheidende Rolle: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte er zu den Initiatoren der Erneuerung veralteter Universitätsstrukturen, die in der Universitätsreform von 1830 ihren Höhepunkt fand. Ab 1830 wurde die Universität Leipzig in eine moderne Landesuniversität umgestaltet: Mit der Aufhebung der Nationenverfassung und der Einführung eines aus den vier Fakultäten gebildeten Senates wurde der wichtigste Schritt zu modernen Organisations- und Verwaltungsstrukturen vollzogen.

Für seine Leistungen erhielt Gottfried Hermann zahlreiche Ehrungen, u. a. den sogenannten „Rauchaltar“, welcher der Ausstellung ihren Namen gab. Das kunstvoll gearbeitete Gefäß aus Silber, eine Tabakbüchse, zählt zu den bedeutendsten Gegenständen aus dem Nachlass Gottfried Hermanns. Der Nachlass, um den sich diese Ausstellung rankt, wurde der Universität 2005 großzügig von einer Nachfahrin Hermanns, Frau Ingeborg Benecke–Deltaglia, geschenkt. Der „Rauchaltar“ war ein Geschenk zu Gottfried Hermanns fünfzigsten Magisterjubiläum im Jahre 1840, vermutlich wurde es von der Stadt Leipzig gestiftet. Ein eingraviertes Gedicht bezeugt die feierliche Übergabe an den passionierten Raucher. Schmuckvolle Medaillons zeigen von Hermann geschätzte Personen: seine Lehrer F. W. Reiz (1733–1790) und K. D. Ilgen (1763–1834) sowie seine Schüler August Seidler (1779–1851), C. A. Lobeck (1781–1860) und F. W. Thiersch (1784–1860).

Die Ausstellung möchte über Leben und Werk dieses bedeutenden Leipzigers informieren. Neben Objekten aus dem Nachlass, Bildnissen Hermanns und seiner Familie sowie bedeutender Wissenschaftler, mit denen er in Kontakt stand, sollen auch vor allem seine Verdienste im Bereich der Klassischen Philologie, in der antiken Grammatik und Metrik sowie in der Textkritik, gewürdigt werden.

Die Sprache stellte für Gottfried Hermann die zentrale Kategorie seines Arbeitens dar: Er fasste sie als logisch–rationales System auf und er interpretierte sie – beeinflusst von der Philosophie Kants – als Abbild der menschlichen Vernunft: Wie die Vernunft, so folge auch die Sprache logischen Gesetzen. Somit versuchte er, die Fülle der grammatischen Phänomene auf verständliche grundlegende Prinzipien zu reduzieren und die griechische Grammatik und den Umgang mit ihr zu systematisieren. Auch die antike Metrik wollte er wissenschaftlich erfassen und die Beschäftigung mit dieser auf eine philosophische Grundlage stellen. Durch seine umfassenden und genauen Analysen der antiken Dichtungen und die Untersuchung von Einzelphänomenen konnte er exzellente metrische Beobachtungen anstellen und Regeln formulieren, die noch heute von großem Wert sind. Die bekannteste von ihnen ist wohl die „Hermannsche Brücke“. Das schon von J. H. Voss entdeckte metrische Gesetz formuliert eine im Altertum (besonders bei Homer, Kallimachos, Nonnos) beachtete Regel, wonach im daktylischen Hexameter kein Wortende nach dem vierten Trochäus vorkommen darf.

Im Zentrum von Hermanns textkritischem Wirken stand die attische Tragödie, für deren Texte er entscheidende Arbeit geleistet hat: Er arbeitete an Ausgaben der Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides. Seine guten Konjekturen (verbessernde Eingriffe des Herausgebers in den überlieferten Text) beruhten auf seiner überragenden Sprachbeherrschung, die verbunden war mit genauester Beobachtung der einzelnen Autoren, ihres Stils, ihrer Eigenheiten und der richtigen Deutung des Überlieferten. Metrik und Grammatik waren in Hermanns Augen somit in erster Linie Werkzeuge für die eigentliche Arbeit des Philologen: die Edition und Interpretation antiker Texte. Aber gerade die tiefgehende Beschäftigung mit der antiken Metrik sowie seine umfassende Sprachkenntnis begründeten seinen Erfolg in diesem Bereich: Auch aus heutiger Sicht wird die Qualität der Hermannschen Konjekturen weiterhin geschätzt. Moderne Textausgaben der von Hermann bearbeiteten Autoren zitieren insgesamt fasst 1000 Konjekturen Hermanns und somit mehr als von jedem anderen Kritiker.

Ausstellungsdokumentation "Gottfried Hermann", Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 22. Juni bis 21. Juli 2007 im Ausstellungszentrum des Kroch–Hauses

Die Ausstellung ist ein Projekt des Instituts für Kunstgeschichte und der Kustodie der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Max Klinger (1857–1920) ist der gefeierte Künstler in diesem Jahr: Mit Schauen, Tagungen und Specials begehen die Bewunderer seinen 150. Geburtstag und die Wissenschaft begibt sich auf Spurensuche nach neuen aufschlussreichen Details oder innovativen Interpretationen eines verblüffend vielfältigen Werkes. „Ich lebe in mir und wandele durch Reflexe meiner Augen: Glaslicht – Spiegel – Mensch.“, so schreibt Max Klinger 1883. Seiner Phantasie, seiner Psyche, seinem Gefühlsleben, seinen Blick auf das Ganze gibt er bevorzugt in der „Griffelkunst“ Ausdruck, der Zeichnung und Radierung. Ab den 1880er Jahren setzt er sich verstärkt mit diesem Medium auseinander und wird mit seinem technischen Können und den unkonventionellen Sujets nicht nur vielen Grafikern des 20. Jahrhunderts Vorbild sein, darunter Käthe Kollwitz und Edvard Munch, sondern zu seinen Lebzeiten fast unermesslichen Ruhm erlangen. In Klingers Schrift Malerei und Zeichnung (1891) weist er der Grafik die Reflexion der dunklen Seiten des Lebens zu, während die Malerei das Schöne abbilden solle. Die Erklärung scheint denkbar einfach: Der Betrachter ist aufgrund der fehlenden Farbigkeit, anders als in der Malerei, auf seine Fantasie zurückgeworfen und kommt dem „Ungeheuerlichen“ umso näher.

Die Ausstellung Griffelkunst – Mythos, Traum und Liebe in Max Klingers Grafik widmet sich vier ausgewählten Grafikzyklen des Leipziger Künstlers. Stellvertretend für Max Klingers plastisches Œuvre, seinen Bestrebungen hin zum Gesamtkunstwerk sowie für seine Bindung zur Universität Leipzig wird den Grafiken zusätzlich die Büste Wilhelm Wundts zur Seite gestellt.

Die Leipziger Universität und Wilhelm Wundt
Die Verbindung zwischen der Leipziger Universität und dem Künstler belebte sich im Jahr 1909, als zum 500–jährigen Jubiläum in der Aula Max Klingers "Die Blüte Griechenlands", ein heute verlorenes Wandbild, enthüllt wurde. Die Festrede hielt der bereits genannte Wilhelm Wundt (1832–1920), ehemaliger Rektor und seit 1902 Ehrenbürger der Stadt. Seine revolutionären Studien im Bereich Experimentalpsychologie hatten auf Klingers Lebensgefährtin Elsa Asenijeff nachweisbaren Einfluss, die an Vorlesungen des Professors teilnahm. Wundt beschäftigte sich unter anderem mit der Lehre von Gefühlen und Affekten und mit der Lehre des Willens. Sein Hauptwerk Grundzüge der physiologischen Psychologie (1874) sandte er, wie bekannt ist, an Klinger, zu dem er in regem Briefkontakt stand. Ob die psychologisierende Manier seiner Kunstwerke, die eindringlichen Traumwelten und visualisierten Seelenzustände der Protagonisten eine Reflexion dieses Kontakts darstellen, ist eine der Fragen, denen sich die Ausstellung widmen wird.

Die Grafikzyklen
Eva und die Zukunft entstand als Opus III im Jahr 1880. Die sechs Blätter befassen sich mit dem Schicksal der Frau, der Geschichte von Adam und Eva und den möglichen Zukunftsperspektiven, die aus dem Sündenfall erwachsen. Das ernüchternde Resultat: Der Mensch ist triebhaft und dies verschafft ihm Leiden und letztendlich den Tod.

Amor und Psyche, das ungleich umfangreichere Opus V aus dem selben Jahr, mutet heiterer an. Als Illustration zum gleichnamigen Märchen des antiken Autors Lucius Apuleius erzählt Klinger erotisch–frivol bis melancholisch-düster die Liebesgeschichte zwischen der sterblichen Psyche und dem unsterblichen Liebesgott Amor.

Opus VI, Paraphrase über den Fund eines Handschuhs, von 1878 überrascht nach einer scheinbar unverfänglichen Begebenheit auf einer Berliner Rollschuhbahn mit einer abstrakten und überaus surrealen Bilderwelt. Der fallengelassene Handschuh einer Dame wird für den Protagonisten zum Objekt der Begierde und entwickelt in seinen Träumen ein erotisches obgleich beängstigendes Eigenleben.

Opus X, Eine Liebe, aus dem Jahr 1887 verhandelt ein weiteres Mal das Schicksal der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft. In zehn Blättern erzählt Klinger die Geschichte eines Liebespaares, das entgegen aller Konventionen der Leidenschaft nachgibt. Verschiedene Visionen zeigen die dramatischen Folgen dieser Amour fou für das Paar.

Publikation

Der Katalog zur Ausstellung ist erschienen im Plöttner Verlag Leipzig, 22 x 24 cm, 83 Seiten, 76 Abb. sch/w zum Preis von € 11,90. ISBN 978-3-938442-31–9 (auch direkt bestellbar unter: www.ploettner-verlag.de)

Max Klinger: Eva und die Zukunft, 1898, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 17. März bis 3. Juni 2007 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Eine Gemeinschaftsausstellung der Kustodie der Universität Leipzig und des Deutschen Werkbundes Sachsen e. V.

Hendrik Petrus Berlage (1856–1934) gilt als einer der bedeutendsten niederländischen Architekten und Wegbereiter der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das „Niederländische Haus“, das er zwischen 1901 und 1903 am Leipziger Augustusplatz errichtete, war sein einziges in Deutschland realisiertes Werk. Ein gutes Jahrhundert später sorgt nun abermals ein niederländischer Architekt am Augustusplatz für Furore: Unmittelbar gegenüber dem einstigen Standort des Bauwerks von H. P. Berlage wird bis 2009 das neue Hauptgebäude der Leipziger Universität nach den Plänen von Erick van Egeraat (geb. 1956) entstehen. Das vom Vorsitzenden des Deutschen Werkbundes, Bernd Sikora, initiierte Ausstellungsprojekt thematisiert die besonderen Impulse der beiden niederländischen Architekten im Hinblick auf die Entwicklung dieser wichtigen Leipziger Platzanlage. Im Vordergrund steht dabei das Verhältnis der jeweiligen Bauten zur Moderne. Während sich Berlages Bau im Sinne moderner Bauformen gegen den auch in Leipzig vorherrschenden Historismus positionierte, unterscheidet sich Erick van Egeraats Entwurf von den vorherrschenden Vorstellungen aktueller Architektur vor allem durch die Verschmelzung von Historismus und Avantgardismus.

Der Baumeister H.P. Berlage hatte als Hausarchitekt zweier niederländischer Versicherungsgesellschaften (der Lebensversicherung „Allgemeene Maatschappij van Lebensverzekering en Lijfrente“ und der Feuerversicherung „De Nederlanden van 1845“) bereits Bauwerke in verschiedenen holländischen Städten errichtet. Als sich die niederländische Lebensversicherungsgesellschaft entschloss, eine Niederlassung in Deutschland zu eröffnen, sollte Berlage diesen Geschäftssitz der Direktion in Deutschland planen, die in Leipzig ansässig war. Seine Planungen für das „Niederländische Haus“ liegen in enger zeitlicher Nähe zu den Arbeiten an der Handelsbörse von Amsterdam, die als Berlages berühmtestes Bauwerk gilt. Im Gegensatz zu seinen frühen Bauten, die noch von historistischen Formen geprägt waren, zeichnet sich die Börse vor allem durch Sachlichkeit und Funktionsorientiertheit aus. Das „Niederländische Haus“ wurde des Öfteren als „kleine Schwester“ der Handelsbörse bezeichnet. Auch hier bestimmten klare Formen und die Reduktion der Schmuckelemente das Gesicht des Baus. Die Fassade wurde von Sichtbackstein dominiert, lediglich die Granitpfeiler im Ergeschoss sowie Giebelkanten und waagerechte Stürze in Sandstein setzten zurückhaltende Gestaltungsakzente. Im Inneren, wie in dem lichtdurchflutetem Treppenhaus mit seinen Arkadenreihen, fanden moderne Bautechniken und Materialen wie Gußeisen Verwendung. Das „Niederländische Haus“ war zu seiner Entstehungszeit in der Leipziger Öffentlichkeit nicht unumstritten: Die Abkehr vom Historismus und der unkonventionelle Einsatz der modernen Materialien stießen zunächst auf Ablehnung. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude dann zu großen Teilen zerstört und musste nach Beräumungsarbeiten in den 1960er Jahren einem Hotelbau weichen (früher Hotel Merkur, heute Hotel Radisson SAS). Die Ausstellung präsentiert das Gebäude anhand von Fotografien und originalen Bauzeichnungen aus den Beständen des NAi (Netherlands Architecture Institute) in Rotterdam.

Erick van Egeraat (geb. 1956)

Bis zum 600–jährigen Jubiläum der Universität Leipzig im Jahr 2009 wird am Augustusplatz ein neuer Universitätscampus entstehen. Der Rotterdamer Architekt Erick van Egeraat gewann im März 2004 den Wettbewerb um die Neugestaltung des Universitätshauptgebäudes. Der Siegerentwurf nimmt die Formen der beiden historischen Vorgängergebäude an diesem Ort auf, der mittelalterlichen Universitätskirche St. Pauli und dem Hauptgebäude Augusteum des 19. Jahrhunderts (beide 1968 auf Betreiben der SED und unter Protesten der Bevölkerung gesprengt). Der Gewinner des Architekturwettbewerbs erläuterte, dass er den Neubau als ein Projekt verstehe, das an Vergangenes erinnert, aber zugleich auch „in die Zukunft verführt“: Sein Entwurf solle die ehemalige Architektur nicht kopieren, aber versuchen, sie in moderner Form zurückzubringen. Seine Philosophie sei es, wärmer, voller, reicher zu bauen, als das gemeinhin in den letzten 50 Jahren geschehen sei. Bei der Aula spiegelt sich dieser Ansatz in der Verwendung neuer Materialien wie Keramik und Glas wieder. So kann die Architektur Erick van Egeraats als eine Gegenposition zu vorherrschenden Vorstellungen von Moderne interpretiert werden. Wie seinerzeit der Bau Berlages basiert auch Erick van Egeraats Projekt auf einer Weiterentwicklung der zeitgenössischen Bauästhetik, angereichert durch avantgardistische Elemente.

Erick van Egeraat studierte an der Technischen Universität Delft und betreibt seit 1995 das Architekturbüro EEA in Rotterdam (Erick van Egeraat associated architects). Er erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, wie den Hugo–Häring-Preis für experimentellen Wohnhausbau der IGA Stuttgart. Seit 1996 ist er Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten sowie des Royal Institute of British Architects. Erick van Egeraat hat unter anderem preisgekrönte Gebäude für die ING Bank in Budapest und die Niederländische Botschaft in Warschau sowie das Rathaus in Alphen aan den Rijn und die Inholland Fachhochschule in Rotterdam gebaut. In der Ausstellung wird sein aktueller Entwurf für das neue Hauptgebäude der Universität durch Zeichnungen und ein Modell anschaulich gemacht.

Die Ausstellung beleuchtet die Werke der beiden niederländischen Architekten im Kontext des Leipziger Augustusplatzes, dessen Entwicklung mittels eines Panoramas und historischer Ansichten nachgezeichnet wird. Zugleich sucht sie die innovativen und kontrapunktischen Positionen dieser Bauten im Verhältnis zu den jeweils gängigen Vorstellungen herauszuarbeiten.

Das Projekt wurde gefördert durch das Kulturamt der Stadt Leipzig, die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen sowie die Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 100. Gründungstag des Deutschen Werkbundes im Jahr 2007.

Ausstellungsdokumentation "Kontrapunkte", 2007, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 24. November bis 21. Dezember 2006 und 08.–27. Januar 2007 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Bei dem Sächsischen Druckgrafik-Symposion in den Werkstätten für künstlerische Druckgrafik Jeanette und Reinhard Rössler in Hohenossig nahmen teil: Sylvie Abélanet, Daniela Gaete Fontirroig, Gabi Francik, Stanislav Marijanovic, Chris van der Veken.

Die Rahmenbedingungen des Sächsischen Druckgrafik–Symposions sind – dank der abermals bereit gestellten Förderung – auch im 16. Jahr seines Bestehens die altbewährten geblieben, so dass im Sommer wieder fünf Künstler zu einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Hohenossig eingeladen werden konnten. Das Auswahlergebnis der Jury hatte in diesem Jahr eine ungewöhnlich internationale Gruppe ergeben: So unterschiedlich wie die geographische Herkunft der Künstler gestalteten sich dann auch die künstlerischen Ausdruckformen, wobei ein durchgehend qualitativ sehr hochstehendes Niveau erreicht wurde. Das diesjährige Druckgrafik–Symposion darf zu den künstlerisch besonders vielfältigen und ertragreichen gezählt werden. Die Gruppe harmonierte extrem gut, so dass ein besonders reger Austausch stattfand. Im Hinblick auf die Frage, wie die Druckgrafik weiterentwickelt werden kann, fanden sich in der Tat die vielfältigsten Antworten, von der diese Ausstellung ein beredtes Zeugnis ablegt.

Ausstellung vom 3. September bis 5. November 2006 im Museum der bildenden Künste Leipzig

In Kooperation mit der Kustodie der Unversität Leipzig und der Galerie Schwind, Leipzig.

Das monumentale Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz", das 1970 für das Foyer des Rektorats des Leipziger Universitätshauptgebäudes in Auftrag gegeben und 1973 von Werner Tübke vollendet wurde, ist der breiteren Öffentlichkeit trotz seiner allgemeinen Zugänglichkeit erstaunlich unbekannt geblieben. Der Abbau des Bildes im Frühjahr 2006 im Zusammenhang mit der Campusumgestaltung bietet nun Gelegenheit, das Werk neu ins Bewusstsein zu rücken, bevor es für längere Zeit und bis zur Fertigstellung des Universitätsneubaus ins Depot des Museums der bildenden Künste verbracht wird. Das Gemälde bildet den Mittelpunkt einer monographischen Ausstellung mit vorbereitenden Studien, Aquarellen, Gemäldeentwürfen und Dokumenten aus dem Nachlass des Künstlers. Sie werden zum größten Teil erstmals präsentiert. Gleichzeitig sind einige Arbeiten aus dem zeitlich parallelen Schaffen Werner Tübkes zu sehen.

Anlässlich der Ausstellung gibt die Kustodie der Universität die umfangreiche Werkmonographie „Werner Tübkes Arbeiterklasse und Intelligenz - Studien zu Kontext, Genese und Rezeption“ heraus (Michael Imhof Verlag, Petersberg, ca. 28 x 24 cm, 128 S., 82 Abb., fest geb., ISBN 3–86568–199–9). Das Buch enthält neben Detailaufnahmen vom Wandgemälde und historischen Fotos aus der Entstehungszeit bisher unpubliziertes Material (Skizzen, Entwürfe, Zeichnungen). In den Beiträgen sechs verschiedener Autoren werden das Gemälde und die Umstände seiner Entstehung aus historischer und kunstgeschichtlicher Perspektive beleuchtet. Erhältlich ist die Werkmonographie in der Ausstellung im Museum der bildenden Künste sowie nach Ausstellungsende über den Kustodie-Shop.

Das 13,80 m lange Gemälde im ehemaligen Rektoratsgebäude der damaligen Karl–Marx–Universität stellte das größte öffentlich zugängliche Werk des Künstlers in Leipzig dar. Inhalt, Aussage und Funktion dieser staatlichen Auftragsarbeit gaben und geben Anlass zu kontroversen Diskussionen. Zwar knüpft das Gemälde mit seinem Farbenreichtum, der detaillierten, handwerklich geschickten Ausarbeitung der Figuren und einer außergewöhnlichen Komposition an die Alten Meister der Renaissance, des Manierismus und des Barock an – und entsagt somit den gewöhnlichen Stilmitteln des sozialistischen Realismus. Jedoch müssen die Umstände seiner Entstehung auch kritisch betrachtet werden: Das Bild wurde im Auftrag der SED–Kreisleitung gemalt, trägt einen programmatischen Titel und portraitiert, neben Universitätsangehörigen, die Leipziger SED–Parteifunktionäre.

