Unsere Kunstsammlung umfasst ca. 10.000 Objekte – Gemälde, Plastik, Grafik und Kunsthandwerk vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. Einen Teil der Kunstwerke zeigen wir dauerhaft oder temporär in Ausstellungen, andere Objekte lagern wir in unseren Depots. Die Kustodie verwaltet zudem auch alle Kunstgüter in den Einrichtungen, Fakultäten und Instituten der Universität, ob beweglich oder baugebunden. Auch das Gemälde im Büro des Professors oder ein Denkmal im öffentlichen Raum gehören beispielsweise dazu – wir verwalten den gesamten Kunstbesitz unserer Universität.

Kunstwerk des Monats Juli

Gustav Adolph Hennig (1797–1869)
Der Ägyptologe Gustav Seyffarth (1796–1885)
1837
Öl auf Leinwand
101 x 77 cm (Bildträger)
links unten signiert und datiert: „(Monogramm mit den lig. Buchst.) GAH p. 1837", auf der Rückseite sekundär bezeichnet
Inventarnummer 1951:225
(Alte Inventarnummer: 1913:420ua)
historischer Besitz

Gustav Adolph Hennig, Bildnis des Ägyptologen Gustav Seyffarth, 1837
Gustav Adolph Hennig, Bildnis des Ägyptologen Gustav Seyffarth, 1837

Am 14. Juli 2022 wird im Ägyptischen Museum die Ausstellung „Neue Wege zu alten Weisheiten – 200 Jahre Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen“ eröffnet. In der Ausstellung werden auch Kunstwerke aus unserer Sammlung präsentiert, und eines davon möchten wir als Kunstwerk des Monats Juli vorstellen: das Bildnis des Leipziger Ägyptologen Gustav Seyffarth.

In den vergangenen Jahren konnten Nutzer der Universitätsbibliothek das Gemälde im Hauptlesesaal der Universitätsbibliothek bewundern, wenn sie kurz die Lektüre unterbrachen und von den Büchern aufschauten. Auch bis 1994 befand es sich im Bestand der Universitätsbibliothek, danach war es bis 2006 am alten Standort des Ägyptischen Museums in der Schillerstraße 6 ausgestellt.

Das von dem Leipziger Maler Gustav Adolf Hennig 1837 geschaffene Hüftbild zeigt Seyffarth an einer Balustrade lehnend, während sein Blick am Betrachter vorbei gerichtet ist. Er befindet sich in der Loggia eines Hauses, von der sich die Sicht auf mehrere Häuser einer italienischen Stadt öffnet. Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette gegen den weiten Himmel. Über der Balustrade hängt ein Papierbogen mit der Nachzeichnung eines ägyptischen Reliefs, das neben Hieroglyphen auch Darstellungen eines betenden Pharaos vor einer thronenden Gottheit und mehrere Horusfalken aufweist. Diese Darstellungen verweisen auf Seyffahrts Abschriften ägyptischer Hieroglyphen während seiner Studienreisen durch Europa.

Sein Mantel, der ihm von der Schulter geglitten ist, dient hier als Symbol des Reisenden. Das in einem warmen Grau schimmernde Seidenfutter harmoniert mit der in der Ferne liegenden Bergkette. In der Hand hält er einen Zeichengriffel. Das wie eine Momentaufnahme wirkende Porträt verweist auf Seyffarths Arbeit an den ägyptischen Hieroglyphen während seiner Studienreisen.

Gustav Seyffarth wurde 1756 in Übigau bei Thorgau geboren und studierte von 1815 bis 1819 in Leipzig Theologie und klassische Sprachen und promovierte 1823 zur Phonologie des Griechischen und Lateinischen. 1825 erhielt er in Leipzig eine außerordentliche Professur für Philosophie und hielt die erste ägyptologische Vorlesung. Gemeinsam mit seinem Lehrer Friedrich August Wilhelm Spohns (1792–1824) legte er die Anfänge für die  deutsche Ägyptologie als akademische Fachrichtung. Im gleichen Jahr begann Seyffarth postum mit der Herausgabe von Spohns Hauptwerk „De lingua et literis veterum Aegyptiorum", in welchem er sich mit der Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen beschäftigte.

