Unsere Kunstsammlung umfasst ca. 10.000 Objekte – Gemälde, Plastik, Grafik und Kunsthandwerk vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. Einen Teil der Kunstwerke zeigen wir dauerhaft oder temporär in Ausstellungen, andere Objekte lagern wir in unseren Depots. Die Kustodie verwaltet zudem auch alle Kunstgüter in den Einrichtungen, Fakultäten und Instituten der Universität, ob beweglich oder baugebunden. Auch das Gemälde im Büro des Professors oder ein Denkmal im öffentlichen Raum gehören beispielsweise dazu – wir verwalten den gesamten Kunstbesitz unserer Universität.

In einer Flußlandschaft laufen drei Männer am Ufer, sie ziehen Holzkarren hinter sich her, in denen sich Steine befinden. Im Mittelgrund ist der Fluss, die Elbe, zu sehen, auf dem von links ein großes Schiff in Richtung Bildmitte fährt, im Hintergrund befindet sich eine große Steinbrücke mit drei Bögen. Der Malstil ist impressionistisch, vor allem der Fluss setzt sich aus vielen einzelnen Farbtupfern zusammen.
Robert Hermann Sterl, Elbearbeiter, 1906

Kunstwerk des Monats September

Robert Hermann Sterl (1867–1932)
Elbarbeiter, 1906
Öl auf Leinwand
81 x 115 cm (Bildträger)
signiert und datiert unten rechts im Bild: Robert Sterl 06
Inv. Nr. 1951:411a

Unser Kunstwerk des Monats September führt zurück in die Arbeitswelt des frühen 20. Jahrhunderts. Das Gemälde „Elbarbeiter“ entstand 1906 direkt im Anschluss und unter der Eindrücken einer Reise nach Holland, wo Sterl, im selben Jahr zum Professor an der Dresdner Kunstakademie berufen, eigentlich vorgehabt hatte, Kunst und Landschaft zu studieren. Er ließ sich jedoch nicht nur von Werken Rembrandts, sondern auch von der hektischen Atmosphäre des Überseehafens von Rotterdam gefangen nehmen. Dort beobachtete er Arbeiter bei ihren repetitiven und kräftezehrenden Tätigkeiten. Zurück in Dresden entstand die durch eine an der Bilddiagonalen ausgerichteten Rhythmisierung der Lastarbeiter geprägte Komposition. Das Gemälde zeigt drei Männer, die an der neuen Befestigung des Dresdner Elbufers arbeiten. Im gleißenden Sonnenlicht ziehen sie Holzkarren den Kai herunter. Alle drei tragen weiße Arbeitshemden, die Ärmel sind hochgerollt; die Haut der Arme und ihre Gesichter sind von der Arbeit unter freiem Himmel sonnenverbrannt. Ihre Bewegungen sind parallel, aufgerichtet stemmen sie sich gegen den Schub ihrer Karren. Der vorderste Arbeiter hat seinen Blick auf den Fluss gerichtet, wo ein dampfbetriebenes Schiff fährt. Im Hintergrund ist die alte Dresdner Augustusbrücke zu erkennen. In seiner Maltechnik ist Sterl dem Impressionismus verpflichtet, der partienweise pointilistische Farbauftrag vermittelt den Eindruck gleißenden Lichts und tanzender Reflektionen auf der Wasseroberfläche.

Bilder von Arbeitern und Bauern, von Schiffsziehern, Elbbaggerern, Steinbrechern und in der Tongrube arbeitenden Männern und Frauen prägen das Oeuvre des Dresdener Impressionisten. Dies ist vermutlich ein Grund, wieso die Werke des Künstlers als Darstellungen des „Selbstbewußtseins des Arbeiters“ in der DDR großes Ansehen genossen, er in den alten Bundesländern jedoch, anders als Max Liebermann (1847-1935), Fritz von Uhde (1848-1911), Lovis Corinth (1858-1925) und Max Slevogt (1868-1932), beinahe in Vergessenheit geriet. Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts waren mit dem Realismus Bilder physisch kräftezehrender Arbeit zu einem Thema der Kunst geworden. Gustave Courbets „Steineklopfer“ (1849) machte zwei Arbeiter lebensgroß und ganzfigurig zum Bildgegenstand ­– eine Darstellungsweise, die damals in manchen Kreisen Entrüstung auslöste.

Das Gemälde der „Elbarbeiter“ hatte Sterl 1906 auf der 11. Ausstellung der Berliner Secession und 1908 auf der Großen Kunstausstellung in Dresden präsentiert, später dann an Frau Dr. Gertraud Wolf in München verkauft. Als er 1914 zur Sezessionsausstellung in München war, stattete er der Käuferin einen Besuch ab und berichtete später: „Mein Bild ‚Die Arbeiter‘, wirkt ganz ausgezeichnet in ihrer Wohnung.“ Einige Jahre darauf kaufte Sterl das Werk aus nicht bekannten Gründen Wolf wieder ab. Als Schenkung des Künstlers gelangte es schließlich 1931 in den Besitz der Universität Leipzig; dies war Ausdruck des Danks für die Sterl 1927 durch die Philosophische Fakultät verliehene Ehrendoktorwürde. Die Initiative dafür ging vom sächsischen Staatsminister des Inneren, Prof. Apelt aus, der darin die Möglichkeit sah, den beliebten Künstler und Dresdner Akademieprofessor anlässlich seines 60. Geburtstags eine hohe Anerkennung zukommen zu lassen. Zuvor war schon den Dresdner Künstlern Julius Schnorr von Carolsfeld, Adrian Ludwig Richter und Ernst Hähnel diese Ehrung zu Teil geworden.