Der Ansatz der Publikation ist ein historischer: Im Vordergrund der Betrachtung stehen zunächst die Voraussetzungen des Bildes auf den verschiedensten Ebenen, auch vor allem in politischer bzw. kulturpolitischer Hinsicht. Prof. Dr. Günther Heydemann (Historisches Seminar der Universität Leipzig, Professur für Neuere und Zeitgeschichte) untersucht das zeitgeschichtliche Umfeld des Machtwechsels von Ulbricht auf Honecker und die Kulturpolitik der DDR in jener Epoche; die Situation der Universität Leipzig in den Jahren um 1970 skizziert Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Günther Wartenberg (Institut für Kirchengeschichte der Universität Leipzig und Vorsitzender der Kommission für Universitätsgeschichte). Den architektonischen Kontext des Wandbildes sowie die ideologischen Vorgaben für die künstlerische Ausstattung des sozialistischen Campus in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien analysiert Prof. Dr. Thomas Topfstedt (Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, Professor für Kunstgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts). Der Hauptteil des Buches ist der künstlerischen Genese des Leipziger Wandbildes gewidmet. Die Vorgaben für den Künstlerwettbewerb, die Evolution der Komposition über verschiedene Entwurfsstadien, das erhaltene, weitgehend unpublizierte Skizzen- und Studienmaterial sowie die Dokumentationsfotos der malerischen Ausführung untersucht Ulrike Garvert M. A., die sich diesem Thema bereits im Rahmen ihrer Magisterarbeit am Institut für Kunstgeschichte gewidmet hatte. Auch die Frage kunsthistorischer Vorbilder Tübkes wird hier aufgeworfen. Dr. sc. Günter Meißner, Autor einer großen Tübke-Monographie des Jahres 1989, die in enger Zusammenarbeit mit dem Maler entstand, schildert die Stellung des Wandbildes im Gesamtwerk Tübkes. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen (Leiter der Kustodie der Universität Leipzig) wirft Fragen zur Bildgattung im Hinblick auf Gruppenportrait und Historienmalerei auf und diskutiert das Problem der ideologischen und der ikonographischen Voraussetzungen des Bildes.

 

Podiumsdiskussion, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 19 Uhr
mit Erich Loest (Schriftsteller, Leipzig) und Prof. Karl-Siegbert Rehberg (Technische Universität Dresden)
Moderation: Prof. Frank Zöllner (Universität Leipzig)

Werner Tübke: "Intelligenz" (Ausschnitt aus Arbeiterklasse und Intelligenz), 1973, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 16. Juni bis 29. Juli 2006 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Kein Zweifel, König Fußball beherrscht in diesem Sommer nicht nur deutsche Stadien, Wirtschaft und Medienlandschaft, er hat selbst die hiesige Kulturszene in seinen Dienst gezwungen. Auch im Kroch-Haus zollt man dem Ereignis willig Tribut. Schließlich verlangen im Magazin der Universitätskunstsammlungen mehr als ein halbes Tausend Kunstwerke zum Thema Sport gelegentlich nach Öffentlichkeit.

Sport sehen

„Rasenballett“ ist der Titel eines die ballartistischen Fähigkeiten der Fußballer huldigenden Gemäldes von Werner Bielohlawek (1988). Für all jene, denen der Fußball nicht das Leben ist, steckt die einst einem begeisterten Sportreporter entschlüpfte Sprachschöpfung jedoch voll unfreiwilliger Komik. Vergleicht man da nicht unwillkürlich stramme Fußballerwaden mit den Beinen der Balletteusen? Mit diesem Augenzwinkern erhebt Wolfgang Henne seine sehr energische „Badminteuse“ (Farbgrafik von 1987) zu einer Primaballerina am Ball, während Carl Marx seinen elfengleichen „Mittelstürmer“ (1980 Abb.) über ein bunt erotisiertes Spielfeld huschen lässt.

Wie ernst muss man Sport nehmen? Das Spannungsfeld zwischen Leistungsport und spielerischer Freizeitbeschäftigung bietet dem Künstler porträtwürdige Idole wie belächelte Witzfiguren (Willy Moese).
Liegt der Wert des Sportes in der von Ehrgeiz getragenen körperlichen Grenzüberschreitung (Willi Sitte Abb.), seiner gesundheitsfördernden Wirkung (Christine Richter Abb.) oder in der reinen Freude an Spiel und Bewegung? (Bernd Hertl: Am Strand. 1980,Öl auf Hartfaser)?

Die Ästhetik vollendet kraftvoller Körperbeherrschung (Karl Hillerts Plastik „Torso Daniel“ von 1986), die Eleganz der schnellen Bewegung, die absolute Konzentration (Joachim Kaiser: Schachspieler, Terrakotta), der verbissene, schmerzhafte Kampf, Stolz und Rausch des Sieges (Bernd Göbel Abb.) und die Tränen der Niederlage (Steffen Volmer: Der Zweite. Mischtechnik auf Papier, 1987) faszinieren Künstler seit jeher. Und fernab der von Schlachtenbummlern aller Couleur aufgeheizten Atmosphäre der großen Sportarenen (Hans-Meyer Foreyth Abb.) steht über dem ländlichen Spielfeld Gott-sei-Dank noch immer hoch ein Fußball am Himmel, ohne den ein schöner Sonntag (Wolfgang Mattheuer: Landschaft mit Fußball) ebenso wenig denkbar ist wie ein Wochenende ohne Sportschau im Fernsehen (Joachim Scholz).

Die Sammlung „Sport in der Kunst“

Der überwiegende Anteil der ausgestellten Werke stammt aus der Kunstsammlung der einstigen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport der DDR in Leipzig (DHfK). 1950 gegründet, erhielt sie zwischen 1952 und 1957 am Elsterflutbecken südlich des heutigen Sportforums in der Jahnallee einen großzügigen Neubaukomplex (Entwurf Hanns Hopp und Kunz Nierade). Er widerspiegelt noch heute in seinen klassizistisch beeinflussten Bauformen und seiner von Anfang an reichen baukünstlerischen Ausstattung anschaulich die Bedeutung, welche die Staatsdoktrin der jungen DDR Körpererziehung und Sport als gesellschaftsbildender, identitätsstiftender und internationale Anerkennung ermöglichender Komponente beimaß.

Mit Beginn der 1960iger Jahre fanden unter dem Aspekt der vermeintlich unmittelbar persönlichkeitsbildenden Wirkung der Kunst zunehmend Gemälde und Plastiken Eingang in die Foyers, Flure und Pavillons des Westflügels, so dass hier erstmals tatsächlich eine Galerie entstand. Werke, wie das zum Zeitpunkt seiner Entstehung 1959 stark umstrittene Porträt des Radrennidols Gustav Adolf Schur mit seiner Kindersportgruppe (Bert Heller Abb.) bezeugen das Bemühen um künstlerische Qualität.
Der eigentliche Aufbau einer Lehrsammlung „Sport in der Bildenden Kunst der DDR“ begann in den 1970iger Jahren mit der Gründung des Bereich Sportästhetik. Dank bester Kontakte zu staatlichen Stellen standen stets reichlich Geldmittel zur Verfügung, um zielgerichtet Auftragswerke zu erteilen und über den Staatlichen Kunsthandel oder direkt von den Künstlern Ankäufe zu tätigen, die auch heutigen Qualitätsmaßstäben standhalten.

1991 wurde die DHfK als selbständige Hochschule geschlossen und mit veränderten Strukturen als Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität angegliedert. Die Kunstsammlung der DHfK wird seitdem als abgeschlossener historischer Bestand von der Kustodie betreut. In Ergänzung des Bestandes wurde 2000 ein umfangreiches Konvolut an thematisch passenden Kunstwerken als Dauerleihgabe aus dem Kunstfond des Freistaates Sachsen übernommen. Auch Schenkungen und kleinere Neuankäufe erweiterten das Spektrum der Sammlung.

Doch es lohnte auch ein „sportlicher Blick“ auf die „eigenen“ umfangreichen Bestände. So werden als älteste Stücke auch einige bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Blätter aus der Sammlung historischer Bilderbögen zu sehen sein.

Werner Bielohlawek: "Rasenbalett", 1988, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 7. April bis 3. Juni 2006 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Eine Ausstellung der Kustodie und des Altorientalischen Instituts der Universität Leipzig.

Der Ursprung der Schrift

Die Suche nach den Ursprüngen unserer modernen Kultur führt in den alten Orient, den Geburtsort der Schrift: Dort entstanden zum Ende des vierten vorchristlichen Jahrtausends die ältesten uns bekannten Texte der Welt, in Keilschrift mit Griffeln aus Schilfrohr in feuchten Ton geschrieben. Diese Schriftform entwickelte sich im Laufe der Zeit von Piktogrammen zu immer stärker abstrahierten Zeichen, die sich aus Keilen zusammensetzten. Sie wurde über Jahrtausende weitertradiert, bis sie im Verlauf des ersten vorchristlichen Jahrtausends zugunsten von Alphabetschriften aufgegeben wurde.

Zunächst handelte es sich bei den niedergeschriebenen Texten hauptsächlich um kurze Verwaltungsnotizen, und erst ab der Mitte des dritten vorchristlichen Jahrtausends sind Königsinschriften und erste literarische Texte bekannt. Die insgesamt bisher publizierten Keilschrifttexte mit grob geschätzt ca. 12.000.000 Worten umfassen beinahe jegliche vorstellbare Textgattung: Schriften aus den Bereichen Politik, Verwaltung, Recht, Lehre und Wissenschaft (u.a. Medizin, Mathematik und Astronomie), aber auch poetische, religiöse und magische Texte, wie Ritualanweisungen, Beschwörungen und Gebete sowie „Literatur im engeren Sinn“, z.B. Mythen und Epen, Hymnen und Klagelieder.

Hauptschriftträger für die Keilschriftliteratur war Ton, allerdings gibt es auch Inschriften in Stein, Elfenbein, Metall und Glas. Außerdem wurden zusammenklappbare Holz– und Elfenbeintafeln gefunden, die mit einer dünnen Schicht Bienenwachs bedeckt waren und mehrfach beschrieben werden konnten.

Eines der ältesten literarischen Werke der Menschheit

Das babylonische Gilgamesch–Epos entstand im 3. Jahrtausend vor Christus. Es ist ein aus 12 Tontafeln bestehender Zyklus, der seit dem 19. Jahrhundert in mühevoller wissenschaftlicher Arbeit aus Bruchstücken wiedergewonnen wurde. In den vergangenen 130 Jahren brachten Ausgrabungen im Vorderen Orient neue Textfragmente hervor, welche die Lücken im Text zu schließen halfen. Doch noch immer ist das Epos ein Torso: Die neueste wissenschaftliche Edition von Andrew George aus dem Jahr 2003 enthält nur rund ein Drittel der ursprünglich 3300 Verse der jüngsten, im I. Jahrtausend v. Chr. entstandenen Version. Allerdings kennt man heute auch bis zu 1000 Jahre ältere Versionen des Epentextes in babylonischer, sumerischer und hethitischer Sprache, die helfen, fehlende Passagen der jüngeren Version zu füllen.

Das Gilgamesch–Epos liefert ein beeindruckendes Zeugnis von den elementaren Problemen, gesellschaftlichen Strukturen und der Denkweise der Menschen im Zweistromland vor ca. viertausend Jahren. Die Erzählung berührt aber auch Grundfragen des menschlichen Daseins, wie Kampf und Freundschaft, Liebe und Tod. Das Epos rankt sich um den sagenhaften Gilgamesch, König von Uruk, der nach zahlreichen Abenteuern und leidvollen Erfahrungen die Fähigkeit erwirbt, seinem Volk ein guter Herrscher zu sein. Der junge König will seine Kräfte mit der ganzen Welt messen. Die Götter beschließen, ihm einen im Kampf ebenbürtigen Gegner zu erschaffen – einen in der Steppe lebenden Wildmenschen Namens Enkidu. Ein Zweikampf zwischen Gilgamesch und Enkidu endet mit der Erkenntnis beiderseitiger Kräftegleichheit und aus der Rivalität entwickelt sich Freundschaft. Gemeinsam bestehen sie Abenteuer und bezwingen Ungeheuer. Doch die Götter verurteilen Enkidu zum Tod – er wird krank und stirbt. Gilgamesch, verzweifelt über den Tod seines Freundes, verlässt Uruk und macht sich auf die Suche nach Uta-napischti – einem Menschen, dem es gelang, unsterblich und ein Gott zu werden. Uta–napischti erzählt von der göttergewollten Sintflut, die die Menschheit auslöschen sollte. Durch den Bau eines Schiffes überlebte er und erlangte nachträglich die Unsterblichkeit. Nach vielen weiteren Prüfungen stellt sich heraus, dass es für Gilgamesch unmöglich ist, unsterblich zu werden. So kehrt er, zu Einsicht und Weisheit gelangt, nach Uruk zurück und widmet sich seinen Aufgaben als König. Das Gilgamesch–Epos ist einem modernen Entwicklungsroman vergleichbar, der von den Grundfragen des menschlichen Daseins handelt.

Gilgamesch – Meilenstein der Forschung

Die neuzeitliche Geschichte des Gilgameschepos beginnt 1857: In diesem Jahr wurde die Keilschrift entziffert, so dass es endlich möglich wurde, die in den Jahren zuvor aus Ninive nach London gelangten Texte zu lesen. 1863 wurde der Autodidakt George Smith Assistent am British Museum. Smith arbeitete an den Ninivitischen Tafeln und entdeckte in der 11. Tafel des Gilgamesch–Epos Fragmente eines Flutberichtes, den er inhaltlich mit der biblischen Sintflut in Verbindung brachte. 1872 berichtete Smith erstmals bei der Society of Biblical Archaeology öffentlich über seine Entdeckung. Dies erregte einen Sturm der Begeisterung, meinte man nun den Ursprüngen der biblischen Texte nahe zu kommen. Nachdem der Daily Telegraph einen Fond zur Auffindung der „fehlenden Stücke“ des Textes ausgesetzt hatte, konnte Smith 1873 und 1874 auf zwei Grabungen weitere Fragmente des Epos finden.

In den nachfolgenden Jahren machte die Identifikation der Textabschnitte solche Fortschritte, dass sie 1884/91 erstmals im Zusammenhang veröffentlicht werden konnten. Im Jahre 1900 wurde das Epos von Jensen erstmals vollständig transkribiert und übersetzt herausgegeben. Damit war eine Grundlage für die inhaltliche und traditionsgeschichtliche Erforschung gegeben.

Gilgamesch–Rezeption in der modernen Kunst

Seit seiner Entdeckung im späten 19. Jahrhundert hat der mesopotamische Gilgamesch–Mythos nicht nur seine Leser in den Bann geschlagen, sondern darüber hinaus immer wieder Maler und Bildhauer zu bildnerischen Auseinandersetzungen inspiriert. Angeregt durch eine archaische Bildwelt und Charaktere voll urtümlicher Direktheit schufen die Künstler zeitgenössische Evokationen, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Erzählung hervorhoben. Die Rezeption des Stoffes in der zeitgenössischen Kunst macht deutlich, wie aktuell die Kerninhalte des Mythos auch heute noch sind.

Nachdem sich in der Vergangenheit unter anderem Josef Hegenbarth (1884–1962) und Willi Baumeister (1889–1955) mit dem Epos auseinandergesetzt hatten, hat der Text jüngst auch den Leipziger Künstler Reinhard Minkewitz (geb. 1957) zu einem umfänglichen Zyklus angeregt. Bemerkenswert ist, wie stark die Künstler die Erzählung in die jeweils eigene Stilsprache übersetzt haben. Stilistisch dem heraufziehenden Expressionismus nahestehend, erzählte Hegenbarth den Mythos in ausdrucksstarken schwarzen Pinselzeichnungen auf ockerfarbenem Papier. Baumeister dagegen übertrug die Erzählung in mehr oder minder abstrakte Zeichen, die aber immer wieder Figuren oder Teile von Figuren anklingen lassen und dadurch fremd und urzeitlich wirken. Dabei scheint das Augenmerk des Künstlers mehr auf dem Phänomen der Zeichenhaftigkeit als auf der Erzählung selbst zu liegen.

Reinhard Minkewitz

Der Künstler Reinhard Minkewitz beschreitet einen gänzlich anderen Weg, indem er sich vor allem auf die Einzelfiguren des Mythos konzentriert und diese mit den Mitteln der Kunst zu charakterisieren sucht. Dies betont die existenzielle Dimension der Erzählung. In ausgewählten Fällen werden dann besonders schicksalsträchtige Begegnungen zweier Figuren thematisiert, z. B. in dem Gemälde »Enkidu wittert Shamhat«. Ausgangspunkt der künstlerischen Annäherung ist dabei die Zeichnung, insbesondere die Kohlezeichnung, die Minkewitz teilweise auch auf großformatigen Leinwänden ausführt, wie etwa bei dem Werk »Wilder Mann« (170 x 160 cm). Die Varianten der Strichführung reichen von ganz weich fließenden Konturen, etwa bei dem Blatt »Gilgamesch beweint Enkidu«, über aus kürzeren Strichen zusammengesetzten, immer noch vergleichsweise weichen Konturen, etwa bei der Arbeit »Fangwerk des Weibes«, bis hin zu eher kantigen Umrissen bei dem erwähnten »Wilden Mann«. Mehrfigurige Kompositionen wurden verschiedentlich zu Ölgemälden ausgearbeitet, etwa bei dem Bild »Die Gefährten« (170 x 140 cm). Mit dem Laser in Stahlplatten geschnittene Figuren sowie mit Stempelprägungen versehene Tontafeln runden die Werkgruppe ab.

Reinhard Minkewitz hat sich dem Gilgamesch-Epos über Jahre genähert und den Stoff in Form von Zeichnung, Malerei und Skulptur visualisiert. Er entwickelt dabei seine Lineaturen nicht aus der Bildgeschichte sondern von der Gestik her. An einer sparsamen Personage arbeitet er über streng gebaute Volumen immer wieder Grundkonflikte heraus. Es entsteht etwas, was Minkewitz selbst »Gleichnisse für Welt, Urgestalten, die sich aus dem Leben der Menschen ergeben« nennt; er zielt auf Archetypen.

Wissenschaftliches Begleitprogramm

25. April, 20.00 Uhr · Die Elemente Feuer und Wasser
»Das Gilgamesch–Epos« gelesen in der Neuübersetzung von Stephan M. Maul Literaturcafé im Haus des Buches
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

06. Mai, 20.00 Uhr · »Gilgamesch«
Szenische Lesung in der Ausstellung im Kroch–Haus von Studenten des Altorientalischen Instituts

Begleitpublikation

Die Ausstellung wurde im November/Dezember 2005 mit einem anderen thematischen Schwerpunkt in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz gezeigt. Dazu erschien der Katalog »Das Gilgamesch–Epos, gesehen von drei Generationen«, hrsg. von der Akademie der Wissenschaften Mainz und der Kustodie der Universität Leipzig, 2005.

Reinhard Minkewitz: "Enkidu wittert Shamhat", 2005, Öl auf Leinwand, 90 x 170 cm, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 25. November 2005 bis 28. Januar 2006 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Bei dem Sächsischen Druckgrafik–Symposion in den Werkstätten für künstlerische Druckgrafik Jeanette und Reinhard Rössler in Hohenossig nahmen teil: 

Christian Brandl, Christoph Carbenay, Marc Dettmann, Bettina Franke, Yvette Kiessling.

In diesem Jahr feiert das Künstlerhaus Hohenossig ein zweifaches Jubiläum: das 15. Sächsische Druckgrafik–Symposion und das 25–jährige Bestehen der Werkstätten für künstlerische Druckgrafik. In der Ausstellung werden daher neben den aktuellen Arbeiten des diesjährigen Symposions auch einige ausgewählte Blätter aus den vergangenen Jahren zu sehen sein. Die Rahmenbedingungen des Sächsischen Druckgrafiksymposions sind auch im 15. Jahr seines Bestehens die altbewährten geblieben: Wieder konnten aus der Menge der Bewerber fünf Künstler ausgewählt und zu einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Hohenossig eingeladen werden. Das zur Verfügung stehende Instrumentarium wie auch der Dialog mit Mitstreitern und Druckern sollen die Künstler ermutigen, formal und technisch neue Wege zu beschreiten. Zugleich verfolgt das Symposion das Ziel, die traditionelle druckgraphische Ästhetik im Gespräch zu halten.

Im Vordergrund des diesjährigen Druckgrafik–Symposions steht die Auseinandersetzung mit der sichtbaren Welt, während die reine Abstraktion gar nicht vertreten ist. Innerhalb dieses Rahmens beschreiten die Künstler sehr unterschiedliche Pfade: von den erzählerischen Interessen eines Christian Brandl, über die frei wuchernden Phantasiewesen eines Christophe Carbenay, die von Arbeitsspuren geprägte Containerwelt eines Marc Dettmann und den Kindergartenlandschaften einer Bettina Franke bis hin zu den Landschaften einer Yvette Kiessling.

Ausstellung vom 4. November bis 2. Dezember 2005 in der Studiensammlung

Aus Anlass des 150–jährigen Jubiläums der Rektorkette zeigt die Kustodie eine Kabinettausstellung, welche die Geschichte dieser prunkvollen Universitätsinsignie beleuchten soll. Die Kette wird noch heute vom Rektor bei feierlichen Anlässen getragen, wobei allerdings ein Duplikat Verwendung findet.

Die Ausstellung präsentiert die wertvolle Originalkette aus 14–karätigem Gold, die mit Smaragden und Rubinen besetzt ist und außerdem ein feinmalerisches Email–Medaillon umfasst. Die 1855 geschenkte Kette präsentiert sich heute mit den aus Anlass des 500–jährigen Universitätsjubiläums gestifteten Ergänzungen von 1909. Ursprünglich umfasste die Kette als zusätzlichen Schmuck allein das – unten als vergrößertes Kettenglied eingefügte und als Emailarbeit ausgeführte – Große Universitätswappen mit den Heiligen Laurentius und Johannes dem Täufer unter einem gotischen Baldachin, sowie die darunter angehängte, durch kleine Seitenketten zusätzlich hervorgehobene Bildnismedaille des Stifters, König Johann von Sachsen. Im Jahre 1909 wurden seitlich als separate Bildnismedaillen die Portraits des damaligen sächsischen Königs Friedrich August (links) sowie des Markgrafen von Meißen Friedrich der Streitbare (rechts), des wichtigsten Förderers der Universität im Zusammenhang mit ihrer Gründung 1409, hinzugefügt.

Die im „Renaissancestyl“ gehaltene Rektorkette wurde der Hochschule am 27. Dezember 1855 in Dresden als Geschenk König Johanns in einer feierlichen Zeremonie überreicht. Dass die Gabe aus der königlichen Privatschatulle finanziert wurde, darf als Hinweis auf eine besondere persönliche Verbundenheit interpretiert werden. Außerdem hatte der Regent den Thron erst im August 1854 bestiegen und das Projekt offenbar schon bald danach in Angriff genommen.