Wie Spohn war auch Seyffarth ein erbitterter Gegner von Jean-François Champollion (1790–1832), dem 1822 mit Hilfe des Steins von Rosetta die Entzifferung der Hieroglyphen gelungen war. Zwar stimmte Seyffarth in eigenen Ansätzen mit Champollion überein, doch aufgrund der ausbleibenden Anerkennung für sein Entzifferungssystem begann er sich zunehmend innerhalb der wissenschaftlichen Welt zu isolieren. Seine Entdeckung des komplexen ägyptischen Schriftsystems wurde später von Karl Richard Lepsius (1810–84), dem Vollender des Champollion’schen Entzifferungssystems, aufgegriffen.

Seyffarth wanderte schließlich in die USA aus, wo er nach einer dreijährigen Professur am Concordie College in St. Louis 1885 in New York vereinsamt starb.

Anders als Champollion oder Lepsius war es Seyffarth, auf Grund fehlender finanzieller Mittel, nicht möglich selbst nach Ägypten zu reisen. Stattdessen besuchte er die damals wichtigsten ägyptischen Sammlungen Europas und fertigte ca. 10 000 Abschriften ägyptischer Texte an; zudem gelang es ihm, den Turiner Königspapyrus fast vollständig aus vielen Fragmenten wieder zusammenzusetzen.  

Bleibendes Andenken gebührt Seyffarth, der als Gründungsmitglied in die königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften berufen wurde, da er 1842 die sächsische Regierung zum Ankauf des Holzsarges des Hedbastiru bewegte und so den Grundstock für das künftige Leipziger Ägyptische Universitätsmuseum legte.

Sein Porträtist Gustav Adolf Hennig gehörte zu den produktivsten Malern Leipzigs im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Er absolvierte seine Ausbildung in Dresden und war hauptsächlich in Leipzig und Umgebung tätig. Während eines Italienaufenthalts von 1822 bis 1826 schloss er sich den in Rom lebenden Künstlern an und war, von den Nazarenern beeinflusst, als Historienmaler tätig. 1832/33 reiste er ein zweites Mal nach Italien. Möglicherweise lernten sich Seyffarth und Henning während ihrer zeitgleichen Aufenthalte in Florenz im Jahr 1826 kennen.

Henning war er ein begehrter Porträtmaler der Leipziger Gesellschaft. Von ihm besitzt die Universität heute mit den Bildnissen des Wiederherstellers der Deutschen Gesellschaft Christian Ludwig Stieglitz (1756–1836) aus dem Jahr 1830 und des Juristen Carl Friedrich Günther (1786–1864) als Ordinarius der Juristenfakultät von 1865 noch zwei weitere Porträts.

Text: Emily Lutterkort

Sammlungsgebiete

Seit der Gründung unserer Universität im Jahr 1409 bilden akademische Gerätschaften den Grundstock der Kunstsammlung. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie immer mehr an: durch Auftragsarbeiten für die Ausstattung von Gebäuden, durch die Übereignung von Porträts durch Professoren und Rektoren, durch Schenkungen, Vermächtnisse und Stiftungen. Diese Sammlung ist nicht planvoll angelegt, sondern historisch gewachsen.

Insignien und universitätsgeschichtliche Gegenstände

Wertvolle Insignien bilden den kostbarsten Besitz unserer Universität. Die prunkvollen goldenen Zepter oder das kunstreich gestaltete kleine Universitätsiegel zeigen wir in unserer Dauerausstellung im Rektoratsgebäude. Mit der Rektorkette kam Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Insignie hinzu. Zu diesem Sammlungsbereich gehören auch Fahnen, Pokale und Studentica.

Die goldene und reich bestückte Rektorkette der Universität Leipzig aus dem Jahr 1855.
Die silbernen und goldenen Elemente der Zepter der Universität Leipzig finden ihren Höhepunkt in der prächtigen Krone am oberen Ende.
Das mit Arkantusblättern verzierte Siegel der Universität Leipzig ist in Silber gegossen und zeigt auf der Stempelseite das Siegel des Rektors.