Christine Hübner

Sammlungsgebiete

Seit der Gründung unserer Universität im Jahr 1409 bilden akademische Gerätschaften den Grundstock der Kunstsammlung. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie immer mehr an: durch Auftragsarbeiten für die Ausstattung von Gebäuden, durch die Übereignung von Porträts durch Professoren und Rektoren, durch Schenkungen, Vermächtnisse und Stiftungen. Diese Sammlung ist nicht planvoll angelegt, sondern historisch gewachsen.

Insignien und universitätsgeschichtliche Gegenstände

Wertvolle Insignien bilden den kostbarsten Besitz unserer Universität. Die prunkvollen goldenen Zepter oder das kunstreich gestaltete kleine Universitätsiegel zeigen wir in unserer Dauerausstellung im Rektoratsgebäude. Mit der Rektorkette kam Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Insignie hinzu. Zu diesem Sammlungsbereich gehören auch Fahnen, Pokale und Studentica.

Die goldene und reich bestückte Rektorkette der Universität Leipzig aus dem Jahr 1855.
Die silbernen und goldenen Elemente der Zepter der Universität Leipzig finden ihren Höhepunkt in der prächtigen Krone am oberen Ende.
Das mit Arkantusblättern verzierte Siegel der Universität Leipzig ist in Silber gegossen und zeigt auf der Stempelseite das Siegel des Rektors.

Kloster und Universitätskirche St. Pauli

Nach der Reformation erhielt unsere Universität durch die Schenkung des Paulinerklosters und der Kirche einen beachtlichen Bestand an mittelalterlichen Gemälden und Plastiken. Dazu zählen neben den Fresken des Dominikanerklosters und Skulpturen aus dem Klosterbesitz, wie die des Thomas von Aquin, Dietrich von Wettin oder des Apostels Paulus, auch einige frühe Grabplatten und der Paulineraltar. Die Epitaphien der Universitätskirche St. Pauli entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Die gedunkelte Sandsteinfigur zeigt den Heiligen Paulus mit einem Buch in der linken Hand, die recht Hand fehlt.
Die zweiseitige Tafel zeigt auf der Vorderseite Maria, die einem Mönch das Gefäß der Erwählung präsentiert.
Ein gebrannter Ziegelstein zeigt die Jahreszahl 1513 und ist dem alten Paulinerkloster zuzuordnen.

Porträtgalerien

Bildnisse bedeutender Persönlichkeiten der Universitätselite, berühmte Wissenschaftler und Gelehrte sind in Porträtgalerien zusammengefasst. Die Professorengalerie der Universitätsbibliothek umfasst Porträts des 16. bis 18. Jahrhunderts. Einen Großteil davon stellen wir heute im ersten Obergeschoss des Neuen Augusteums aus. Die Ordinariengalerie der Juristenfakultät überliefert nahezu vollständig Bildnisse aller juristischen Ordinarien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Private Ursprünge hat die Freundschaftsgalerie des Leipziger Verlegers Philip Erasmus Reich mit Porträts bedeutender Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Wir zeigen diese fast vollständig in der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude.

Im 19. Jahrhundert gab die Universität zur Ausstattung des neuen Hauptgebäudes repräsentative Denkmale und Büsten in Auftrag, um Personen zu ehren, die sich besondere Verdienste für die Universität erworben hatten. Ein „Büstenhain“ wird im Foyer des neuen Augusteums aufgestellt (in Planung).

Das Porträt zeigt den Juristen Michael Wirth in Richterrobe
Das Porträt des Mediziners Johannes Hoppe präsentiert ihn in zeitgenössischer Kleidung und langem roten Haar
Das goldgerahmte Porträt zeigt den Leipziger Verleger Reich mit reich bestickter roter Kleidung und Perücke

Grafik

Die reichen Grafikbestände unserer Sammlung umfassen ganz unterschiedliche Konvolute. Neben der Grafiksammlung des Karl-Sudhoff-Instituts und dem zeichnerischen Nachlass von W. G. Tilesius von Tillenau (vgl. dazu unser Forschungsprojekt) sind die Handzeichnungen von B. und C. Genelli oder die Werke des Leipziger Kupferstechers Johann Friedrich Bause besonders hervorzuheben.

Eine Szenerie mit mehreren Personen konzentriert sich im Mittelpunkt auf einen Mann, der liegend auf einem Fels von einem Putten einen Spiegel vorgehalten bekommt.
Eine architektonische Inszenierung eines Porträts des Verstorbenen, in welcher ein kleiner Putte vor einem Grabstein unterhalb des Porträts sitzt
Die Grafik zeigt einen Menschen im Profil und beschreibt die verschiedenen Ebenen seines intellektuellen Denkens

Kunst der DDR

Zu Zeiten der DDR förderte die „Karl-Marx-Universität“ insbesondere Ausstellungen zeitgenössischer Künstler: Neubauten sollten mit sozialistischer Kunst geschmückt werden. So entstanden Kunstwerke unter ideologischen Vorzeichen, wie das Fassaderelief „Aufbruch“ oder das Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ von Werner Tübke. Die Kunstsammlung der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) ging in unseren Bestand über. Darunter finden sich herausragende Kunstwerke wie der „Weitspringer“ von Willi Sitte aus dem Jahr 1976 oder das "Bildnis der Eiskunstläuferin Katharina Witt" von Heinz Wagner (1986). Auch bedeutende Werke der Leipziger Schule – von Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Bernhard Heisig oder Heinz Zander – gehören zu unserem Bestand. Die Universität erhielt außerdem Künstlernachlässe, zum Beispiel von H. E. Strüning und Rudolf Oelzner.

Prächtige Farben bilden eine Stadtansicht Moskaus ab
Kurt Dornis, Moskau, 1976, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

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