Kunsthandwerklich handelt es sich bei der Leipziger Rektorkette um ein ebenso hochwertiges wie aufwendiges Werk, das unter den zeitgenössischen Vergleichsbeispielen seinesgleichen sucht. Der Entwurf geht auf den Dresdener Künstler Hermann Wiedemann zurück, die Ausführung war dem Leipziger Goldschmiedeatelier Th. Strube und Sohn übertragen worden. Das Rundmedaillon mit dem Profilbildnis König Johanns war dagegen vom Ersten Graveur der Dresdener Münze Karl Christian Friedrich Ulbricht geschaffen worden, der sich dabei auf die im selben Jahr von Ernst Rietschel geschaffene Büste des Königs stützte.

Zum Zeitpunkt der Schenkung 1855 stellten derartige Rektorketten ein vergleichsweise junges und aus Sicht der Universitäten nicht unumstrittenes Phänomen dar. Bis zur Schenkung der Kette waren auch in Leipzig Zepter und Siegel die wichtigsten Insignien des Rektors gewesen. Für die um Autonomie bemühten Universitäten galt insbesondere die formale Herleitung derartiger Rektorketten von den seit dem 16. Jahrhundert üblichen, vom Landesherrn als Auszeichnung für persönliche Verdienste verliehene „Gnadenketten“ (s. hierzu in der Ausstellung das Portrait des Michael Wirth von 1606) als problematisch. Diese Vorstellung wurde aber zusehends vom Konzept der Amtskette überlagert, welche die dadurch verkörperte Institution in den Vordergrund stellte. Die Leipziger Rektorkette jedenfalls war schon in den Reden anlässlich der Übergabe zur Insignie erklärt, von der Hochschule als solche angenommen und als Symbol eines gegenseitig verpflichtenden Bundes zwischen König und Universität gedeutet worden.

Neben der Geschichte der Rektorkette der Universität Leipzig werden in der Ausstellung u. a. auch die Rektorketten der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport und der Pädagogischen Hochschule „Clara Zetkin“ in Leipzig gezeigt. Zusätzlich zur Kabinettausstellung kann während der Ausstellungsdauer auch die Studiensammlung mit weiteren Insignien und Kunstschätzen aus 600 Jahren Universitätsgeschichte besichtigt werden, die für die Dauer der Sonderausstellung ebenfalls ganztägig geöffnet ist.

  • Die Begleitpublikation ist über UNSEREN SHOP bestellbar.

Herausgegeben von Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen, Cornelia Junge Kustodie, Universität Leipzig

Leipzig 2005, ISBN 3–934178–53–7, Verkaufspreis: EUR 5,–

 

Graphische Kunstanstalt Trenkler & Col, Leipzig nach Eugen Urban: "Rektor und Dekane im Jubiläumsjahr 1909", 1909, Dreifarbendruck nach Gemälde (Öl auf Leinwand), Kunstbesitz der Universität Leipzig

Ausstellung vom 12. August bis 10. September 2005 im Ausstellungszentrum des Kroch-Haus

Studierende der Fachklasse und des Meisterschülerstudiums von Prof. Martin Honert, Hochschule für Bildende Künste Dresden

Lisa Marie Auer, Mira Bergmüller, Ines Beyer, Naomi Bick, Anke Brüchner, María Fernanda Chaparro, Agnes Domke, Stefan Eichhorn, Melanie Fieger, Thorsten Groetschel, Antje Guske, Julia Haller, Benno Hinkes, Tilman Hornig, Roman Hutter, Lilly Jankowski, Britta Jonas, Anja Jurkenas, Juliane Köhler, Anne Klein, Stefan Leyh, Nina May, Arkadiusz Pluta, Uljana Rogoshina, Alexandra Schlöffel, Anne Schmidt, René Trinks, Marco Voss, Karen Weinert, Katja Wiechmann

Im Rahmen der Ausstellung werden die künstlerischen Arbeiten der Studierenden der Fachklasse und des Meisterschülerstudium von Prof. Martin Honert, der Hochschule für Bildende Künste Dresden zu sehen sein. Mit zahlreichen unterschiedlichen Positionen aus einem breiten Spektrum aller Gattungen der Bildenden Kunst, bietet diese Ausstellung einen Einblick in die Arbeits– und Studienprozesse einer Fachklasse der Hochschule und gleichzeitig einen Ausblick auf die jüngsten Tendenzen der Gegenwartskunst. Zwischen der Universität Leipzig und der Hochschule für Bildende Künste Dresden besteht auf dem Gebiet der Kon­servierung und Restaurierung von Kunst– und Kulturgut eine enge Zusam­menarbeit, die durch den bevorstehenden Abschluss eines Kooperationsver­trages noch ausgebaut werden soll.

Foto: Kustodie

Ausstellung vom 17. Juni bis 31. Juli 2005 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Aus Anlaß seines 75. Geburtstags ehrt die Kustodie den Leipziger Künstler Arnd Schultheiss mit einer Ausstellung. Unter dem Titel „Resümee“ zeigt sie Arbeiten auf Papier in verschiedenen Techniken, darunter Zeichnungen, Radierungen und Papier–Collagen, teils mit anderen Materialien bereichert. Entfaltet werden dabei nicht allein sieben Jahrzehnte reichen Schaffens, sondern zugleich eine große Vielfalt künstlerischer Ansätze: von Handzeichnungen, wie der frühen Bleistiftstudie eines „Totenkopfes“ aus dem Jahre 1946, und Radierungen über Papiercollagen, darunter der umfängliche Zyklus „Begegnung mit Apoll“ von 1966–69, bis hin zu den mit Knöpfen, Kleiderbügeln und anderen Materialien versehenen Papier-Collagen der Folge „Jokoses Theatrum“ (1996–1999) spannt sich der Bogen. Die jüngsten Arbeiten aus dem Jahr 2004 sind Reiseskizzen und Studien nach alten Meistern. Die Mehrzahl der ausgestellten Arbeiten stammt aus dem Besitz des Künstlers, ergänzt durch Bestände der Kunstsammlungen der Universität Leipzig.

Arnd Schultheiss ist gebürtiger Leipziger und stark durch diese Stadt und ihre künstlerischen Traditionen geprägt: im Jahre 1930 geboren, nahm er nach einer bereits musisch geprägten Schulbildung ein Kunststudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst auf. Im Anschluß an das Grundstudium bei Elisabeth Voigt wurde er Meisterschüler bei Max Schwimmer. Seit 1951 ist er in Leipzig als freischaffender Maler, Grafiker und Publizist tätig, dem immer wieder öffentliche Aufträge und Ankäufe öffentlicher Sammlungen, Ehrungen (u. a. Kunstpreis der Stadt Leipzig, 1985) und Ämter (u. a. Kultursenator des Freistaats Sachsen, 1993) zuteil wurden.

Ausgangsbasis des künstlerischen Schaffens von Arnd Schultheiss war von Anfang an die Zeichnung nach der Natur, wobei die hier gewonnenen Erkenntnisse vielfach in einem zweiten Schritt ins Abstrakte gewendet wurden. Im Zentrum seines Interesses steht die menschliche Figur, sowohl als Körper als auch als Portrait. In dieser Hinsicht steht Schultheiss ganz in einer Leipziger Tradition, die vor allem eine figürliche ist. Immer wieder gehen seine Erkundungen in Richtung radikaler Reduktion, auf die einfache Umrißlinie, wie bei bestimmten Arbeiten von Rodin und Picasso, oder auf die abstrakt konturierte Fläche, wie bei den Gouaches decoupées von Matisse, wie dort verknüpft mit einer lebhaften Farbigkeit. Mit der Schere aus farbigen Papieren geschnittene Figuren finden sich insbesondere in dem Zyklus „Begegnung mit Apoll“, in dem auch der Ikarus-Mythos und die Ermordung Marats thematisiert sind. Zu den Höhepunkten seines zeichnerischen Werkes gehören die Radierungsfolgen „Studien aus dem Konzertsaal“ I u. II aus den 1980er Jahren, die aufgrund einer großzügigen Schenkung des Künstlers auch in der Kunstsammlung der Universität vertreten sind. Besonders originell und heiter ist der Zyklus „Jokoses Theatrum“: in Form von Papier–Collagen angelegte, technoid anmutende Figuren sind mit allerlei Fundstücken ausformuliert, die von Knöpfen und Apfelsinennetzen über Gürtelschnallen bis hin zu Drahtkleiderbügeln reichen. Kennzeichnend für diesen – farblich eher dunkel gehaltenen – Zyklus ist ferner die häufige Verwendung von Lochstreifen aus der frühen Computerdrucktechnik.

Die hier angerissenen Werkkomplexe ergeben eine facettenreiche Ausstellung, die von großem technischen Können, von der eigenständigen Erkundung verschiedenster künstlerischer Pfade abseits der gängigen Strömungen kündet.

Plakat zur Ausstellung "Arnd Schultheiss", 2005, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 3. Juni bis 30. Juni 2005 in der Galerie im Hörsaalbau

Gegenwart – ein scheinbar banaler Begriff, der die Ausstellung und gleichzeitig das gesamte Projekt jedoch auf den Punkt bringt.

Vor der aufwändigen Umgestaltung des Universitätscampus am Augustusplatz galt es, genau hinzuschauen und die Gegenwart festzuhalten. Die Fotografien der Ausstellung „campus blues“ und der begleitende Katalog sind Ergebnis eines Fotowettbewerbes, der vom StudentInnenRat der Universität Leipzig im Wintersemester 2004/2005 ausgelobt wurde und dessen Ergebnisse nun in Zusammenarbeit mit der Kustodie in der Galerie im Hörsaalbau ausgestellt werden. Das Ziel des Fotowettbewerbs war es, ein möglichst breit gefächertes Zeitdokument zu erhalten und damit einen Beitrag zu einer kontinuierlichen und aktiven Erinnerungskultur zu leisten. Die subjektive Sicht der NutzerInnen verspricht einen besonderen Blick auf das Ensemble, hält neue Perspektiven und Details bereit. Die Ausstellung zeigt mehr als 150 Fotografien von insgesamt 27 KünstlerInnen, die Bandbreite reicht vom Paternoster im Hauptgebäude bis zur Mensaküche. Es sind Ein– und Ansichten, die bald schon Vergangenheit darstellen oder es sogar schon sind.

Die Wurzeln des Projektes liegen in den Diskussionen um den Um- und Neubau des Campusgeländes am Augustusplatz. Mit der Entscheidung für den Entwurf des niederländischen Architekturbüros van Egeraat im März 2004 wurden die Weichen für den Neubau gestellt: Das zwischen 1968 und 1976 errichtete Areal mit Universitätshauptgebäude, Hörsaalgebäude und dem „Uniriesen“, der zu einem Markenzeichen Leipzigs avancierte, würde bald der Vergangenheit angehören. Der Neubau der Mensa an der Moritzbastei und die Baugruben entlang der Universitätsstraße weisen alle Universitätsangehörigen täglich darauf hin – der Umbau hat begonnen. Das Gesicht der Universität, wie es Generationen von Studierende seit den 70er Jahren bekannt ist, wandelt sich. Obwohl die Gebäude den heutigen Anforderungen an den Lehr- und Forschungsbetrieb nicht mehr entsprechen und ihre Erscheinung im Stadtbild umstritten ist, sind sie ein wichtiger Teil der Leipziger Architekturgeschichte. In der Fotografie wird – trotz des zum Teil problematischen Zustandes der Gebäude – die ästhetische Qualität der Architektur sichtbar. Im Fotowettbewerb war der künstlerische Blick auf den Campus gefordert, im Gegensatz zu einer von der Universitätsverwaltung durchgeführten rein dokumentarischen fotografischen Bestandsaufnahme. Der ganz eigene, subjektive Blickwinkel der Studierenden, Lehrenden und MitarbeiterInnen auf ihren Campus sollte durch die Aufgabenstellung provoziert werden.

Der Fotowettbewerb

Bis zum 24. April 2005 waren Studierende und Interessierte unter dem Motto „Totgeschlagen – Abgerissen. Leben vor und mit dem Umbau“ dazu aufgefordert, sich fotografisch mit dem Campus als Architektur–Objekt und als Lebens–Ort auseinander zu setzen. Es konnten bis zu drei Arbeiten, bestehend aus Einzelbildern bis zu einer Größe von maximal 30 x 40 cm oder aus einer Serie von bis zu sechs Bildern bis 20 x 30 cm, eingereicht werden. 26 Studierende und eine Mitarbeiterin der Universität haben sich am Wettbewerb beteiligt und sind mit jeweils einer Arbeit im Ausstellungskatalog vertreten.
Die Jury, die sich aus Diana Schmidt (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des StuRa), Angela Hölzel (Studentenwerk Leipzig, Arbeitsgebiet Kultur, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit), Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen (Leiter der Kustodie der Universität Leipzig) und Michael Berninger (culturtraeger) zusammensetzte, nahm unter den Einsendungen der Studierenden eine Reihung vor: Die Siegerarbeit von Louis Volkmann (Student an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) wird in die Studiensammlung der Universität aufgenommen. Eine Fotografie der Siegerarbeit und Arbeiten von Britta Kirst, Christian Meinecke, Martin Kiebeler, Philipp Märkl und Holger Mann werden als Citycards–Edition bei culturtraeger erscheinen.

Die Ergebnisse

Eine Bestandsaufnahme: Der Einblick in den Campus, den die ausgestellten Fotografien ermöglichen, geht weit über die bloße Fassadendarstellung hinaus. Die Arbeiten protokollieren die Melancholie eines gebrauchten und vielleicht verbrauchten Baus mit teils ästhetischen, teils morbiden Details. Insofern hat sich ein Teil unserer Hoffnungen erfüllt. Eine Dokumentation des studentischen Lebens und Alltags findet jedoch nicht statt: Die Fotografien sind zumeist menschenleer.

Befreiung oder Auslassung? Diese Bewertung möchten wir an dieser Stelle nicht vornehmen – wörtlich genommen ist der Campus ja auch ein „freies Feld“.

Plakat zur Ausstellung "Campus Blues"(Fotowettbewerb), 2005, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 14. April bis 25. Mai 2005 in der Galerie im Hörsaalbau

Mit der Sprengung der Universitätskirche und des Augusteums im Frühjahr 1968 wurden die geistig-geistliche Mitte der Universität Leipzig sowie wesentliche Teile ihrer historischen Identität zerschlagen. Den aus diesen Gebäuden geretteten Kunstwerken – Gemälden, Plastiken sowie großformatigen Epitaphien – kommt heute eine herausragende Bedeutung zu, da nur noch in ihnen ein Teil dieser Geschichte der Universität für den Besucher unserer Tage anschaulich wird. Innerhalb des Gesamtkomplexes der geretteten Kunstschätze nehmen die Objekte aus der Universitätskirche eine besondere Stellung ein: Insbesondere die Grabmonumente aus drei Jahrhunderten sind ein materielles Sediment der Universitätsgeschichte, das für nachfolgende Generationen Glaubenszeugnis, Erinnerung und Selbstvergewisserung verkörperte. Sie bilden ein sozial– und kunsthistorisch einzigartiges Ensemble. Während die mit dem mittelalterlichen Dominikaner–Kloster verknüpften Kunstwerke meistenteils restauriert sind und in der Studiensammlung besichtigt werden können, stellen die – für die Universitätsgeschichte im engeren Sinne relevanteren – neuzeitlichen Epitaphien für die Kustodie eine Hauptaufgabe der kommenden Jahre dar, kunsthistorisch und restauratorisch.

Bisherige Ergebnisse

Hinter den Kulissen sind hier in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt worden. Fragmentiert und lange Jahre provisorisch gelagert, konnten die Werke im Frühjahr 2004 in ein universitätseigenes Kunstdepot überführt werden. War schon seit dem Sommer 2002 eine erneute Erfassung sämtlicher Fragmente in Angriff genommen worden, so traten die Arbeiten nun in eine neue Phase: Die sorgsam sortierten und im neuen Depot auf dem Boden ausgelegten Teilstücke lassen das jeweilige Epitaph schon jetzt vor dem geistigen Auge wiedererstehen. Dies stellte zugleich eine wichtige Voraussetzung für künftige Restaurierungen dar, die nun zunehmend in Angriff genommen werden.

Die Ausstellung

In der Ausstellung werden sieben Einzelprojekte der Stein–, Holz– und Gemälderestaurierung vorgestellt. Zu sehen sind einzelne Skulpturen, Figurengruppen und Gemälde sowie andere originale Teilstücke in unterschiedlichen Stadien der Reinigung, Wiederherstellung und kunsthistorischen Erschließung. Text– und Bildfahnen liefern erläuternde Information, historische und biographische Fakten und skizzieren die Restaurierungsproblematik. Eine Abbildung des Gesamtepitaphs in seiner ursprünglichen Form macht den Originalzustand deutlich. Angaben zur Biographie des Erinnerten und zur künstlerischen Form des Monuments erläutern den Hintergrund seiner Entstehung und liefern Ansätze zur Deutung. Hinweise zur materiellen Beschaffenheit des Epitaphs, zum Projekt sowie zu bereits ausgeführten oder geplanten Maßnahmen führen in die Restaurierungsproblematik ein.

Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist in der Ausstellung das Epitaph des Juristen Heinrich Heideck (1570–1603) aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das hölzerne Monument, bestehend aus drei in Weiß und Gold gefassten ovalen Reliefmedaillons mit reich verziertem Rahmen, ist ein herausragendes Stück frühbarocker Schnitzkunst. Es überrascht nicht nur durch seine ungewöhnliche Form, sondern auch durch seine besondere Kunstfertigkeit, die über die Grenzen Sachsens hinaus zu weisen scheint: In der Ovalform der Medaillons, dem großen Schwung der Voluten als auch in der Lebendigkeit der Festons und der Figuren scheint es vom Florentiner Manierismus inspiriert. Die kunstvoll geschnitzten Szenen zeigen das Jüngste Gericht, die Erweckung der Tochter des Jaires sowie die Vision des Ezechiel. Durch die jahrelange Lagerung im Depot war das Kunstwerk Feuchtigkeit und Schädlingen ausgesetzt und hat starke Beschädigungen davon getragen. Während mit dem rechten Medaillon (Abb. 2 und 3 vor und nach der Restaurierung) bereits ein erstes Ergebnis der Restaurierung präsentiert werden kann, ist der linke Teil noch im unrestaurierten Zustand.

Das barocke Steinepitaph des Georg Tobias Schwendendörffer (1597–1681), Juraprofessor und Rektor an der Leipziger Universität, gehörte zu den größten und aufwendigsten der Universitätskirche St. Pauli (ursprüngliche Höhe ca. 5 Meter). Durch Auslagerung im zweiten Weltkrieg und den Ausbau vor der Sprengung ist es in mehrere Teile zerbrochen, jedoch in seiner Gesamtheit erhalten geblieben. Die Farbigkeit ist feierlich auf zwei Farbtöne reduziert: Die Architektur ist schwarz, während Figurenschmuck und Ornamente weiß gehalten sind. Das repräsentative steinerne Denkmal aus Alabaster ist ganz der christlichen Motivwelt verpflichtet und verbindet den Glauben an die Auferstehung Christi mit der Auferstehungshoffnung für den Verstorbenen. Zugeschrieben wird das Epitaph dem Leipziger Bildhauer Johann Jacob Löbelt; jedoch ist angesichts der Weltläufigkeit der Familie nicht auszuschließen, dass damit italienischen oder flämischen Vorbildern nachgeeifert werden sollte. Im Rahmen einer ersten Restaurierungsphase wurden zwei durch die lange provisorische Lagerung stark verschmutze Rahmenfiguren gereinigt. Der „Posaunenengel“ (Abb. 4) befindet sich derzeit im halbgereinigten Zustand, während ein weiterer Engel (Abb. 5) bereits gesäubert, aber im zerbrochenen Zustand gezeigt wird. In weiteren Arbeitsschritten sollen die einzelnen Fragmente wieder zusammengefügt werden.

Zu den seit der Renaissance beliebten traditionellen Gemäldeepithapien zählt das Gedächtnismal des Leipziger Universitätsprofessors Johannes Hoppe (1616–1654). Die hochrechteckige Bildtafel ist von einer schwarz–gold gehaltenen Architekturrahmung umgeben, die sowohl frühbarocke als auch spätmanieristische Elemente aufweist. Hier wird keine biblische, sondern vielmehr eine emblematisch geprägte Szene gezeigt. In einer parkähnlichen, arkadisch wirkenden Landschaft schwebt ein Putto herab auf ein am Fuße eines Kreuzes liegendes geflügeltes Herz. Dieses ist von Dornenranken umwunden, einer der Flügel ist gebrochen. Das Gemälde steht als Emblem für die heilende Kraft des Kreuzes für die Wunden des Herzens und wirbt für ein seliges Sterben im Vertrauen auf Christus und die Auferstehung. Das Monument konnte vollständig geborgen werden, aus konservatorischen Gründen können in der Ausstellung zunächst aber nur Hauptgeschoss mit Gemälde und Sockel gezeigt werden. Die Bildtafel ist durch alte Fraßstellen vom Holzwurm beeinträchtigt und zeigt einige Ausbrüche und Einlaufrisse, die Malschicht selbst befindet sich jedoch in einem relativ guten Zustand. Eine gründliche Reinigung steht noch bevor.

Die Ausstellung schildert die verschiedenen Stationen der Kunstwerke im Laufe ihrer Geschichte: die Anbringung der Werke in der Kirche, ihre Auslagerung im zweiten Weltkrieg, den Ausbau im Vorfeld der Kirchensprengung 1968 sowie ihr weiteres Schicksal bis heute. Sie ist die erste einer Ausstellungsreihe mit dem Titel „Restauro“, die den Restaurierungsprozess begleiten und der Öffentlichkeit einen Einblick in derzeit laufende und geplante Restaurierungsprojekte geben sowie die Ergebnisse dem interessierten Publikum zugänglich machen soll.