Kloster und Universitätskirche St. Pauli

Nach der Reformation erhielt unsere Universität durch die Schenkung des Paulinerklosters und der Kirche einen beachtlichen Bestand an mittelalterlichen Gemälden und Plastiken. Dazu zählen neben den Fresken des Dominikanerklosters und Skulpturen aus dem Klosterbesitz, wie die des Thomas von Aquin, Dietrich von Wettin oder des Apostels Paulus, auch einige frühe Grabplatten und der Paulineraltar. Die Epitaphien der Universitätskirche St. Pauli entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Die gedunkelte Sandsteinfigur zeigt den Heiligen Paulus mit einem Buch in der linken Hand, die recht Hand fehlt.
Die zweiseitige Tafel zeigt auf der Vorderseite Maria, die einem Mönch das Gefäß der Erwählung präsentiert.
Ein gebrannter Ziegelstein zeigt die Jahreszahl 1513 und ist dem alten Paulinerkloster zuzuordnen.

Porträtgalerien

Bildnisse bedeutender Persönlichkeiten der Universitätselite, berühmte Wissenschaftler und Gelehrte sind in Porträtgalerien zusammengefasst. Die Professorengalerie der Universitätsbibliothek umfasst Porträts des 16. bis 18. Jahrhunderts. Einen Großteil davon stellen wir heute im ersten Obergeschoss des Neuen Augusteums aus. Die Ordinariengalerie der Juristenfakultät überliefert nahezu vollständig Bildnisse aller juristischen Ordinarien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Private Ursprünge hat die Freundschaftsgalerie des Leipziger Verlegers Philip Erasmus Reich mit Porträts bedeutender Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Wir zeigen diese fast vollständig in der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude.

Im 19. Jahrhundert gab die Universität zur Ausstattung des neuen Hauptgebäudes repräsentative Denkmale und Büsten in Auftrag, um Personen zu ehren, die sich besondere Verdienste für die Universität erworben hatten. Ein „Büstenhain“ wird im Foyer des neuen Augusteums aufgestellt (in Planung).

Das Porträt zeigt den Juristen Michael Wirth in Richterrobe
Das Porträt des Mediziners Johannes Hoppe präsentiert ihn in zeitgenössischer Kleidung und langem roten Haar
Das goldgerahmte Porträt zeigt den Leipziger Verleger Reich mit reich bestickter roter Kleidung und Perücke

Grafik

Die reichen Grafikbestände unserer Sammlung umfassen ganz unterschiedliche Konvolute. Neben der Grafiksammlung des Karl-Sudhoff-Instituts und dem zeichnerischen Nachlass von W. G. Tilesius von Tillenau (vgl. dazu unser Forschungsprojekt) sind die Handzeichnungen von B. und C. Genelli oder die Werke des Leipziger Kupferstechers Johann Friedrich Bause besonders hervorzuheben.

Eine Szenerie mit mehreren Personen konzentriert sich im Mittelpunkt auf einen Mann, der liegend auf einem Fels von einem Putten einen Spiegel vorgehalten bekommt.
Eine architektonische Inszenierung eines Porträts des Verstorbenen, in welcher ein kleiner Putte vor einem Grabstein unterhalb des Porträts sitzt
Die Grafik zeigt einen Menschen im Profil und beschreibt die verschiedenen Ebenen seines intellektuellen Denkens

Kunst der DDR

Zu Zeiten der DDR förderte die „Karl-Marx-Universität“ insbesondere Ausstellungen zeitgenössischer Künstler: Neubauten sollten mit sozialistischer Kunst geschmückt werden. So entstanden Kunstwerke unter ideologischen Vorzeichen, wie das Fassaderelief „Aufbruch“ oder das Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ von Werner Tübke. Die Kunstsammlung der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) ging in unseren Bestand über. Darunter finden sich herausragende Kunstwerke wie der „Weitspringer“ von Willi Sitte aus dem Jahr 1976 oder das "Bildnis der Eiskunstläuferin Katharina Witt" von Heinz Wagner (1986). Auch bedeutende Werke der Leipziger Schule – von Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Bernhard Heisig oder Heinz Zander – gehören zu unserem Bestand. Die Universität erhielt außerdem Künstlernachlässe, zum Beispiel von H. E. Strüning und Rudolf Oelzner.

Prächtige Farben bilden eine Stadtansicht Moskaus ab
Kurt Dornis, Moskau, 1976, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Das könnte Sie auch interessieren

Datenbank

mehr erfahren

Vermisste Objekte

mehr erfahren

Restaurierung

mehr erfahren