Ausstellungsdokumentation: "Restauro I", 2005, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 23. Februar bis 9. April 2005 im Ausstellungszentrum im Kroch–Haus

Die Architektur– und Kunstfotografie von Ursula Edelmann wurde vielfach in Kunstbänden, Zeitschriften, Zeitungen, auf Plakaten und Postkarten veröffentlicht. Mit handwerklicher Perfektion und präzisem Blick erfasst sie ihren Gegenstand, vor allem Architektur und Werke der bildenden Kunst in Frankfurter Museen. Die Ausstellung zeigt – mit einer Großbildkamera aufgenommene – Schwarzweiß–Arbeiten aus fünf Jahrzehnten, dazu einige Farbaufnahmen aus jüngerer Zeit.

Zur Lebens– und Schaffensgeschichte der Fotografin

Als die junge Fotografin 1949 aus Berlin nach Frankfurt am Main kam, um dort eine Stelle in einem Fotostudio anzutreten, war sie verblüfft, dass man alles zu Fuß erreichen konnte. Die Stadtentwicklung ihrer „kleinen Großstadt“ Frankfurt am Main, die ihr zur Wahlheimat wurde, begleitete Ursula Edelmann als freie Fotografin von 1950 bis heute: Sie zeigt Frankfurt als kriegszerstörte Stadt, in der Phase des Wiederaufbaus und während des Umbaus zur modernen Wirtschaftsmetropole.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Ursula Edelmann eine Lehre bei dem Potsdamer Fotografen Max Baur absolviert, der heute als einer der bedeutendsten Vertreter der photographischen Moderne gilt. Der „Meister der Lichtführung“ war sowohl der Bauhaustradition als auch avantgardistischen Strömungen der 20er und 30er Jahre verpflichtet, und von ihm lernte sie eine sachliche, klare Bildsprache und den perfekten Einsatz von Licht. Die Architekturfotografie war der Bereich, für den sie durch ihre Ausbildung besonders geschult war und der zugleich ihrem persönlichen Interesse entsprach. Sie dokumentierte Ruinen und Trümmerlandschaften, die der Krieg in Frankfurt hinterlassen hatte, die noch intakte historische Bausubstanz sowie die Neubauprojekte der Aufbauphase.

Die Frankfurter Altstadt mit ihren kleinen Gassen war 1944 vollständig verbrannt. Auch die Fassaden und Innenräume des als „Römer“ bezeichneten Ensembles wurden weitgehend vernichtet. Im Rahmen der Darstellung des Wiederaufbaus dieses bekannten Frankfurter Rathauses entstand ihr wohl bekanntestes Fotomotiv, die spiralförmig geschwungene Treppe vor den Sitzungsräumen des Senats (siehe Abb. oben, Treppe im Frankfurter „Römer“, Aufnahme 1962).

Eine ganze Foto–Serie widmete sie den Ruinen der mittelalterlichen Klosteranlage (Dominikaner– und Karmeliterkloster) und ihrer mühsamen Rekonstruktion ab 1955. Der Frankfurter Dom hatte den Krieg unbeschadet überstanden (vgl. die Fotografie „Römerberg mit Gerechtigkeitsbrunnen, „Dom“, ehemalige Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus, 1949), während andere Gotteshäuser bis auf die Grundmauern zerstört worden waren. Gezeigt wird die Wiederherstellung der Heilig–Geist–Kirche, ehemalige Dominikanerkirche, Innenraum nach Wiederaufbau, (1962), der Katharinenkirche an der Hauptwache, nach Wiederaufbau (1956) oder der Aufbau der Nikolaikirche Alte Nikolaikirche am Römerberg, nach Wiederaufbau (1956).

In der Epoche des Wirtschaftswunders und in den 60er Jahren setzte eine rege Bautätigkeit ein. Viele Gebäude, die damals entstanden, wurden inzwischen längst wieder abgerissen, wie z.B. Zürich–Haus (1960–62) oder das Haus der Alliber GmbH (1968). Als Folge eines groß angelegten Wohnungsbauprogramms entstanden im Frankfurt der Nachkriegszeit zahlreiche neue Siedlungen, für die auch entsprechende Schulneubauten errichtet werden mussten. Bildbeispiele von Ursula Edelmann hierfür sind z.B. die Schule in Bonames, jetzt: Albert–Jaspert–Schule, Treppenhaus (1956) und die Kuhwald–, jetzt: Georg–Büchner–Schule, Treppenhaus, (1956). Eines ihrer berühmtesten Bilder von zeitloser Gültigkeit, das wohl jedem Betrachter eigene Erfahrungen mit dem Schulsport in Erinnerung ruft, ist die Doppelturnhalle der Kuhwald– jetzt Georg–Büchner–Schule (1956).

Neben der Architekturfotografie widmete sich Ursula Edelmann seit den sechziger Jahren der Dokumentation von Werken der bildenden Kunst für Frankfurter Museen: Im Auftrag des Städelschen Kunstinstituts, des Liebieghauses und Goethehauses fotografierte sie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen. Mit großem Einfühlungsvermögen für die Kunstwerke erreicht sie eine perfekte, werkgetreue Wiedergabe (siehe Abb. oben Johann Heinrich Danneckers: Ariadne auf dem Panther, Aufnahme 1983). Zu ihrer Arbeit mit Kunst erläutert sie: „Oft geht es darum, winzige Details herauszuarbeiten (...) sozusagen das Unsichtbare sichtbar zu machen.“ Und über ihre Haltung zur Fotografie im allgemeinen ergänzt sie: „Ich habe mich immer auf den Bildgegenstand eingelassen (...) ich habe immer eine Beziehung zu dem, was ich fotografierte, hergestellt. Das ist mir ganz wichtig. Irgendwas zu sehen, was mich an der Sache reizt.“

Mittlerweile kann Ursula Edelmann auf ein fünfzigjähriges fotografisches Oeuvre zurückblicken. Ihre Fotografien sind wichtige Zeitdokumente aus der Epoche des Wiederaufbaus der Wirtschaftsmetropole Frankfurt am Main, deren Umbau weiterhin andauert, wie ihre neuesten Bilder, z.B. „Messeturm“ des Architekten Helmut Jahn (Aufnahme 2001), zeigen. Doch ihre zunächst sachlich erscheinende Fotografie geht durch die Interpretation des Objekts und den meisterhaften Einsatz von Licht weit über das Dokumentarische hinaus. Und selbst ihre jüngsten Aufnahmen atmen die Stille einer Zeit, die noch keine digitalen Bilder kannte.

Plakat zur Fotografie-Ausstellung Ursula Edelmanns, 2005, Foto: Kustodie

Ausstellungen der Jahre 2002 bis 2005

Ausstellung vom 26. November 2004 bis 29. Januar 2005 in der Galerie im Hörsaalbau

Bei dem Sächsischen Druckgrafik–Symposion in den Werkstätten für künstlerische Druckgrafik Jeanette und Reinhard Rössler in Hohenossig nahmen teil:

Markus Bläser (Leipzig), Pablo Flaiszman (Toulose / Buenos Aires), Brigitte GmachreichJünemann (Kranenburg), Therese Schulte (Leipzig), Vroni Schwegler (Frankfurt/Main)

Der Rahmen des Sächsischen Druckgrafik–Symposions ist auch im 14. Jahr seines Bestehens im wesentlichen derselbe geblieben: wieder wählte eine unabhängige Jury fünf Künstler aus, die zu einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Hohenossig eingeladen wurden. Zusätzlich zur künstlerischen Qualifikation wird bei der Auswahl stets auf Internationalität Wert gelegt, denn die Verständigung zwischen „Ost“ und „West“ gehört zu den erklärten Zielen des Symposions. Neben den unveränderten Rahmenbedingungen gab es in diesem Jahr im Künstlerhaus Hohenossig einige Neuerungen: Die ohnehin sehr guten Arbeitsmöglichkeiten konnten durch zusätzliche Räumlichkeiten, einen neuen Ätzraum, eine weitere Radierpresse und eine jüngst erworbene große Presse zum Drucken von Großformaten noch verbessert werden.

Eingeladen wurden Markus Bläser aus Leipzig, Pablo Flaiszman aus Toulouse, Brigitte Gmachreich–Jünemann aus Kranenburg (Niederrhein), Therese Schulte aus Leipzig sowie Vroni Schwegler aus Frankfurt am Main. Während ihres Aufenthalts wurden die Künstler von den drei „Symposionsdruckern“, Reinhard und Jeanette Rössler sowie Thomas Sebening aus München, betreut. Das Symposion soll die Künstler ermutigen, formal und technisch neue Wege zu beschreiten. Darüber hinaus will das Symposion für Künstler und Publikum gleichermaßen die differenzierte Ästhetik der traditionellen Radiertechnik im Gespräch halten.

Plakat zum 13. Druckgrafik Symposion, 2004, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 8. Oktober bis 18. Dezember 2004 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Eine Ausstellung der Kustodie der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik

Anlässlich des 200. Todestages von Christian Felix Weiße (1726–1804) präsentiert die Kustodie der Universität Leipzig zusammen mit dem Institut für Germanistik eine Ausstellung, die das Schaffen des seinerzeit überaus populären Autors beleuchten soll. Weiße, der an der Universität studiert hatte, war eine zentrale Gestalt des literarischen und gesellschaftlichen Lebens im Leipzig des späten 18. Jahrhunderts. In der Geschichte der Aufklärung kommt ihm eine weitreichende Bedeutung zu: Seine Komödien und Tragödien gehörten zu den meistgespielten Stücken auf deutschen Bühnen, seine Libretti dienten als Basis für populäre Singspiele; er war Herausgeber eines Literatur– und Kunstjournals und seine Zeitschrift „Der Kinderfreund“ wies der deutschen Kinder– und Jugendliteratur neue Wege.

Weiße und die Leipziger Universität

Geboren 1726 im erzgebirgischen Annaberg ging Weiße 1745 nach Leipzig, um Philologie und Theologie zu studieren und sich für ein Schulamt zu qualifizieren. Die Universität habe er in „sehr dürftigen Umständen“ bezogen, schreibt er, jedoch halfen einige Familienstipendien und kostfreie Logis bei einem Schulfreund, die größte Not zu lindern. Weißes wichtigste Lehrer waren J. A. Ernesti, Pionier der philologisch–historischen Bibelforschung, sowie J. F. Christ, der in seine Vorlesungen zur Dichtkunst als erster deutscher Universitätslehrer die bildlichen Zeugnisse der Antike mit einbezog. Bei J. C. Gottsched nahm er an Redeübungen teil. Als Weiße 1750 eine Stelle als Hofmeister des jungen Grafen Johann Heinrich von Geyersberg antrat, bedeutete das de facto eine zehnjährige Verlängerung seiner Studien, da er zusammen mit seinem Zögling die Collegia besuchte, um dann den Unterrichtsstoff mit ihm zu repetieren. Der Universität Leipzig blieb Weiße zeitlebens verbunden, u. a. durch die Familie seiner Frau Christiana, geb. Platner, seinen Sohn Christian Ernst und seinen Enkel Christian Hermann, die beide Professoren wurden.

Der Dramenautor

In Leipzig lernte Weiße die damals modernste Form des Theaters kennen: das regelhafte und texttreu aufgeführte Theater, das Gottsched etabliert und mit einer dezidiert moraldidaktischen Funktion versehen hatte. Dieser Form des Schauspiels, modifiziert durch eine Wirkungsästhetik der Empfindsamkeit, blieb Weiße zeitlebens verpflichtet, für die junge Autorengeneration der „Stürmer und Dränger“ hatte er dagegen wenig Verständnis.
Weiße war seinerzeit einer der meistgespielten Dramatiker auf deutschen Bühnen. In seiner Studienzeit hatte er mit dem befreundeten Lessing französische Theaterstücke ins Deutsche übertragen, dann aber eigene Bühnenwerke zu schreiben begonnen. Größeres Aufsehen erregte die Komödie „Die Poeten nach der Mode“ (1756), die den Streit zwischen Gottsched und dessen Schweizer Kontrahenten Bodmer und Breitinger über die Rolle der Phantasie in der Dichtkunst persiflierte. In den 1760er Jahren entstanden mehr als zwei Dutzend Dramen, die Weiße in den ruhigeren Morgen- und Nachmittagsstunden in seiner Steuereinnehmerstube verfasste. Nachdem auf das sehr erfolgreiche Stück „Romeo und Julie“ des Jahres 1767 eine längere Schaffenspause gefolgt war, wurde 1780 als letztes Trauerspiel „Der Fanatismus oder Jean Calas“ publiziert. Die traditionelle Literaturgeschichtsschreibung, die ein lineares Progressionsmodell zugrundelegte, hat Autoren wie Weiße lange Zeit marginalisiert.

Der Singspiellibrettist

Leipzig spielt in der Geschichte der deutschen (komischen) Oper u. a. deshalb eine wichtige Rolle, weil die Singspiele, die aus der Zusammenarbeit Weißes mit Johann Adam Hiller hervorgingen, außerordentliche Beliebtheit erlangten. Angeregt durch den Theaterprinzipal Koch bearbeitete Weiße 1752 eine englische Textvorlage, die – vertont vom Geiger der Kochschen Truppe – unter dem Titel „Der Teufel ist los oder die verwandelten Weiber“ mit Erfolg auf die Bühne gebracht wurde. Nach dem Siebenjährigen Krieg knüpfte Koch an diese Anfänge an und beauftragte Hiller, dem von Weiße überarbeiteten Libretto neue Lieder hinzuzufügen. In der Folge komponierte Hiller ein Dutzend Singspiele, und Weiße, der ein gutes Gespür für bühnenwirksame Handlungen und musikalische Belange besaß, wurde sein wichtigster Librettist. Zu den populärsten Werken zählten „Die Jagd“, „Lottchen am Hofe“ sowie „Die Liebe auf dem Lande“. Angesichts der Eingängigkeit der Hillerschen Kompositionen erlangten manche Lieder eine geradezu volksliedhafte Bekanntheit und wurden nicht nur bei den Aufführungen mitgesungen. Auch Goethe erinnerte sich später gern an Leipziger Theaterabende.

Der Kinderschriftsteller

Die Kinder– und Jugendschriften Weißes bilden den wirkungsgeschichtlich wichtigsten Teil seines schriftstellerischen Werkes. Vor dem Hintergrund eines glücklichen Familienlebens und seiner Rolle als „zärtlicher“ Ehemann und Vater begann Weiße zunächst mit dem Dichten von Kinderliedern, die – vertont von Johann Adolf Scheibe und später auch von Hiller – den Beginn des Kinderliedes als spezifische Gattung markieren. Es folgte 1772 das „Neue A, B, C, Buch“, das als wegweisend kindgerecht galt und bis ins 19. Jahrhundert hinein zahlreiche Neuauflagen erlebte. Geradezu ein „Bestseller“ wurde Weißes Zeitschrift „Der Kinderfreund“, erschienen zwischen 1776 und 1782, später fortgesetzt unter dem Titel „Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes“. Mittels Geschichten um eine fiktive Familie propagierte Weiße ein Modell der vernünftigen und verständnisvollen Erziehung, die Kinder als Gesprächspartner ernst nahm. Neben der moralischen Bildung spielte der Naturkundeunterricht eine herausragende Rolle. Schauspiele für Kinder, Lieder und Rätsel dienten der Unterhaltung und der ästhetischen Erziehung. Weiße gilt daher als einer der Gründerväter der deutschen Kinder– und Jugendliteratur.

Der Herausgeber

Leipzig als Zentrum des Buchhandels war maßgeblich an der Entstehung einer breiten literarischen und publizistischen Öffentlichkeit zur Zeit der Aufklärung beteiligt. So wurde auch Weiße auf dem Gebiet der Literatur– und Kunstjournale tätig, wo er sich mit Geschick behauptete. Im Jahre 1759 übernahm er die Redaktion der „Bibliothek der Schönen Wissenschaften und der freyen Künste“, die ab 1765 mit dem Zusatz „Neue“ Bibliothek erschien und sich durch eine europäische Perspektive und die Fokussierung auf die bildenden Künste auszeichnete. Zu den prominentesten Beiträgern gehörte Johann Joachim Winckelmann, Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. Als Redakteur korrespondierte Weiße mit zahlreichen führenden Persönlichkeiten seiner Zeit.

Der Steuereinnehmer

Mitte dreißig und auf der Suche nach einer Lebensstellung hatte Weiße das Amt des Kreis–Quatembersteuer–Einnehmers übernommen – nach einigem Zögern, denn vom Finanzwesen verstand er nichts. Die Quatembersteuer war eine Grundstücks– und Gewerbeabgabe an den Kurfürsten. Weißes Zuständigkeit erstreckte sich auf den Leipziger Kreis, der ein reichliches Dutzend Ämter umfasste; bald wurden ihm auch die städtische Weininspektion und Tranksteuereinnahme, die Kreisinvalidenkasse sowie die Einnahme des Mahlgroschens übertragen. In Briefen klagt Weiße über die Schwierigkeit, Brotberuf und Schriftstellerei in Einklang zu bringen: Er sei in seiner „Zollbude angeheftet“, sollten die Musen dort nicht „scheu“ werden?

Urbanität und Landleben

Das Jahrhundert der Aufklärung war eine gesellige Zeit. Auch in Leipzig vernetzten zahlreiche Sozietäten die Bildungs–, Verwaltungs– und Wirtschaftselite der Stadt. Weiße, der sich selbst als „gesellschaftliches Thier“ beschrieb, war darin fest eingebunden als Gründungsmitglied der angesehenen „Harmonie“, Mitglied der „Deutschen Gesellschaft“, der „Journalistischen Gesellschaft“ sowie der „Montagsgesellschaft“. Zum Freundeskreis Weißes gehörten Adam Friedrich Oeser, Johann Adam Hiller, die beiden Theologen Georg Joachim Zollikofer und Johann Georg Rosenmüller sowie der kunstsinnige Bürgermeister Karl Wilhelm Müller. Im Jahre 1790 erfüllte sich der lang gehegte Wunsch Weißes nach finanzieller Unabhängigkeit: das ererbte Stötteritzer Rittergut bedeutete Wohlstand durch Verpachtung der zugehörigen Felder und diente als angenehmer Sommeraufenthalt. Auf dem Sommersitz waren zahlreiche prominente Zeitgenossen zu Gast, darunter Jean Paul, Wieland, Ramler und Gleim.

Die Ausstellung

Die Schau zu Christian Felix Weiße beleuchtet eine überaus facettenreiche Persönlichkeit. Autografen, Archivalien und Bücher vermitteln einen Eindruck seines Schaffens in den Bereichen Literatur, Theater und Musik. Eine Videopräsentation stellt Proben von Weißes Texten und vertonten Gedichten vor. Zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Grafiken sowie kleinplastische Werke zeichnen ein lebendiges Bild von Weiße und seiner Zeit, dem gesellschaftlichen Leben und der Stadt Leipzig im Zeitalter der Aufklärung. Besonderer Dank gebührt dem Stadtgeschichtlichen Museum der Stadt Leipzig für seine großzügigen Leihgaben.

 

  • Begleitprogramm:
  • Sonnabend, 16. Oktober 2004, 10.30 Uhr

Weiße und Zeitgenossen – Führung über den Alten Johannisfriedhof mit Katrin Löffler

Treffpunkt: Täubchenweg, Pförtchen gegenüber der Bauer–Brauerei; Teilnahmebeitrag: 1,50 Euro

  • Donnerstag, 28. Oktober 2004, 19.30 Uhr

Musikalisch–literarische Weiße-Soiree

Thomasius–Consort unter Leitung von Anselm Hartinger

Ort: Schumann–Haus, Inselstraße 18, Eintritt: 6/4 Euro

  • Mittwoch, 8. Dezember 2004, 19.30 Uhr

Christian Felix Weiße – zentrale Gestalt der Leipziger Spätaufklärung

Dr. Mark Lehmstedt / Dr. Katrin Löffler

Veranstaltung der Leipziger Goethe–Gesellschaft, Interessenten sind herzlich eingeladen.

Ort: Kroch–Haus

  • Sonnabend, 18. Dezember 2004, 11.00 Uhr

Finissage mit Sonderführung durch die Ausstellung

Foto: Kustodie

Ausstellung vom 16. Juni bis 14. August 2004 im Ausstellungszentrum im Kroch–Haus

Manche Künstler beschreiten ganz eigene Wege, abseits der –ismen, der großen Ströme und der Moden. Zu diesen originellen Individualisten gehört Max Weinberg.

Seine Kunst ist bunt, expressiv und schrill. Leuchtendes Pink, Giftgrün oder Hellblau, zumeist gefasst in schwarze Konturen, bestimmen seine Palette. Gemälde wie die „No Angels“ oder die „Liebenden Engel“ entsprechen dem ästhetischen Empfinden einer durch Graffiti und Pop–Musik geprägten Kultur. Seine durch Überzeichnung und Verfremdung gekennzeichnete Kunst wirft aber zugleich soziale und ethische Fragen auf: Sie wendet sich gegen Gewalt, Sexismus sowie Rassismus in unserer Gesellschaft. Sozialkritik übt er in seinem Manager, der um einen 10–Euro–Schein für den Tank seines Mercedes bittet, seine Frauendarstellungen, z. B. die „Models“ oder „Veronika Feldbusch“ greifen die Vermarktung der Frau in den Medien an. Damit werden zugleich die gängigen Vorstellungen von „Männlichkeit“ und von „Weiblichkeit“ attackiert.

Weinbergs im Spannungsfeld zwischen figürlicher Entfremdung und ironisierender Provokation angesiedelte Darstellungen, darunter Menschen mit drei Beinen und fünf Augen oder Frauen mit acht Brüsten, werfen weitreichende Fragen nach der Beziehung zum eigenen Körper, zum Selbstbild der Geschlechter sowie zur Definition des eigenen Selbst auf. Steht die Formensprache der Popkultur nahe, lässt der ebenso humorvolle wie entlarvende Blick auch an das Kunstverständnis des deutschen Expressionismus, etwa eines Otto Dix, denken. Verwandt sind dabei möglicherweise auch die Intentionen: die Anregung nicht nur einer neuen Wahrnehmung der Welt, sondern auch einer gewandelten Selbstreflexion mit dem Ziel eines neuen Selbstbildes. Dies gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben der Kunst überhaupt. Bei Max Weinberg geschieht dies auf zugleich humorvolle und überaus amüsante Weise.

Ausstellungsdokumentation: "Megafett", 2004, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Ausstellung vom 13. Mai bis 31. Juli 2004 in der Galerie im Hörsaalbau

Leben und Werk des Philosophen Ernst Bloch (1885–1977) entfacht noch Jahrzehnte nach seinem Tod hitzige Debatten. Kündet seine Biographie einerseits von den Verwerfungen deutscher Geschichte im Spannungsfeld totalitärer Ideologien, verdeutlicht sie andererseits das Ringen eines marxistischen Denkers um seine Integrität. Immer wieder zwingen politische Überzeugungen Bloch zum Ortswechsel: freiwilliges Exil in der Schweiz während des Ersten Weltkriegs, Judenverfolgung unter den Nazis mit erneuter Emigration, dabei Exil in der Schweiz, Österreich und zuletzt den USA. Im Jahre 1949 remigrierte er nach Ostdeutschland im Zuge einer Berufung als Philosophieprofessor nach Leipzig, verblieb im Zusammenhang des Mauerbaus im August 1961 dann aber in der BRD.
In diesem Kontext sind Blochs Leipziger Jahre deshalb besonders signifikant, weil sie den Konflikt zwischen marxistischer Theorie und Praxis zeigen, der das 20. Jahrhundert prägt: Nachdem sich Bloch anfangs offenbar als Vordenker eines utopisch orientierten Marxismus in der DDR gesehen hatte, traten ab 1956 zusehends Divergenzen mit der offiziellen Parteilinie der SED zu Tage. Diese warf Bloch ihrerseits »Revisionismus« vor, betrieb seine Emeritierung und drangsalierte zahlreiche seiner Schüler, die zum Teil ins Gefängnis kamen. Nachdem Bloch – bespitzelt von der Stasi und weitgehend isoliert – noch einige Jahre weitergearbeitet hatte, zerstörte der Mauerbau 1961 die letzten Illusionen hinsichtlich der weiteren Entwicklung: Bloch beschloss, in der Bundesrepublik zu bleiben. Nach der Wiederaufnahme seiner Lehrtätigkeit in Tübingen entfaltete Blochs Hauptthema »Hoffnung« eine weitreichende Wirkung insbesondere unter der Studentenschaft, nicht zuletzt der Studentenbewegung 1968.


Berufung nach Leipzig

Als Bloch 1948 im amerikanischen Exil eine Professur in Leipzig angeboten wurde, bedeutete dies eine wichtige Wende in seinem Leben: Eine solche Stelle eröffnete erstmals eine solide Basis für ein stärker öffentlichkeitsorientiertes Wirken. Geboren im Jahre 1885 in Ludwigshafen, war er nach Studien der Philosophie, Physik und Musik in München und Heidelberg vor allem als Publizist und Privatlehrer tätig gewesen. Nach den Exiljahren in der Schweiz 1917 bis 1919 erschien mit Geist der Utopie ein erstes Buch, das allerdings keine Breitenwirkung entfaltete. Das Exil in den USA ab 1938 bot zwar Sicherheit und gute Arbeitsmöglichkeiten, verdammte ihn aber weiter zur Wirkungslosigkeit: Als weitgehend isolierter Fremdkörper in der damals noch deutlicher angelsächsisch geprägten Kultur Amerikas schrieb er nach wie vor auf Deutsch. Seine dritte Frau Karola ernährte die Familie durch ihre Arbeit als Architektin. Obschon Bloch 1946 in dem zusammen mit anderen Exilanten in New York gegründeten Aurora–Verlag ein weiteres Buch publizierte, wurde deutlich, dass sein eigentlicher Adressatenkreis in Europa, vor allem in Deutschland lag. Unter den Bedingungen des Exils musste daher auch die Herausgabe des damals verfassten Hauptwerks Prinzip Hoffnung mehr als zweifelhaft erscheinen.

Das Angebot aus Leipzig löste mehrere Probleme auf einmal: Aus der Sicht des marxistischen Denkers Bloch musste der östliche Teil als die bessere Hälfte Nachkriegsdeutschlands erscheinen. Eine hervorgehobene Position an der Universität ermöglichte die lange versagte Öffentlichkeitswirkung in Vorlesung und Publikation. Außerdem hegte er zweifellos die Hoffnung, an der weltanschaulichen Fundamentierung des sich neu konstituierenden – sozialistischen – Gemeinwesens mitzuwirken. Aus der Sicht der Universität Leipzig jedoch war die Berufung Blochs keineswegs ausgemacht: Innerhalb der Fakultät wurde diese sehr kontrovers diskutiert und am Ende abgelehnt. Seine Ernennung verdankte Bloch dem dirigistischen Eingreifen des Ministeriums für Volksbildung, das ihn am 25. Mai 1948 per Dekret als Professor und Direktor des Instituts für Philosophie der Universität Leipzig einsetzte. Ein Jahr später hielt er seine Antrittsvorlesung mit dem Titel »Universität, Marxismus, Philosophie«.


Leipziger Jahre 1949–1961

Die folgenden Jahre waren besonders fruchtbar. Bloch hielt vielbeachtete Vorlesungen und Seminare. Im Aufbau–Verlag erschienen verschiedene Bücher, darunter die ersten beiden Bände des Prinzip Hoffnung. Ab 1953 gab er zusammen mit anderen die »Deutsche Zeitschrift für Philosophie« heraus. Das Jahr 1955 schließlich – Bloch feierte seinen 70. Geburtstag – markierte den äußerlichen Höhepunkt staatlicher Anerkennung in der DDR: Er wurde ordentliches Mitglied der Ostberliner »Deutschen Akademie der Wissenschaften«, erhielt den »Vaterländischen Verdienstorden« in Silber sowie den »Nationalpreis II. Klasse der DDR«. Kurz darauf jedoch traten Blochs Differenzen mit dem SED–Marxismus, u. a. mit Walter Ulbricht selbst, immer deutlicher zu Tage und führten zum Zerwürfnis mit der Partei sowie zu seiner Brandmarkung als »Revisionist«. Am 1. September 1957 wurde Bloch – mit seinem Einverständnis aber wohl gegen seinen Willen – emeritiert. Seine Schüler wurden angehalten, sich von ihm zu distanzieren. Mancher, der sich widersetzte, landete im Gefängnis. Obschon Bloch innerlich offenbar an der DDR festhielt, fühlte er sich in die Enge getrieben, wurde sein Verbleib immer schwieriger. Im Jahr 1959 schloss er einen Vertrag mit dem westdeutschen Suhrkamp-Verlag über eine Gesamtausgabe des Prinzip Hoffnung, deren dritter Band erst darauf hin auch in der DDR erschien. Im folgenden Jahr hielt er Vorträge in Tübingen, Heidelberg und Stuttgart, die in das Angebot einer Gastprofessur in Tübingen mündeten. Als am 13. August 1961 schließlich die Mauer gebaut wurde, beschloss Bloch, der sich damals zu einer Vortragsreise und anschließendem Urlaub in der Bundesrepublik aufhielt, nicht in die DDR zurückzukehren. Ein regimekritisches Schreiben an den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften führte zu Blochs dortigem Ausschluss.


Späte Blüte in Tübingen 1961–1977

Nachdem in Tübingen für Bloch kurzfristig eine Professur für Philosophie eingerichtet worden war, entfaltete er hier – mittlerweile hochbetagt – nochmals eine weitreichende Wirkung. Sein Publikum fand Bloch dabei weniger unter den Fachkollegen als vielmehr unter den Studenten. Der Utopismus seines Denkens inspirierte nicht zuletzt die Studentenbewegung von 1968, wobei ihn mit Rudi Dutschke eine persönliche Freundschaft verband. Die Wertschätzung Blochs umfasste aber auch durchaus offizielle Kreise der Bundesrepublik und brachte ihm zahlreiche Ehrungen ein, neben verschiedenen Ehrendoktorwürden im In- und Ausland u. a. den Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (1962), den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1967), die Ehrenbürgerschaft in seiner Geburtsstadt Ludwigshafen (1970) sowie den Siegmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (1975). Am 4. August 1977 starb Bloch zweiundneunzigjährig in Tübingen.


Bemerkungen zur Ausstellung

Obschon den Leipziger Jahren Blochs 1949 bis 1961 innerhalb seiner Biographie zentrale Bedeutung zukommt, sind sie bislang vergleichsweise wenig untersucht worden. Nie waren sie Gegenstand einer eigenen Ausstellung. Die Erforschung dieser Periode stellt nicht zuletzt deshalb eine besondere Schwierigkeit dar, weil der Großteil von Blochs Nachlass aus der Zeit vor 1961 offenbar von den Organen der SED–Diktatur zerstört wurde. Vom Inventar seiner Leipziger Wohnung in der Wilhelm–Wild–Str. 8 beispielsweise fehlt jede Spur. Eine wichtige, bislang noch nicht hinreichend ausgewertete Quelle bilden dagegen die Stasi-Akten der Jahre 1956 bis 1963. Besondere Unterstützung erfuhr das Projekt vom Ernst–Bloch–Zentrum in Ludwigshafen sowie von Jan Robert Bloch in Berlin. Die hier vorgestellte Ausstellung ist historisch bzw. biographisch orientiert und sucht Blochs Leipziger Jahre anhand von Dokumenten, Fotografien und Zeitzeugenberichten zu beleuchten. Ihr kommt aus den genannten Gründen der Charakter einer Spurensuche zu, die in der Folge hoffentlich weitere Funde und Forschungen zeitigen wird. Diese Arbeit ist um so wichtiger, als die Bloch–Rezeption in der DDR nach seinem Weggang weitgehend abbrach. Blochs Leipziger Jahre sind jedoch auf das Engste mit der Geschichte der DDR verquickt und zeigen, wie anfängliche Hoffnungen auf einen Neuanfang nach dem faschistischen Debakel zusehends enttäuscht und zerschlagen wurden.

 

Ausstellungspublikation bestellbar über den Kustodie-Shop

Die Kustodie veröffentlicht in einem soeben erschienenen Buch und auf einer CD das in der Ausstellung präsentierte Material: alle Texte der Schautafeln, bisher unveröffentlichte Fotos, Zeitzeugen–Interviews sowie die Eröffnungsrede von Jan Robert Bloch und vier vertiefende wissenschaftliche Aufsätze. Das Buch und die CD „Dialoge über Bloch“ sind zu einem Preis von jeweils EUR 8,-- über die Kustodie erhältlich.

Ausstellungsplakat zu "Ernst Bloch", 2004, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 26. Februar bis 18. April 2004 im Ausstellungszentrum im Kroch–Haus

Aus Anlass der Aufstellung einer Plastik Michael Morgners vor dem Neubau des Biotechnologisch–Biomedizinischen Zentrums der Universität Leipzig im November 2003 widmet die Kustodie dem Chemnitzer Künstler eine Ausstellung. Präsentiert werden Arbeiten, die im Zusammenhang mit der Stahlplastik am Deutschen Platz stehen: Entwicklung und künstlerischer Kontext von Morgners Siegerentwurf im Wettbewerb „Kunst am Bau“ werden anhand von Zeichnungen, Gemälden und plastischen Modellen erläutert.


Kunst und Bau: Michael Morgners Bildwerk für die Biocity

Am südöstlichen Ende des Deutschen Platzes, gegenüber der Deutschen Bücherei und in direkter Nachbarschaft des Max–Planck–Institutes für Evolutionäre Anthropologie erhebt sich seit dem Frühjahr 2003 der von den Hamburger Architekten Ingrid Spengler und Manfred Wiescholek entworfene Neubau der „Biocity“. Im Westflügel hat das Biotechnologisch–Biomedizinische Zentrum der Universität Leipzig sein Quartier bezogen, andere Teile des Gebäudekomplexes sollen Büros und Forschungseinrichtungen junger Firmen mit biomedizinischem oder biotechnologischem Profil beherbergen. Im Rahmen des Programms „Kunst am Bau“ konnte hier ein Teil der zur Verfügung stehenden Bausumme für baubezogene bildende Kunst verwendet werden. Als Sieger des Wettbewerbs, ausgelobt vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur im Frühjahr 2003, wurde eine Stahlplastik Michael Morgners für den Eingangsbereich der Bio–City ausgewählt. Morgners Entwurf hatte eines der ovalen Pflanzbeete, die Bestandteil der landschaftsgärtnerischen Gestaltung in Eingangsbereich und Innenhof bilden, zum Sockel für seine Plastik umfunktioniert. In den Bewerbungsunterlagen erläutert der Künstler sein Konzept: „Aus dem negativen Bodenrelief erhebt sich spiegelbildlich die Figur eines „aufsteigenden“ Menschen, geschützt und isoliert von einer technoiden Hülle – die Großform einer Zelle. Das Ineinandergreifen der Hüllen erinnert an DNA Strukturen. Die senkrecht stehende Form mit dem Zellkern „Mensch“ schafft die scheinbare Möglichkeit des freien Schwebens der Figur.“ Morgners Kunstwerk weckt durch seine organische Form Assoziationen an biologische Prozesse, wie die Zellteilung, und sensibilisiert für die empfindlichen und hochkomplexen Vorgänge bei der Entstehung des Lebens. Das Spiel mit Negativ– und Positivformen in der Plastik nimmt Bezug auf das Verfahren des Klonens in der Gentechnologie und lädt zur Kontemplation über erträumte Möglichkeiten und ethische Grenzen biomedizinischer Forschung ein.


Morgners Leipziger Plastik im Kontext seines Oeuvres

Die zur Werkgruppe „Reliquie Mensch“ gehörige Stahlplastik wird in der Ausstellung vor dem Hintergrund des künstlerischen Gesamtwerks Michael Morgners anhand formal und thematisch verwandter Arbeiten aus den Jahren 1993 bis 2003 erläutert. Gezeigt werden plastische Modelle, Druckgrafik und Zeichnungen, großformatige Gemälde sowie Morgners sogenannte „Schweißtücher“ auf Seidenpapier. Diese Gesamtschau soll einen Eindruck von der Vielschichtigkeit der Bezüge zwischen den Werkkomplexen in verschiedenen künstlerischen Medien vermitteln, die Genese der Plastik beleuchten und Wege der Deutung aufzeigen.
Der Bildhauerkunst wandte sich Morgner erst Mitte der 90er Jahre zu. Als Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig arbeitete er zunächst im Bereich der Drucktechnik und Zeichnung. Nach großformatigen Tafelbildern in den 80er Jahren entwickelte Morgner in der ersten Hälfte der 90er Jahre „plastische Bilder“, in denen er die Hauptfiguration reliefartig aus der Bildfläche herauslöste. Der Schritt zur Plastik, den Morgner 1995 vollzog, ist als eine konsequente Weiterverfolgung der Tendenzen seiner Arbeiten in anderen Medien, z.B. der Verwendung des Prägedruckverfahrens in grafischen Arbeiten oder der Entwicklung von Reliefbildern, zu deuten.
Michael Morgners Abgrenzung vom sozialistischen Realismus, die Entscheidung zur Abstraktion und Hinwendung zur christlichen Ikonographie bedeutete bereits eine Abkehr vom offiziell propagierten Kunstideal der DDR. Als Mitbegründer der alternativen Galerie Oben in Chemnitz und Urheber der unabhängigen Produzentengalerie „Clara Mosch“ galt Morgner als Oppositioneller. Auch wenn Morgners Kunst vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in der DDR entwickelt wurde, spricht sie aufgrund ihrer existentiell menschlichen Thematik und Allgemeingültigkeit jeden unmittelbar an. In seinem Werk thematisiert der Künstler Erfahrungen, wie Geburt, Liebe, Leid, Tod und Wiedergeburt sowie den ewigen Kreislauf vom Werden und Vergehen. Seine abstrahierten menschlichen Figuren entwickelt Morgner zum Teil aus der christlichen Ikonographie, zum Teil wird er dazu durch eigene Erlebnisse inspiriert. Die Figurentypen des „Kauernden“, „Stürzenden“, „Aufsteigenden“ und „Schreitenden“, die in Plastik, Malerei und Grafik zu finden sind, verweisen auf die physische und psychische Verletzlichkeit des Menschen, auf Grenzsituationen wie Schmerz, Angst und Bedrohung, aber stehen auch für Emanzipation, Befreiung und Hoffnung.

Ausstellungsplakat zu Michael Morgner, 2004, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 28. November 2003 bis 31. Januar 2004 in der Galerie im Hörsaalbau

Am 13. Sächsischen Druckgrafik–Symposion vom 11. August bis 5. September 2003 in den Werkstätten für künstlerische Druckgrafik Jeanette und Reinhard Rössler  in Hohenossig nahmen teil:

Joanna Bielawskaa (Lodz), Young Sook Cha (Leipzig), Günter Firit (München), Karin Pietschmann (Leipzig), Peter Wagler (Dresden)

Im dreizehnten Jahr seines Bestehens ist das Druckgrafik–Symposion gewissermaßen ein „Experiment mit Tradition“. Alljährlich werden fünf Künstler zu einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Hohenossig eingeladen, wo sich eine gewisse ländliche Abgeschiedenheit mit hervorragenden Arbeitsbedingungen im Künstlerhaus und der Gemeinschaft Gleichgesinnter verbindet. Dabei fördert die Zeitbegrenzung die Konzentration und ermutigt zur Erprobung neuer Wege. Der Anspruch, durch die Auswahl der Teilnehmer zugleich die Verständigung zwischen Ost und West zu fördern, tut ein übriges, neue Horizonte zu eröffnen. So werden hier zwei ureigene Aufgaben von Kunst eingelöst: Grenzen zu überwinden und dabei zugleich genauer zu erkunden, wer man eigentlich ist.


Kunst beruht jedoch nicht allein auf Ideen, sondern bedarf der Umsetzung in die Materie. Auch auf dieser Ebene sind die Bedingungen in Hohenossig außerordentlich günstig: In der voll ausgestatteten Druckwerkstatt stehen für die Dauer des Symposions drei erfahrene Drucker zur Verfügung, die außerdem als Gesprächspartner und Berater fungieren. Mit Jeanette und Reinhard Rössler, den Betreibern der Hohenossiger Werkstatt, und mit Thomas Sebening, dem Leiter der Druckgrafikwerkstatt der Akademie der Bildenden Künste in München, ist eine druckgrafische Kompetenz versammelt, die Ihresgleichen sucht.


Längst ist das Sächsische Druckgrafik-Symposion in Hohenossig eine eingeführte Größe. Auch in diesem Jahr überstieg die Zahl der Bewerbungen bei weitem die zur Verfügung stehenden Plätze. Das Ergebnis der Juryauswahl war eine internationale, in ihrer Unterschiedlichkeit künstlerisch außerordentlich spannungsreiche Gruppe, die auf der persönlichen Ebene dennoch sehr gut harmonierte. Es nahmen teil: Joanna Bielawska aus Lodz in Polen; Young-Sook Cha aus Korea, in Leipzig lebend; Günter Firit aus Puchheim bei München; Karin Pietschmann aus Leipzig sowie Peter Wagler aus Halsbrücke bei Freiberg.

Karin Pietschmann, 2003, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 26. September bis 15. November 2003 in der Galerie im Hörsaalbau

Eine Ausstellung der Kustodie und des Karl-Sudhoff-Instituts für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Universität Leipzig

Medizin und Geschichte

Mit Karl Sudhoff (1853–1938) als seinerzeit bedeutendstem Fachvertreter wurde die Medizingeschichte als Disziplin erstmals institutionell an der Medizinischen Fakultät verankert. Sudhoff war stets vom Nutzen der Historie für den Arzt aus tiefem Herzen überzeugt und warb dafür unter den Studierenden wie in der Öffentlichkeit mit großem Engagement und beachtlichem Erfolg. Mit Sudhoff begann ein Professionalisierungsprozess, in dessen Verlauf sich eine leistungsfähige Wissenschaft mit internationaler Ausstrahlung entwickelte. Die Ausstellung zum 150. Geburtstag des Nestors der Medizingeschichte vermittelt einen Eindruck von den Anfängen sowie der Entwicklung des Faches. Gezeigt werden historische Fotos, Grafiken, wertvolle Bücher und insbesondere zahlreiche Objekte aus den Beständen der Institutssammlung.

Arzt und Philologe

Am 26. November 1853 als Sohn eines evangelisch–reformierten Pastors in Frankfurt am Main geboren, entdeckte Karl Sudhoff früh seine naturwissenschaftlich–philologische Doppelbegabung, die er für ein Medizinstudium einerseits und für medizinhistorische Studien anderseits zu nutzen verstand. Trotz der Beanspruchung in seiner ärztlichen Praxis, erst in Frankfurt und ab 1883 in Hochdahl bei Düsseldorf, widmete er sich konsequent der Forschungsarbeit und war damit so erfolgreich, dass er, als in Leipzig ein Professor für Medizingeschichte gesucht wurde, der einzige ernst zu nehmende Kandidat im gesamten deutschen Sprachraum war. In den über dreißig Leipziger Jahren entstanden in unermüdlicher Arbeit hunderte von Publikationen, in denen Sudhoff Zeugnisse früheren medizinischen Wissens zu sichern suchte.

Das erste Medizinhistorische Institut der Welt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Medizingeschichte nur durch einzelne Lehrbeauftragte an den deutschen Universitäten vertreten. Die Gründung eines eigenen medizinhistorischen Instituts gerade in Leipzig (1906) verdankt sich dem Vermächtnis einer begüterten Witwe: Aus Dankbarkeit dafür, dass ihr Gatte sich hier 1878 für Medizingeschichte hatte habilitieren dürfen, hinterließ Marie Caroline Cäcilie Puschmann ihr beachtliches Vermögen zweckgebunden der Universität. Aus den Zinsen wurden die Besoldung Sudhoffs, die Ausstattung eines allmählich wachsenden Instituts sowie die Druckkosten einer eigenen Schriftenreihe und einer eigenen Zeitschrift bestritten. Sudhoffs Nachfolger Henry Ernest Sigerist war wissenschaftlich ebenso produktiv, verfolgte allerdings einen anderen methodischen Ansatz: Er gilt als Begründer der Sozialgeschichte der Medizin. Den Namen seines Gründers erhielt das Institut 1938.

Die Medizinhistorische Sammlung

Dass Sudhoff als Philologe auch Bibliophiler war, dass er daher eine Reihe wertvoller Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke erwarb und systematisch alle Neuerscheinungen seines Faches kaufte, dürfte nicht überraschen. Er legte jedoch nicht nur den Grundstock einer großen Bibliothek, sondern beschaffte als Anschauungsmaterial für eine lebendige Medizingeschichte auch Druckgrafik mit Medizinbezug sowie zahlreiche historische Instrumente und Geräte. Diese dienten nicht nur dem studentischen Unterricht im kleinen Kreis: Öffentlichkeitswirksam präsentiert wurden die Stücke beispielsweise anlässlich der Internationalen Hygiene–Ausstellung in Dresden 1911, deren große historische Abteilung Sudhoff verantwortete und zu der er einen zweibändigen Katalog vorlegte.

Der Paracelsus-Forscher

Von Sudhoffs Oeuvre ist seine Ausgabe der medizinischen Paracelsus–Schriften wohl die bedeutendste Leistung; niemand – schon gar keine Einzelperson – würde sich heute an ein solches Projekt wagen. Die Beschäftigung mit diesem umstrittenen Reformer, dem sich Sudhoff durch sein Bedürfnis nach Unabhängigkeit und durch die Zweiteilung seiner Interessen wesensverwandt fühlte, hat ihn sein ganzes wissenschaftliches Leben hindurch begleitet, so dass er zu seiner Zeit als weltbester Paracelsus–Kenner galt. Eine eigene Abteilung in der Ausstellung stellt diese Arbeiten vor.

Das Begleitprogramm

Die heutige Medizingeschichte benutzt andere Quellen und stellt andere Fragen als die Forschung zu Sudhoffs Zeiten, insofern ist der Begründer des Faches inzwischen selbst Gegenstand historischer Betrachtung. Um damalige und gegenwärtige Ansätze miteinander vergleichen zu können, finden zu den Hauptarbeitsgebieten Karl Sudhoffs öffentliche Abendvorträge mit anschließender Führung durch die Ausstellung statt:

dienstags, 18.00 Uhr,

Hörsaalgebäude am Augustusplatz, Hörsaal 6:

30.09. Mittelalterliche Chirurgie

Prof. Riha

14.10. Paracelsus

Prof. Kästner

28.10. Seuchen in der Geschichte

Prof. Riha

04.11. Zahnbehandlung in der frühen Neuzeit

Dr. Fahrenbach

11.11. Aberglaube und Volksfrömmigkeit

Dr. Fahrenbach

Ausstellungsplakat zu "Karl Sudhoff", 2003, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 4. September bis 29. November 2003 im Ausstellungszentrum im Kroch–Haus

Ostwald als Pionier der physikalischen Chemie

Im Jahre 1853 im lettischen Riga geboren, nahm Wilhelm Ostwald 1872 an der Universität Dorpat (Tartu, Estland) das Studium der Chemie auf, das er 1878 mit der Habilitation abschloss. Ab 1875 war er Assistent am Physikalischen Kabinett bei Arthur v. Öttingen. Schon die Arbeiten dieser Jahre bewegten sich im Grenzgebiet von Chemie und Physik (Kandidatenarbeit „Über die chemische Massenwirkung des Wassers“, Dissertation „Volumchemische Studien über Affinität”). Achtundzwanzigjährig wurde er Professor am Polytechnikum in Riga (1882), im Jahre 1887 Nachfolger von Gustav Wiedemann in Leipzig. Hier formulierte Ostwald u. a. das nach ihm benannte „Verdünnungsgesetz für schwache Elektrolyte”. Seine Beschäftigung mit energetischen Abläufen physiko–chemischer Vorgäng führte zur Präzisierung des Katalyse–Begriffs (publiziert 1894). Eine wichtige Anwendung der Katalyse stellte die Salpetersäure–Erzeugung aus Ammoniak dar (1901). Bereits 1890 hatte Ostwald Energie als Primärsubstanz und Materie als eine besondere Erscheinungsform derselben definiert.

Neben der eigenen Forschung wirkte Ostwald als Wissenschaftsorganisator: 1887 gründete er die Zeitschrift für physikalische Chemie, 1894 die Deutsche Elektrochemische Gesellschaft (1902 umbenannt in Bunsen–Gesellschaft für physikalische Chemie). Seine Forschungen brachten ihm zahlreiche Ehrungen ein, darunter die Faraday–Lecture in London (1904), die erste deutsche Austauschprofessur in den USA nebst Gastvorlesungen in Harvard (1905/06), den Nobelpreis für Chemie (1909), das Präsidentenamt der Internationalen Assoziation der Chemischen Gesellschaften (1911), verschiedene Ehrenpromotionen sowie die Mitgliedschaft in 3 deutschen und 16 ausländischen Wissenschaftsakademien. Allerdings empfand Ostwald die Beschränkung auf eine rein naturwissenschaftliche Tätigkeit als Begrenzung und die akademische Lehre – trotz einer zahlreichen und hochkarätigen Schülerschaft – als lästige Pflicht. Bereits 1900 reichte er ein erstes Rücktrittsgesuch ein. In der Folge beschäftige sich Ostwald vermehrt mit geisteswissenschaftlichen Fragestellungen. Im Jahre 1901 hielt er eine vielbeachtete Vorlesung über Naturphilosophie, 1905/06 Vorträge über die Weltsprachenproblematik, zu Bildungsfragen und philosophischen Fragen in der Chemie. Nach seinem Rücktritt von seiner Leipziger Professur 1906 arbeitete er auf seinem Landsitz Haus Energie in Großbothen als freier Wissenschaftler.


Ostwald und die Kunst


Die Beschäftigung mit der Kunst durchzog Ostwalds gesamtes Leben, wobei die eigene praktische Betätigung oft theoretische Überlegungen anregte. In seiner Assistentenzeit mündete sein Bratschespiel in Vorträge zur musikalischen Harmonielehre. Die schon in seiner Jugend feststellbare Begeisterung für Zeichnung, Malerei und Fotografie zog ebenfalls eigene künstlerische Arbeit sowie theoretische Studien nach sich. Als Maler schuf Ostwald v. a. Landschaftsbilder in Öl und Pastell (u. a. während Erholungsaufenthalten an der Nord– und Ostsee, im Harz, dem Elbsandsteingebirge, den Alpen sowie in der heimischen Muldentallandschaft), die er verschiedentlich ausstellte (u. a. in Leipzig, Dresden und Breslau). Als Naturwissenschaftler widmete sich Ostwald in den Jahren 1903/04 u. a. Forschungen zur mikroskopischen Gemäldeuntersuchung („Ikonoskopie”), u. a. mit Hilfe von Mikroschnitten der Malschicht. Zugleich stellte er maltechnische Studien an, z. B. in Hinblick auf historische Techniken und die Herstellung von Malgründen für die Pastell– und Ölmalerei. Ostwald sah Kunst als Vorläufer jeder Art von Wissenschaft und Technik, die als ältere Schicht menschlicher Entwicklung in der Lage war, „auf künstlichem Wege willkommene Gefühle hervorzurufen”, und ein menschliches Grundbedürfnis darstellte. Seine Überlegungen zu einer allgemeinen Schönheitslehre (Kalik) fußten dabei auf dem Grundsatz Gesetzlichkeit = Harmonie = Schönheit.


Weltanschauung und Gelehrtengemeinschaft


Ostwalds naturwissenschaftliche Überlegungen nährten die Überzeugung, dassalle Erscheinungen dem Walten von Energie zu verdanken und durch dieses miteinander verwoben sind (Energetik). Diese Sicht verband ihn weltanschaulich mit den Monisten, deren Vereinigung er seit 1911 vorstand und mit zahlreichen naturphilosophischen Artikeln und Vorträgen vertrat. „Universalistische” Überzeugungen inspirierten möglicherweise eine weitere Facette seines Wirkens: die
Bemühungen um die verbesserte Verständigung zwischen Wissenschaftlern, u. a. durch internationale Maß– und Normsysteme und durch ein internationales Netz wissenschaftlicher Informationsdienste. Im Rahmen der 1911 in München gegründeten Vereinigung „Brücke – Internationales Institut zur Organisierung der geistigen Arbeit” wirkte Ostwald an der Schaffung eines Normensystems für Druck- und Papiererzeugnisse mit, das u. a. dem heutigen DIN–System Pate stand.


Ostwald als Pionier der Farbwissenschaft


Nach seiner Pensionierung aus dem Universitätsdienst widmete sich Ostwald insbesondere der wissenschaftlichen Erforschung der Farbe, die gewissermaßen die Synthese verschiedenster künstlerischer und naturwissenschaftlicher Interessen darstellte. Folgende Unterpunkte definierte er selbst als Arbeitsprogramm: Nachweis der richtigen Elemente der Farben, Erfindung der Methoden zur Farbmessung, Ermittlung methodischer Ordnungskriterien, Aufstellen der Grundsätze ihrer Normung, praktische Ausführung der Normen im Farbatlas, Ableitung einer rationellen Lehre von der Harmonie der Farben. Die Arbeit am Problem der Farbmessung erfolgte zunächst anhand von „ Grauleitern”, gleichmäßig abgestufter Reihen von Weiß nach Schwarz, die ab 1907 in Ostwalds Notizen nachweisbar sind. Ab 1911 verbanden sich Ostwalds Standardisierungsbestrebungen mit den Absichten der „Brücke” und des „Deutschen Werkbundes”, die beide das Potential genormter Farbwerte für kunsthandwerkliche und industrielle Anwendungen im Auge hatten. Nachdem die anvisierten internationalen Kooperationen u. a. durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges Rückschläge erlitten haben, forschte Ostwald auf eigene Faust in Großbothen weiter. Im Jahr 1917 legte er einen ersten Farbenatlas mit 2500 Farben sowie die – später mehrfach nachgedruckte – Farbenfibel vor. Von der auf fünf Bände angelegten Farbenlehre schrieb Ostwald selbst die ersten beiden (1918/1919), Band drei wurde von E. Ristenpart, Band vier von H. Podesta herausgebracht (der geplante fünfte zur „Psychologischen Farbenlehre” kam nicht zustande), außerdem erschienen mehr als 300 Aufsätze. Zugleich entwickelte Ostwald zahlreiche praktische Anwendungen: Malkästen für Schulen (teilweise in eigenen Unternehmen hergestellt), Woll– und Seidenkataloge, einen Kunstseidenatlas, Autolacke, meteorologische Messstreifen für das Himmelsblau, einen Haut– und Gewebefächer mit über 1000 Farbproben für die Gerichtsmedizin, Glasmalereifarben sowie Farbtafeln für Kanarienvogel– und Blumenzüchter. Die Reaktion auf Ostwalds Farbenlehre war geteilt: Einerseits gab es bereits ab 1919 wütende Proteste, wobei Ostwald als „Zerstörer der Farbunschuld” und als „Diktator” tituliert wurde, an preußischen Schulen erging ein Verbot der Verwendung der „Ostwald–Farben”. Andererseits erkannten zahlreiche Anwender verschiedenster Branchen die Möglichkeiten der neuen Normfarben und auch das Bauhaus in Dessau zeigte sich interessiert: Im Sommer 1927 hielt Ostwald dort auf Einladung von W. Gropius eine Woche Vorlesungen und stellte Anschauungsmaterial zur Verfügung. Eine erneute Annäherung des Werkbundes ab 1929 führte zur Präsentation Ostwaldscher Ideen auf der Werkbundausstellung „Wohnung und Farbe” in Breslau. Breite und Vielzahl der auf der Basis seiner Überlegungen hergestellten Produkte lassen jedoch keinen Zweifel an der überragenden Bedeutung der Ostwaldschen Farbforschung für das tägliche Leben wie auch für die Kunst.


Die Ausstellung


Neben einer Dokumentation zu Ostwalds Wirken im Bereich der physikalischen Chemie, Publikationen und schriftlichen Quellen zu seinem Leben zeigt die Ausstellung eine Vielzahl originaler, von Ostwald selbst hergestellter Anschauungsmaterialien zur Farbforschung aus Beständen des Universitätsarchivs und des Wilhelm–Ostwald–Archivs in Großbothen.

 

Das Begleitprogramm

12. 11., 19 Uhr

Die Farbenlehre Wilhelm Ostwalds

Ein Podiumsgespräch im Rahmen der Ausstellung „Schönheit ist Gesetz. Wilhelm Ostwald zwischen Naturwissenschaft und Kunst“

Es diskutieren: Prof. Dr. Frank Zöllner (Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzig), Dr. Roland R. Richter (ehemals Dozent für künstlerische Praxis, Institut für Kunstpädagogik, Universität Leipzig), Prof. Dr. Wolfgang Oehme (Fachbereich Didaktik der Physik, Universität Leipzig)​​​​​​​, Dipl.-Ing. Eckhard Bendin (Dozent für Farben– und Formenlehre, Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung, Fakultät Architektur, Technische Universität Dresden)

Diese Veranstaltung findet am 12. November 2003 um 19:00 Uhr im Ausstellungszentrum Kroch–Haus in der Goethestr. 2 statt

Ausstellungsflyer zu Wilhem Ostwald "Schönheit ist Gesetz", 2003, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 21. Juni bis 31. Juli 2003 in der Galerie im Hörsaalbau

Eine Ausstellung der Kustodie und des Instituts für Indologie und Zentralasienwissenschaften der Universität Leipzig

Die Welt der Wunschkuh Surabhi


Die Darstellung von Göttern, Heiligen und Helden beschäftigte die indische Kunst seit Jahrhunderten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert nahm sich auch die lithografische Industrie dieses Gegenstandes an: Nach originalen Kunstwerken wie Zeichnungen und Ölgemälden entstanden Farbendrucke, die nicht nur in Indien, sondern auch in Deutschland hergestellt wurden. Die durch Farbigkeit und Unterschiedlichkeit der Stilmittel bestechenden Blätter vermitteln ein Bild indischer Alltagskunst im Spannungsfeld traditioneller Religion und zeitgenössischer Bildsprache. Die in großen Stückzahlen hergestellten Drucke wurden auf Märkten und an Pilgerzentren vertrieben; man schmückte damit Wände oder ergänzte die Ausstattung von Hausaltären. Einst ein erschwingliches Massenprodukt, haben diese Drucke mittlerweile Seltenheitswert. Die Ausstellung zeigt sechzig Blätter aus Beständen der Universität Leipzig und des Museums für Völkerkunde in Dresden.Kunst für den Alltag
Nachdem Farbendrucke lange Zeit als Trivialkunst gering geachtet wurden, ist ihr Wert als ein Element der Alltagskultur heute weithin anerkannt. Als industriell gefertigte Reproduktionen sind sie wertvolle Zeugnisse für Zeitgeschmack, Bildungsbedürfnis, Mentalität ihrer Käufer oder deren Wohnkultur. Auch Geschichte, Profil und Geschäftsbeziehungen der Herstellerfirmen sowie Entwicklungen der Drucktechnik lassen sich an ihnen ablesen.


Der Weg in die Moderne


Farbendrucke stehen am Ende einer Entwicklung indischer Kunst, die oft als „Westernization from below“ bezeichnet wird. Sie beginnt um 1850, als sich indische Maler in Kunstschulen der East India Company europäische Stilmittel und Techniken, darunter Perspektive und Ölmalerei, aneigneten, welche die indische Kunsttradition nicht lehrte.
Die sogenannte „Company Art“, die technisch von Zeichnung, Stich und Aquarellmalerei bestimmt wurde und den Geschmack der Engländer bediente, verlor ab Mitte des 19. Jahrhunderts ihre dominierende Stellung. Im Milieu des indischen Adels und des aufstrebenden Stadtbürgertums entstand nun ein neuer Künstlertyp, der „gentleman artist“, der sich technisch der neoklassizistisch–viktorianischen Ölmalerei und thematisch der indischen Tradition verpflichtet fühlte. Mythologische Sujets wurden in idyllisch–idealen Landschaften theatralisch inszeniert, wobei man dem Betrachter das Gefühl gab, unmittelbar in das Geschehen einbezogen zu sein.


Die neue Bildsprache verlieh der Welt der Götter und Helden die Faszination des zwar Idealen, aber auf einer Zeitebene mit dem Betrachter Existierenden. Dieses Erleben der Götter– und Heldengeschichten wurde noch dadurch verstärkt, dass die meist rührend–gefühlvollen Szenen die Welt der Reichen widerspiegelten. Gleichzeitig wurden die ikonographischen Konventionen streng beachtet. Erstmalig vermittelte die Malerei nun den Reiz der Sanskrit–Kunstdichtung, indem Kunstfertigkeit und Ästhetik der Form Stimmungen erzeugten, die mitzuempfinden für den Betrachter den Gipfel ästhetischen Vergnügens darstellten. Die als nationaler Wert empfundene mythologische Vergangenheit wurde plötzlich in einer visuellen Sprache lebendig, der man nicht mehr den Vorwurf der Primitivität oder des bloß Folkloristischen machen konnte.
Die Farblithographie ermöglichte ab 1880 die Verbreitung der Werke von Künstlern wie B. P. Banerjee und Ravi Varma: Sie betrieben die drucktechnische Vermarktung ihrer Bilder, die sie in eigenen Firmen oder in Deutschland reproduzieren ließen. In der ersten Phase der Unabhängigkeitsbewegung verdankten die Kunstwerke ihre Popularität auch ihrer Vermittlerrolle für nationales Gedankengut. Sie ist auf der Ebene der calender art bis heute ungebrochen.
Vorlagen für Farbendrucke waren neben Ölgemälden auch weiterhin von den Company–Zeichnungen und der volkstümlichen Basar–Kunst geprägte Kompositionen. Wie die „Wunschkuh“ zeigt, konnten sie sowohl religiöse als auch propagandistische Funktion haben und auf Zeitereignisse wie die Krönung von Georg V. zum Kaiser von Indien reagieren. Die Farbendrucke spiegeln die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der indischen Kunst ihrer Zeit.


Die Sammlungen


Gezeigt werden indische Farbendrucke der Universität Leipzig und des Museums für Völkerkunde in Dresden: Beide Sammlungen liefern neues Material für die Geschichte des Farbendrucks und die indische Kunst um 1900. Die 49 Drucke aus dem Nachlass von Johannes Hertel, Ordinarius für Indologie an der Universität Leipzig von 1914 bis 1937, stammen vermutlich aus den Kunstanstalten May AG Dresden. Im Auftrag indischer Vertriebsgesellschaften in Deutschland hergestellt, belegen sie einen wenig bekannten Aspekt der Firmengeschichte.
Die 11 Drucke aus dem Bestand des Museums für Völkerkunde entstanden um 1880 in der ältesten Kunstdruckanstalt Indiens, dem Calcutta Art Studio, gegründet 1862. Als Teil der Schenkung des Musikwissenschaftlers und Kunstmäzens Raja Sourindro Mohun Tagore, einem Vetter Rabindranath Tagores, gelangten sie 1882 nach Dresden.
Die Ausstellung entstand aus der Zusammenarbeit des Instituts für Indologie mit dem Museum für Völkerkunde Dresden. Der unveröffentlichte Bestand wurde im Rahmen eines Seminars und studentischer Praktika bearbeitet.

Das Begleitprogramm

Führungen · Vorträge · Film

Führungen (ab 28.06.) jeden Samstag ab 10 Uhr und nach Vereinbarung

2.7., 18 Uhr, Vortrag (Maria Schetelich)

Die Welt der Wunschkuh Surabhi. Indische Farbendrucke.

Ort: Weller–Bibliothek des Instituts für Indologie, Schillerstraße 6, 1. Etage

 

9.7., 20 Uhr, Fritz Langs Indienfilme

Der Tiger von Eschnapur, BRD/I/F 1958 Das indische Grabmal, BRD/I/F 1959

Ort: Hörsaalbau

 

16.07., 17 Uhr, Vortrag (Frank Neubert)

Johannes Hertel als Wissenschaftler und Privatperson. Biographische Notizen.

Ort: Weller–Bibliothek des Instituts für Indologie, Schillerstraße 6, 1. Etage

 

19.07., 19 Uhr, Konzert: „Klassische indische Ragas

Makoto Kitado (Sitar) und Robert Siegfried (Tabla)

Ort: Galerie im Hörsaalbau

 

30.7., 18 Uhr, Vortrag (Maria Schetelich)

Sourindra und Rabindranath – die Tagorefamilien von Calcutta.

Ort: Weller–Bibliothek des Instituts für Indologie, Schillerstraße 6, 1. Etage

Die Wunschkuh Surabhi, Ausstellung 2003, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 16. Mai bis 16. Juli 2003 im Ausstellungszentrum im Kroch–Haus

Eine Ausstellung der Kustodie und des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Leipzig

"Der sanfte Weg zur Moderne. Der Architekt Friedrich Ohmann (18581927) zwischen Historismus und Jugendstil."

Um 1900

Die Architektur um 1900 im habsburgischen Mitteleuropa verbindet man mit revolutionärer Modernisierung: Otto Wagners Devise, nach der „nur das moderne Leben“ Grundlage für eine zeitgemäße Ästhetik sein könne, oder Adolf Loos’ Gleichung „Ornament und Verbrechen“. Diese Künstler wollten radikal mit der „Maskerade“ historischer Dekoration an modernen Bauten brechen und reklamierten für sich „Wahrhaftigkeit“, selbst um den Preis, ihr Publikum vor den Kopf zu stoßen. Sie waren Visionäre, ihrer Zeit voraus. Architekten dagegen, die nicht provozieren, sondern die Honoratiorengesellschaft allmählich an eine fortschrittlichere Formensprache und an neue Mittel der Repräsentation gewöhnen wollten, werden im Rückblick zur „zweiten Garnitur“ gestempelt oder gar vergessen – unverdient, wie das Beispiel Friedrich Ohmanns zeigt. Ein exzellenter Architekt und Zeichner, hatte er in seiner Zeit letztlich die größere Wirkung als seine ungestümen Kollegen.


Der Künstler

Gebürtig aus dem galizischen Lemberg (Lviv), kam Ohmann 1877 in die Metropole Wien, um Architektur zu studieren. Seine Ausbildung fiel mit der Hochblüte des Historismus, dem Ausbau der Wiener Ringstraße, zusammen. Er lernte, alle historischen Baustile virtuos zu beherrschen und nach den Wünschen seiner Bauherren einzusetzen. 1889 folgte er dem Ruf auf eine Professur an der Prager Kunstgewerbeschule, wo er eine ganze Generation böhmischer Architekten prägte. Zehn Jahre später kehrte er als Baumeister der kaiserlichen Hofburg nach Wien zurück; hier hatte er ab 1904 bis zu seinem Tod auch eine Professur – neben Otto Wagner – an der Akademie inne.


Die Zeichnungen

Die ausgestellten Entwürfe stammen aus Ohmanns Nachlass. Sie waren bisher nur einmal öffentlich zu sehen: 1997 im Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, dem sie gehören und dem wir die großzügige Leihgabe verdanken. Überwiegend dokumentieren sie Arbeiten aus Ohmanns Prager Zeit und spätere, von Wien aus realisierte Projekte für Böhmen, zeigen aber auch, dass er nicht nur in der Habsburgermonarchie Erfolg hatte.

Der sanfte Weg zur Moderne

Ohmann war als enthusiastischer Kenner der Barockarchitektur bekannt. Er konnte sie täuschend imitieren, was ihm Aufträge ambitionierter Großbürger bescherte und vor allem Restaurierungen hochbarocker Kirchen, die er kongenial zu neuer Schönheit erhob. Damit hatte Ohmann einen wichtigen Anteil am Revival des Barock, wie er dem Bedürfnis der „Zweiten Gesellschaft“ nach Glanz und Prestige entsprach und wie er in der Habsburgermonarchie politisch genutzt wurde für eine Neubelebung der katholisch-absolutistischen Staatsidee angesichts der gesellschaftlichen Emanzipation und der nationalen Autonomietendenzen in den Kronländern. Ohmann hat sich dafür aber nicht vereinnahmen lassen. Ihm ging es um „richtige Charakterisierung“, um „Poesie“ und „Phantasie“.

Das bedeutete für ihn, mit Augenmaß historische Stile dort anzuwenden, wo es die Aufgabe erforderte, und davon zu abstrahieren, wo dies möglich war. So hat er „malerische“ Museumsbauten – wie das heutige Kulturhistorische Museum in Magdeburg – projektiert, deren äußere Gestalt und Ausstattung die Abfolge der Geschichte veranschaulicht und zugleich den nach Epochen gruppierten Exponaten korrespondiert.

Leidenschaftlich vertrat Ohmann das Prinzip, Neubauten auf ihre Umgebung abzustimmen, um irritierende Brüche zu vermeiden. Im Grünen nutzte er die Vegetation als Gestaltungsmittel, wie beim Schillerdenkmal in Karlsbad, und fügte weitläufige Anlagen, wie die dortige Schlossbrunnkolonnade, sensibel in die Topographie ein, die er mit seinen Bauten modellierte und akzentuierte. Anders als die Modernisten kam er Wünschen seiner Bauherren konziliant entgegen – und leistete Überzeugungsarbeit. Der tschechische Politiker Karel Kramár bekam nicht das verlangte Schlösschen, sondern eine Villa modernen Typs, kombiniert mit barockisierenden, für Prag typischen Motiven. Aus lokalen Traditionen heraus modernisierte Ohmann auch Stadthäuser. Seine üppigen Fassadenmalereien und zarter Stuckdekor täuschten darüber hinweg, dass er Konventionen historistischen Bauens aufgab, und brachten ihm den Ehrentitel des „Vaters des Prager Jugendstils“ ein. Neues zu erfinden hieß für ihn „Verweben von alter und neuer Empfindung [...], ohne Betonung eines schroffen Gegensatzes zwischen Vergangenheit und Zukunft“, und ebenso, „der heimischen angestammten Architektur in moderner Weise wieder zu ihrem Recht“ zu verhelfen.

Auf dem Neuen bestand er aber unbedingt. Sein Amt als Hofburgbaumeister legte er nieder, als man ihn auf antiquarischen Barock festlegen wollte. Und für die Karlsbader Kolonnade – inmitten des Prunks der neobarocken Badehäuser – setzte er einen reduzierten Klassizismus durch, der an die Bescheidenheit der ersten Kurbauten gemahnte, und schuf damit eine ebenso elegante wie hochmoderne Architektur, die durch ihre Proportionen und die Spannung der Räume untereinander wirkt, aber auch durch „Materialechtheit“ – Sichtbeton.

Die Forschung über den „sanften Weg zur Moderne“ steht erst am Anfang. Studierende des Leipziger Instituts für Kunstgeschichte haben Ohmanns Regensburger Zeichnungen erstmals umfassend und kompetent bearbeitet – für einen Katalog, der einen Beitrag zur kultur- und gesellschaftsgeschichtlichen Architekturforschung leisten wird.

Friedrich Ohmann, Ausstellung 2003, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 10. Dezember 2002 bis 31. Januar 2003 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Die Ausstellung

Der Literatur–Nobelpreisträger Nagib Machfus ist der bedeutendste arabische Schriftsteller unserer Zeit. Sein Werk, eine Art Chronik Ägyptens im 20. Jahr-hundert, ist geprägt vom Eintreten für geistige Freiheit und Toleranz. Angeregt durch Machfus' Romane hat Georg Kürzinger mehrere Recherche–Reisen nach Ägypten, die uns nächstgelegene Region der islamisch–arabischen Welt, unternommen. Jenseits vom Tourismus hat er Religion und Alltag der Bewohner in fotografischen Nahsichten dokumentiert, wobei sein – gleichwohl abendländischer – Blick irritierende Unterschiede, aber auch allgemein menschliche Gemeinsamkeiten aufzeigt.

Die Ausstellung ist in sechs Themenbereiche gegliedert: "In den Gassen", "Männer und Frauen", "Islam", "Kopten", "Opferfest" und "Welt der Kinder". Jeder Themenbereich enthält einen Kurztext aus dem Werk von Nagib Machfus und eine Fotoserie – neununddreißig Arbeiten insgesamt – die ihre eigenen Geschichten erzählen. In einem assoziativen Dialog stehen die Bildreihen so Romanfragmenten gegenüber, die als Vehikel dienen auf dem Weg zur anderen Kultur.

Nagib Machfus schreibt dazu in dem Buch zur Ausstellung: " ... und so ist eine Art Dialog entstanden: Meine Werke inspirierten ihn zu den Fotografien. Sie zeigen oft ungewohnte Seiten unseres Landes – und inspirierten wiederum uns dazu, über Ägypten nachzudenken. Dieser Dialog findet zwischen zwei verschiedenen Kulturen mit ihren jeweiligen eigenen Ausdrucksmitteln statt: die eine, in der orientalischen Tradition der Erzähler, teilt sich mit Worten mit, während die andere, in der europäischen Tradition der Bildgestalter, mit Fotografien erzählt."

Der Fotograf

Georg Kürzinger, geb. 1957 in Oberaudorf. Studium von Informationstechnik und wissenschaftlicher Fotografie. Mitarbeit in Forschungsgruppe der TU München über "Das Sehen des Menschen". Seit 1990 freier Fotojournalist. Zahlreiche Bildbände, darunter Die Wüste Gobi und Der Nil, und Fotoreportagen (z. B. mit Galsan Tschinag) für Zeitschriften, u. a. FAZ–Magazin und SZ–Magazin. Literarischer Fotoband Ferne Heimat Kirgisien mit Tschingis Aitmatow als Beitrag zum interkulturellen Dialog ("Ein Kunststück" rezensierte DIE ZEIT). Portraitfotografie für Großplakate des Münchner Goethe–Instituts im Rahmen von Heimat Kunst. Ausstellungen in Berlin, Bonn, Braunschweig, München.

Das Buch zur Ausstellung

N. Machfus, G. Kürzinger (Fotograf): Das Ägypten des Nagib Machfus. ars vivendi Verlag Cadolzburg 2001, Hardcover, 24 x 31cm, 128 Seiten, ISBN 3–89716–302–0, Preis: 35,- Euro.

Plakat zur Ausstellung "Das Ägypten des Nagib Machfus", 2002, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 2. September bis 27. September 2003 in der Galerie im Hörsaalbau

Am 12. Sächsischen Druckgrafik–Symposion in den Werkstätten für künstlerische Druckgrafik Jeanette und Reinhard Rössler in Hohenossig nahmen teil:

Ingrid Floss (München), Michael Möbius (Leipzig), Jana Morgenstern (Dresden), Carla Neis (Bern/Val–de–Travers), Guntars Sietins (Riga)

Seit elf Jahren werden jährlich fünf Künstler zu einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt nach Hohenossig eingeladen. Neben die Idee des künstlerischen Austauschs tritt dabei die Verständigung zwischen Ost und West. Die bislang 61 Künstler kamen aus Dänemark, Frankreich, der Schweiz, den USA, Polen, Tschechien, Litauen, Lettland sowie aus dem Westen und Osten Deutschlands. Die Arbeitsergebnisse werden von der Kustodie der Universität Leipzig im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Plakat 12. Druckgrafik Symposion, 2003, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 26. Oktober bis 8. November 2002 in der Galerie im Hörsaalbau

Kolloquium und Ausstellung zur Neugestaltung des UniversitätsCampus am Leipziger Augustusplatz

Angesichts einer regen Diskussion um die Gestalt der Südwestecke des Augustusplatzes scheint es sinnvoll, sich noch einmal die Frage vorzulegen, was nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge an dieser Stelle gebaut werden soll und auf welche Bedürfnisse der Bau antwortet.

Im Rahmen des Kolloquiums sollen zunächst die Voraussetzungen beleuchtet werden: die Besonderheit der innerstädtischen, campusartigen Situation der Universität Leipzig, die Funktionstüchtigkeit der jetzigen Architektur aus den späten 1960er Jahren, die funktionellen Anforderungen an den neu zu gestaltenden Campus sowie die Frage der Präsentation heimatlos gewordener, aber mit dem Areal historisch eng verknüpfter Kunstwerke in den zu erstellenden Gebäuden. In einem zweiten Schritt soll der von der Jury mit einem zweiten Platz ausgezeichnete Entwurf des Büros Behet und Bondzio aus Münster in seiner Funktionsweise, in seiner formalen Gestalt und in seiner Interaktion mit dem umliegenden Stadtgewebe diskutiert werden. Den Architekten wird Gelegenheit gegeben, ihren Entwurf und die dahinterstehenden Überlegungen näher zu erläutern und zu illustrieren.

Die Kustodie stellt in der Galerie im Hörsaalbau das prämierte Wettbewerbsmodell sowie weitere Arbeiten von Behet und Bondzio aus.

Begleitprogramm

Samstag, 26. Oktober 2002 Beginn 9:00 Uhr s.t.
Hörsaal 18

Vormittag

Moderation Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen
Leiter der Kustodie und Kustos der Kunstsammlung der Universität Leipzig

9:00  12:00 Uhr

Eröffnung des Kolloquiums

  • Prof. Dr. Volker Bigl

Rektor der Universität Leipzig

Collegium – Campus – City. Zu universitären und städtebaulichen Synergien

  • Dr. Ernst Seidl

Kunsthistorisches Institut, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Gestalt und Funktionabilität des 1968 – 1973 errichteten Gebäudekomplexes

  • Prof. Dr. Thomas Topfstedt

Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzig

Funktionelle Anforderungen an den neu zu gestaltenden innerstädtischen Universitäts-Campus

  • Prof. Burkhard Pahl

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Bauingenieurwesen,

Universität Leipzig

 

Nachmittag

13:30  16:30 Uhr

Moderation

  • Prof. Dr. Michaela Marek

Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzig

Fragmente der Erinnerung. Zur Frage der Präsentation der universitären Kunstwerke

  • Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen

Präsentation und Erläuterung des zweitplazierten Entwurfes Martin Behet, Roland Bondzio

  • Schlussdiskussion

Moderation: Dr. Arnold Bartetzky

Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, Leipzig

 

Plakat der Ausstellung "Zukunftsentwurf", 2002, Foto: Kustodie

Ausstellung vom 27. September bis 23. November 2002 im Ausstellungszentrum Kroch–Haus

Anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums des Institutes für Kunstpädagogik der Universität Leipzig

Obschon wahrscheinlich einer der bedeutendesten Künstler seiner Generation im mitteldeutschen Raum, ist Hans Schulze (1904–1982) bislang nur einer eingeschränkten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Gründe hierfür waren möglicherweise nicht zuletzt weltanschauliche: Beeinflusst von der literarisch geprägten Atmosphäre des George–Kreises betrachtete er jegliche doktrinäre politische Bestrebungen mit Skepsis, nationalsozialistische ebenso wie sozialistische. Doch auch diese "Verweigerung" hatte ihren Preis: Als Künstler blühte er Zeit Lebens weitgehend im Verborgenen und im Jahre 1958 trat er unter nicht näher geklärten Umständen vom Amt des Direktors des – von ihm gegründeten – Instituts für Kunstpädagogik der damaligen Karl–Marx–Universität Leipzig zurück.

Seine Lehrtätigkeit jedoch konnte er auch nach seinem Rücktritt fortsetzen, so dass er insbesondere auf pädagogischem Gebiet eine außerordentliche Wirkung entfaltete. Zahllose Kunstpädagogen, Künstler und Kunsthistoriker wurden von ihm beeinflusst. Dabei gründete sowohl sein künstlerisches als auch sein pädagogisches Wirken auf ungemein weitgespannten geistigen Interessen auf den Gebieten Kunstgeschichte, Philosophie und Literatur.
Seine eigene künstlerische Ausbildung an der Breslauer Akademie, u. a. bei Alexander Kanoldt, Paul Holz, Otto Mueller und Oskar Moll, hatte ihm vielfältige Impulse vermittelt. So setzte er das dort angeregte zeichnerische Naturstudium Zeit Lebens unter verschiedenen Fragestellungen fort, wobei er entsprechende Studien im Zuge der Ausführung sowohl in Richtung Abstraktion als auch in Richtung fantastischer oder surreal inspirierter Kompositionen weiterentwickelte. Zugleich legte die ihn kennzeichnende Nachdenklichkeit eine vertiefte Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz nahe, die er in mythologisch und literarisch inspirierte Formen kleidete. Besondere Bedeutung hatten in diesem Zusammenhang Gedichte Georg Trakls oder Charles Baudelaires, die er in eigenwillige Bilder übersetzte. Schulzes rastlose künstlerische Tätigkeit ging zudem mit ausgeprägten kunsttechnologischen Interessen einher, was sich auch in der außerordentlichen Vielfalt der verwendeten malerischen, zeichnerischen und grafischen Techniken sowie in verschiedenen Publikationen zum Thema Druckgrafik widerspiegelt.

Entsprechend weitgespannt war der Kreis der von Schulze unterrichteten Fächer, der neben Zeichnen und Maltechnik auch Farbtheorie und kunsthistorische Überblicksvorlesungen umfasste. Eine zentrale Rolle für die studentische Ausbildung spielten neben zahllosen kunsthistorischen Exkursionen die alljährlich veranstalteten künstlerischen Praktika, u. a. im Erzgebirge, auf der Insel Rügen, im Mansfelder Land und auf der Mecklenburger Seenplatte, auf denen intensiv nach der Natur gezeichnet wurde. Aber auch private Reisen u. a. nach Bulgarien, standen im Zeichen künstlerischer Arbeit.

Schulzes Werk ist Zeugnis einer großen geistigen Unabhängigkeit, die trotz verschiedentlich aufscheinender Bezüge etwa zur Malerei der Neuen Sachlichkeit oder des Surrealismus, eine eigenständige Position fern der großen Strömungen verkörpert. Mittels einer reichen Auswahl an Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken, v. a. aus seinem Nachlass, dem Museum der Bildenden Künste Leipzig und privater Leihgeber, sucht die Ausstellung einerseits Schulzes künstlerische Entwicklung nachzuzeichnen und andererseits sein – eng damit verknüpftes – Wirken als Lehrer in den Blick zu fassen. Persönliche Gegenstände, darunter seine Staffelei, Briefe und Tagebücher, sowie Lehrmittel, darunter Pigmente, Naturalien, Vorlesungsmanuskripte und Publikationen komplettieren das Bild.

Hans Schulze: "Der Frosch", um 1955, aus der Holzstich-Folge "Historia naturalis", Foto: Kustodie

Ausstellungen der 1970er Jahre bis 2002

Unter der Leitung des ersten Kustos der Kunstsammlungen der Universität Leipzig (damals noch Karl-Marx-Universität), Rainer Behrends, der 1971 in das Amt eingesetzt wurde, fanden jährlich vier bis fünf Ausstellungen statt. Das Ausstellungsprofil setzte den Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst der DDR, darunter viele Künstler der Leipziger Schule, später dann Künstler der Nachwendezeit.

Handzeichnung und Kleinplastik
Jahresausstellung 2002 des Bundes Bildender Künstler Leipzig
13.09. - 11.10.02
Galerie im Hörsaalbau

Kunst und Sport
zum 31. Deutschen Turnfest in Leipzig 2002
19.05. - 28.06.02
AOK Sachsen

Das Kroch-Haus
erstes Hochhaus der Stadt Leipzig
12.04. - 29.06.02
Ausstellungszentrum

Heinz Eberhard Strüning (1896 – 1986)
Gemälde und Arbeiten auf Papier
29.01. - 02.03.02
Galerie im Hörsaalbau

Gelehrtenbildnisse aus 5 Jahrhunderten Leipziger Universitätsgeschichte
04.12.01 - 16.02.02
Ausstellungszentrum

Gustav Theodor Fechner und die Bildenden Künste
22.10. - 30.11.01
Galerie im Hörsaalbau

11. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
03.09. - 06.10.01
Galerie im Hörsaalbau

"Von Raffael bis Monet"
Meisterwerke Europ. Malerei aus der Limacon-Sammlung
16.06. - 27.06.01
Ausstellungszentrum

Europäische Bilderbogen des 19. und 20. Jahrhunderts
12.05. - 30.06.01
Galerie im Hörsaalbau

Andreas Wachter
Innenräume
Gemälde und Zeichnungen
27.03. - 19.05.01
Ausstellungszentrum

Gerald Müller-Simon
Malerei aus vier Jahrzehnten,
Käte Müller – Bilder
30.01. - 10.03.01
Ausstellungszentrum

Schenkungen und Erwerbungen 1990 – 2000
20.01. - 10.03.01
Galerie im Hörsaalbau

Ursula Mattheuer-Neustädt
Zeichnungen 1970 – 2000
11.11. - 22.12.00
Ausstellungszentrum

Luisa Schatzmann
Erinnerung ist Zukunft, Linolschnitte und Übermalungen
06.11. - 16.12.00
Galerie im Hörsaalbau

10 Jahre Sächsisches Druckgrafik – Symposion
19.09. - 28.10.00
Ausstellungszentrum

Irmgard Horlbeck-Kappler
Sonne im Gestein
Malerei
11.09. - 21.10.00
Galerie im Hörsaalbau

Emiel Hoorne
Meine Reise (1980-2000), Grafische Arbeiten des flämischen Künstlers
08.08. - 26.08.00
Ausstellungszentrum

Meisterwerke italienischer Malerei des XX. Jahrhunderts aus der Sammlung Giovanardi
07.07. - 19.08.00
Galerie im Hörsaalbau

Heinz Wagner
Malerei, ältere und neuere Werke
29.05. - 08.07.00
Ausstellungszentrum

Bert van Bork
Künstlerporträts, Fotografie
15.05. - 30.06.00
Galerie im Hörsaalbau

Otto Berndt Steffen
Skulpturen, Plastiken, Objekte
20.03. - 06.05.00
Ausstellungszentrum

Retrospektive Hans Engels (1924-1995)
Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen
22.01. - 26.02.00
Ausstellungszentrum

Matthias Klemm
Kopfbilder, Grafische Blätter in Wachsgraffito- und Walztechniken
17.01. - 26.02.00
Galerie im Hörsaalbau

Erwin Spindler
Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen
22.11. - 22.12.99
Galerie im Hörsaalbau

Heinz Zander
Zwischen den Inseln
Gemälde des letzten Jahrzehnts
08.11. - 18.12.99
Ausstellungszentrum

Michael Zschocher
Der Clown im Nadelöhr
Bilder
18.10. - 13.11.99
Ausstellungszentrum

9. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
20.09. - 09.10.99
Galerie im Hörsaalbau

Norbert Wagenbrett
Menschenbilder
06.09. - 23.10.99
Ausstellungszentrum

Günter Horlbeck
Werke der neunziger Jahre
Malerei/Zeichnungen
28.06. - 14.08.99
Ausstellungszentrum

Goethes Universität
Die Universität Leipzig zwischen 1730 und 1770
27.04. - 12.06.99
Ausstellungszentrum

Akos Novaky
Bilder
30.03. - 15.05.99
Galerie im Hörsaalbau

Michael Triegel
Malerei, Aquarelle, Zeichnungen
08.03. - 10.04.99
Ausstellungszentrum

Roland R. Richter
zwischen L.E. und Cerro B.
Malerei, Fotografie, Film
23.01. - 27.02.99
Galerie im Hörsaalbau

Heinz Müller
Malerei
18.01. - 27.02.99
Ausstellungszentrum

Walter Gebauer
ein Töpfer aus Bürgel
16.11. - 19.12.98
Galerie im Hörsaalbau

Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau (1769-1857)
Bilder einer Weltreise
09.11. - 19.12.98
Ausstellungszentrum

8. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
28.09. - 30.10.98
Galerie im Hörsaalbau

Ikonomanie – Felix M. Furtwängler
Malerei Assemblage Holzdruck
21.09. - 23.10.98
Ausstellungszentrum

30 Jahre danach
zur Vernichtung der Universitätsbauten am Augustus-/Karl-Marx-Platz 1986
28.05. - 18.07.98
Galerie im Hörsaalbau

HAUS
Malerei, Grafiken und Plastiken Leipziger Künstlerinnen
22.06. - 25.07.98
Galerie im Hörsaalbau

Oswald Tschirtner Gugging
Zeichnungen, farbige Arbeiten auf Papier
19.05. - 27.06.98
Ausstellungszentrum

Wolfgang Böttcher
Grafisches Oeuvre, Kupferstiche, Radierungen, Lithographien
12.05. - 13.06.98
Galerie im Hörsaalbau

Wolfgang Tiemann – Spuren
Malerei, farbige Arbeiten auf Papier, Radierungen, Plastiken
23.03. - 30.04.98
Ausstellungszentrum

Heinz Mäde
Aquarelle aus sieben Jahrzehnten
09.03. - 25.04.98
Galerie im Hörsaalbau

Gert Pötzschig
Malerei, Zeichnungen
09.02. - 13.03.98
Ausstellungszentrum

Petrovsky
Signalstation
21.01. - 21.02.98
Galerie im Hörsaalbau

Hans Hendrik Grimmling
Die Wucht der Bilder
05.01. - 17.01.98
Ausstellungszentrum

Hans Hendrik Grimmling
Die Wucht der Bilder
17.11. - 20.12.97
Ausstellungszentrum

Der Bildhauer Rudolf Oelzner (1906 – 1985)
Plastiken, Medaillen, Modelle, Zeichnungen
12.11. - 19.12.97
Galerie im Hörsaalbau

Wassil Sachariew
Druckgrafik, Aquarelle, Zeichnungen, Ein künstl. Oeuvre zwischen Leipzig und Samokow
18.10. - 06.11.97
Ausstellungszentrum

7. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
22.09. - 25.10.97
Galerie im Hörsaalbau

ZEITGLEICH
Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie
Ausstellung des BBKL e.V.
27.06. - 31.07.97
Galerie im Hörsaalbau

Die Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig und ihre Kunstwerke
07.06. - 27.09.97
Ausstellungszentrum

M. Alf Brumme
Plastik, Raumgestaltung, Glasfenster
20.06. - 27.06.97
Versöhnungskirche Leipzig-Gohlis

Die Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig und ihre Kunstwerke
07.06. - 09.08.97
Ausstellungszentrum

Marc Chagall
Bilder zur Bibel
06.06. - 22.06.97
Galerie im Hörsaalbau

Wunden schlagen – Wunden schließen
Ausstellung zum 27. Evangelischen Kirchen Tag 1997 in Leipzig
30.05. - 21.06.97
Galerie im Hörsaalbau

W.O.F. Aricola
"A" Living Memorial 1000 Jahre, 52 Jahre und noch so schrecklich jung
29.04. - 29.05.97
Galerie im Hörsaalbau

Rolf Münzner
Das Druckgrafische Werk
15.04. - 24.05.97
Ausstellungszentrum

Hans Alexander Müller
Das grafische Werk
21.03. - 19.04.97
Ausstellungszentrum

Rolf Kuhrt
Malerei, Grafik, Plastik
03.03. - 05.04.97
Ausstellungszentrum

Zwischen Ausgrenzung und Vernichtung
Jüdische Musiker/innen in Leipzig und Frankfurt a.M 1933 – 1945
06.02. - 25.03.97

Philipp Melanchthon und Leipzig
18.01. - 28.02.97
Galerie im Hörsaalbau

Fritz Ernst Rentsch 1867-1946
Bilder und dekorative Arbeiten
09.12.96 - 09.01.97
Galerie im Hörsaalbau

Bernhard Heisig
Herbstspaziergang
Neue Bilder 1995/1996
03.12.96 - 25.01.97
Ausstellungszentrum

Die Weiße Rose (Friedrich Ebert Stiftung Leipzig)
18.11. - 20.12.96
Galerie im Hörsaalbau

Marita Schulz
Bilder und farbige Arbeiten auf Papier
aus den Jahren 1976 bis 1996
14.10. - 23.11.96
Galerie im Hörsaalbau

Gil Schlesinger
Bilder 1990 – 1996
07.10. - 02.11.96
Ausstellungszentrum

6. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
02.09. - 05.10.96
Galerie im Hörsaalbau

Ichthyosaurier und Krokodile aus dem Jurameer
13.08. - 29.09.96
Ausstellungszentrum

Günter Thiele
Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik
24.06. - 27.07.96
Ausstellungszentrum

Max Schwimmer (1895-1960)
Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafik
11.04. - 24.05.96
Ausstellungszentrum

Oktaeder
Künstler an der Universität
01.04. - 15.05.96
Galerie im Hörsaalbau

Wilhelm Wundt (1832-1920)
Von Neckerau bis Großbothen
Leben, Werk und Persönlichkeit
26.06. - 23.03.96
Galerie im Hörsaalbau

Ulrich Hachulla
Bilder und Grafiken
19.02. - 16.03.96
Ausstellungszentrum

Marianne Manda introvers extrovers
Radierungen aus den Jahren 1990 bis 1995
15.01. - 17.02.96
Galerie im Hörsaalbau

Wolfgang Mattheuer
Gemälde und Zeichnungen
02.12.95 - 27.01.96
Ausstellungszentrum

Hans Christian Genelli
Architektonische Phantasien,
Studienblätter und Entwürfe
11.11. - 16.12.95
Galerie im Hörsaalbau

Hans Peter Adamski
Gemälde, Wandshiloutten, Skulpturen
06.10. - 18.11.95
Ausstellungszentrum

5. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
18.09. - 21.10.95
Galerie im Hörsaalbau

Goldenes Kloster
Christliche Kunst des 13. – 19. Jahrhunderts aus Bulgarien
11.08. - 16.09.95
Ausstellungszentrum

Paul Zimmermann
Malerei und Grafik
09.06. - 22.07.95
Galerie im Hörsaalbau

Irmgard Horlbeck Kappler
Malerei
08.05. - 17.06.95
Ausstellungszentrum

Otto Herbig
Pastelle, Gemälde, Grafiken
31.03. - 13.05.95
Galerie im Hörsaalbau

Arnd Schultheiss
Collagen, Zeichnungen, Grafiken
27.03. - 29.04.95
Ausstellungszentrum

Bert van Bork
Radierungen, Aquarelle
20.02. - 18.03.95
Galerie im Hörsaalbau

Margaretha Reichardt
Textilkunst
30.01. - 04.03.95
Ausstellungszentrum

Wort als Medien und zeitgenössischer Bild Kulturen
16.01. - 11.02.95
Galerie im Hörsaalbau

Peter Sylvester
Zeit – Raum – Visionen
01.12. - 22.12.94
Uni-Hochhaus, Erdgeschoss

Herbert W. Franke
Bilder nach Programm (Computerkunst aus vier Jahrzehnten)
01.12. - 22.12.94
Galerie im Hörsaalbau

Max Uhlib
Gemälde, Pinselzeichnungen
28.11. - 17.12.94
Ausstellungszentrum

Joachim Scholz
Gemälde, Zeichnungen, Radierungen
01.11. - 26.11.94
Galerie im Hörsaalbau

Jan Kristofori
Gemälde
03.10. - 05.11.94
Ausstellungszentrum

Suzani
raumschmückende Textilien Zentralasiens
26.09. - 22.10.94
Galerie im Hörsaalbau

4. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
29.08. - 17.09.94
Galerie im Hörsaalbau

Werner Tübke
Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
01.08. - 03.09.94
Ausstellungszentrum

1. Leipziger Universitätsmusiktage
26.05. - 25.06.94
Ausstellungszentrum

450 Jahre Leipziger Buchbinderinnung
16.05. - 11.06.94
Galerie im Hörsaalbau

"ZEITLÄUFE"
Sport der bildenden Kunst
Eine Sammlung
24.03. - 27.05.94
AOK Sachsen

Hans Schulze (1904-1982)
Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik
21.03. - 30.04.94
Ausstellungszentrum

Leipziger Künstler zu Leben und Werk
des Dichters F. Hölderlin
10.02. - 26.02.94
Ausstellungszentrum

Emil Schumacher
Bilder auf Papier und Porzellan
24.01. - 26.02.94
Galerie im Hörsaalbau

Günter Richter
Gemälde und Zeichnungen
13.12.93 - 15.01.94
Ausstellungszentrum

Expressiver Realismus
Maler der verschollenen Generation
15.11. - 22.12.93
Galerie im Hörsaalbau

Leipziger jüdische bildende Künstler im Krochhaus
09.11. - 04.12.93
Ausstellungszentrum

3. Sächsisches Druckgrafik – Symposion
18.09. - 23.10.93
Galerie im Universitätshochhaus

A.R. Penck
Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik
Werke aus einer privaten Kollektion
16.09. - 16.10.93
Galerie im Hörsaalbau

Werden und Wandeln eines großen europ. Platzes (Augustusplatz)
24.06. - 31.07.93
Galerie im Universitätshochhaus

Elisabeth Voigt
Anlass zum 100. Geburtstag
Gemälde, Zeichnungen, Grafiken
06.09. - 14.10.93
Ausstellungszentrum

"... ein Stein des Anstoßes und ein Fels Ärgernisses"
Gedenken an die Sprengung der Univ.-Kirche St. Pauli
28.05. - 31.07.93
Ausstellungszentrum

30 Jahre "Illustration 63" 20 Jahre" 20 Jahre "Grafische Kunst"
15.04. - 15.05.93
Galerie im Universitätshochhaus

Clapeko van der Heide
Malerei
07.04. - 08.05.93
Galerie im Hörsaalbau

Expressive Keramik der Wiener Werkstätte
05.04. - 12.05.93
Ausstellungszentrum

Paul Helmut Becker
Gebrauchsgrafik, Marken, Verpackungen, Kalligraphie
09.02. - 27.02.93
Galerie im Hörsaalbau

Klaus Staeck
"Flagge zeigen!"
06.02. - 13.03.93
Ausstellungszentrum

Rolf Weinreich
Gemälde – Arbeiten auf Papier, Druckgrafik
19.12.92 - 23.01.93

19. Leipziger Grafikbörse
17.12. - 21.12.92
Ausstellungszentrum

Johann Adam Klein
Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde, Radierungen
16.11. - 12.12.92
Ausstellungszentrum

Holographische Visionen
Bilder durch Licht zum Leben erweckt
08.10. - 10.12.92
Galerie im Hörsaalbau

Malerei
Grafik – Plastik
29.08. - 26.09.92
Galerie im Hörsaalbau

Günter Horlbeck
Malerei
24.08. - 30.09.92
Ausstellungszentrum

Leipziger Sezession
Malerei, Plastik, Installation,
Klang und Schliemanns Radio
16.07. - 15.08.92
Ausstellungszentrum

Olymp Art
Diplome, Medaillen der Olympischen Spiele
10.07. - 16.08.92

Keramik
Objekte
13.06. - 25.07.92
Galerie im Hörsaalbau

Albanien
Schätze aus dem Land der Skipetaren
15.05. - 13.06.92
Ausstellungszentrum

1. Ausstellung des Bundes bild. Künstler Leipzig e.V.
15.04. - 31.05.92
Galerie im Hörsaalbau

Volker Stelzmann
Gemälde
06.04. - 09.05.92
Ausstellungszentrum

Mumie + Computer
15.02. - 28.03.92
Ausstellungszentrum

Edith Peres-Lethmate
Bronze-Kleinplastiken
11.01. - 01.02.92
Ausstellungszentrum

Fritz Eichenberg
Holzstiche, Buchillustrationen
18.12.91 - 31.01.92
Galerie im Hörsaalbau

18. Leipziger Grafikbörse
16.12. - 21.12.91
Ausstellungszentrum

Jürgen Schäfer
Malerei und Zeichnung
19.10. - 23.11.91
Galerie im Hörsaalbau

Doris Ziegler
Gemälde und Zeichnungen
05.10. - 09.11.91
Ausstellungszentrum

Roland Richter
Interadisiena, Übermalungen und andere Arbeiten
02.09. - 05.10.91
Galerie im Hörsaalbau

Pochior in Leipzig
Schablonengraffiti
01.09. - 09.10.91
Seminargebäude/Globus-Galerie

Günter Albert Schulz
Gemälde – Arbeiten auf Papier
05.08. - 07.09.91
Ausstellungszentrum

AU Ho
Nien Chinesische Malerei
in klassischer Tradition der Lingnan-Schule
01.07. - 27.07.91
Ausstellungszentrum

Arche
Kunst aus Leipzig, Hannover, Berlin und Düsseldorf
27.04. - 17.05.91
Ausstellungszentrum

Grafische Arbeiten
25.05. - 29.06.91
Galerie im Hörsaalbau

Andreas Wachter
Gemälde und Zeichnungen
20.04. - 18.05.91
Galerie im Hörsaalbau

Kunstschätze aus Sachsen
Meisterwerke aus Leipziger Sammlungen
05.04. - 30.06.91
Ausstellungszentrum

Neue Sachlichkeit aus Hannover
16.03. - 24.04.91
Ausstellungszentrum

Hans Mayer-Foreth
Gedächtnisausstellung – Malerei
27.02. - 06.04.91
Galerie im Hörsaalbau

"RAUMZEIT"
P.Sylvester-Malerei/Grafik, U. & Th. Oelzner-Glasplastik, C.Baumann-Konzeption f.e. Ausstellung
29.01. - 02.03.91
Ausstellungszentrum

Johannes Lebek
12.01. - 16.02.91
Galerie im Hörsaalbau

Mozart und Wien
29.11.90. - 15.09.91

17. Grafikbörse
Grafiken und Unikate von 90 Künstlern
14.12. - 16.12.90
Ausstellungszentrum

Literaten und Literatur aus Baden-Württemberg
15.11. - 24.11.90
Ausstellungszentrum

Brigida Böttcher
Malerei, Grafik, Keramik
10.11. - 15.12.90
Galerie im Hörsaalbau

Johannes Gruetzke
Malerei, Grafik
13.10. - 03.11.90
Ausstellungszentrum

Bernhard Schurian
"Begegnungen"
Ein Münchener Fotograf sieht Leipziger Maler
22.09. - 27.10.90
Galerie im Hörsaalbau

Keramische Tafelfreuden
Geschirr aus Töpfer`s Hand
01.09. - 06.10.90
Ausstellungszentrum

Literatur und Zeiterlebnis
09.06. - 14.07.90
Ausstellungszentrum

Leipziger Bilderbogen
Nr. 1 – 50 und keiner mehr
18.05. - 07.07.90
Galerie im Hörsaalbau

Albrecht Gehse
Malerei
18.01. - 28.02.90
Galerie im Hörsaalbau

Rolf Huhn
Malerei, Grafik
07.12. - 14.01.90
Galerie im Hörsaalbau

Kollegen
24.09. - 29.10.88
Galerie im Hörsaalbau

Ägyptische Kunst aus Dresden
17.06. - 09.09.89
Ausstellungszentrum

Elf zum Vierzigsten
11 Kollegen des FB Kunsterziehung stellen aus
30.09. - 04.11.89
Galerie im Hörsaalbau

Instrumenta Medicinae
25.02. - 20.05.89
Ausstellungszentrum

Leipziger Stecherkunst im XX. Jahrhundert
14.01. - 22.02.89
Galerie im Hörsaalbau

50. Jahrestag der faschistischen Pogromnacht
07.11. - 17.12.88
Ausstellungszentrum

Juden in Leipzig
05.11. - 17.12.88
Ausstellungszentrum

Zeitgenössische Keramik aus der BRD
01.08. - 30.09.88
Ausstellungszentrum

Philipp Erasmus Reich
Verleger der Aufklärung und
Reformer des deutschen Buchhandels
11.03. - 25.06.88
Ausstellungszentrum

Malerei und Grafik
Syrische Arabische Republik
01.02. - 26.02.88
Galerie im Hörsaalbau

Gerd Thielemann
Landschaften
14.11. - 19.12.87
Galerie im Hörsaalbau

Bernhard Heisig
Gemälde, Handzeichnungen, Druckgrafiken
24.10. - 19.12.87
Ausstellungszentrum

Aitmatow
Der Tag zieht den Jahrhundertweg
25.09. - 01.11.87
Galerie im Hörsaalbau

Horst Skorupa
Keramik, Malerei
13.06. - 18.07.87
Galerie im Hörsaalbau

Handeinbände/Werkkunst
10.01. - 28.02.87
Galerie im Hörsaalbau

Erich Weber
Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen
15.11. - 20.12.86
Galerie im Hörsaalbau

Leipziger Klavierbau seit 1800
15.03. - 06.09.86
Ausstellungszentrum

Heinz Ebenhard Strüning
Ausstellung
20.09. - 25.10.86
Galerie im Hörsaalbau

Grafik aus Kraków
31.05. - 28.06.86
Galerie im Hörsaalbau

Wolfgang Böttcher
Gemälde, Zeichnung, Druckgrafik
11.01. - 28.02.86
Galerie im Hörsaalbau

Werner Tübke
Ausstellung
09.12.85 - 31.01.86
Galerie im Hörsaalbau

Wilhelm Wagenfeld
Produktgestaltung für die Industrie seit 60 Jahren
20.11. - 20.12.85
Galerie im Hörsaalbau

Günter Albert Schulz
Gemälde, Pastellen, Zeichnungen, Radierungen
19.09. - 26.10.85
Galerie im Hörsaalbau

Wunderwelt der Minerale
Kunstwerke der Natur
01.07. - 31.10.85
Ausstellungszentrum

Künstlerische Keramik der DDR
25.03. - 23.05.85
Galerie im Hörsaalbau

Joachim Kratsch
Ausstellung
16.01. - 28.02.85
Galerie im Hörsaalbau

Universitas Literarum Lipsiensis 1409 – 1984
15.10.84 - 31.01.85

Peter Schnürpel
Malerei, Handzeichnung, Druckgrafik
21.09. - 03.11.84
Galerie im Hörsaalbau

Antike Kunst im Mittelmeerraum
04.06. - 15.09.84
Ausstellungszentrum

Sighard Gille
Malerei, Zeichnungen, Druckgrafik, Figuren
23.06. - 28.07.84
Galerie im Hörsaalbau

Kunstschätze der Alma Mater Lipsiensis
10.03. - 15.05.84
Galerie im Hörsaalbau

Hans Schulze
Ausstellung
03.02. - 29.02.84
Galerie im Hörsaalbau

Siegfried Ratzlaff
Ausstellung
03.01. - 31.01.84
Galerie im Hörsaalbau

Luther und Leipzig
03.09. - 31.12.83
Ausstellungszentrum

Profile Leipziger Kunsthandwerker
24.11. - 22.12.83
Galerie im Hörsaalbau

"Danke, Karl" Karl Marx
Typografische Poster & Grafische Blätter
05.08. - 09.10.83
Landschaftsmuseum Bad Düben

"Danke, Karl" Karl Marx
Typografische Poster & Grafische Blätter
28.05. - 04.06.83
Jugendklubhaus Eilenburg

Ulrich Hachulla
Ausstellung
18.06. - 23.07.83
Galerie im Hörsaalbau

Fritz Zalisz
Gemälde, Aquarelle, Druckgrafiken, Plastiken
22.01. - 26.02.83
Galerie im Hörsaalbau

Prof. Rolf Kuhrt
Ausstellung Druckgrafik und Handzeichnungen
13.11. - 18.12.82
Galerie im Hörsaalbau

Gabriele Meyer Dennewitz
Malerei, Grafik, Handzeichnung
12.06. - 24.07.82
Galerie im Hörsaalbau

Robert Sterl
Ausstellung
09.01. - 25.02.82
Galerie im Hörsaalbau

Heiner H. Körting
Keramik Rudolf Stundl und
die Fischerteppiche von der Ostsee
05.12. - 23.12.81
Galerie im Hörsaalbau

Jürgen Schäfer
Gemälde, Zeichnungen, Grafik, Plastik
17.10. - 25.11.81
Galerie im Hörsaalbau

Peter Sylvester
Grafiken, Aquarelle, Gemälde, Fotos
13.06. - 18.07.81
Galerie im Hörsaalbau

Frank Neubauer
Hundert Plakate
24.02. - 28.02.81
Galerie im Hörsaalbau

Richard Dölker
Batik, Aquarelle, Zeichnungen,
Klebebilder, Keramik
06.12.80 - 10.01.81
Galerie im Hörsaalbau

Volker Stelzmann
Gemälde, Radierungen, Zeichnungen
28.10. - 29.11.80
Galerie im Hörsaalbau

Gerhard Kurt Müller
Skulpturen und Zeichnungen
19.01. - 22.02.79
Galerie im Hörsaalbau

Siegfried Ratzlaff
Handzeichnungen, Druckgrafiken, Gemälde
10.05. - 30.05.74
Erdgeschoss-Foyer

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