Unsere Kunstsammlung umfasst ca. 10.000 Objekte – Gemälde, Plastik, Grafik und Kunsthandwerk vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. Einen Teil der Kunstwerke zeigen wir dauerhaft oder temporär in Ausstellungen, andere Objekte lagern wir in unseren Depots. Die Kustodie verwaltet zudem auch alle Kunstgüter in den Einrichtungen, Fakultäten und Instituten der Universität, ob beweglich oder baugebunden. Auch das Gemälde im Büro des Professors oder ein Denkmal im öffentlichen Raum gehören beispielsweise dazu – wir verwalten den gesamten Kunstbesitz unserer Universität.

Kunstwerk des Monats

Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau (1769–1857)

Kibatsch nebst dem Quanwon Tempel
Aquarellierte Federzeichnung, Winter 1804/05
Blattmaß: 21,2 x 42 cm

Nicht signiert, undatiert, bezeichnet durch beigefügten Schriftstreifen
Inv.-Nr. TIL015

Unser Kunstwerk des Monats Januar ist die Zeichnung „Kibatsch nebst dem Quanwon Tempel“ von Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau (1769–1857). Die aquarellierte, im Winter 1804/05 entstandene Federzeichnung präsentiert sich in winterlich-kühlen Farben und zeigt eine japanische Landschaft. Sie ist Teil des umfangreichen Nachlasses des Naturforschers, Arztes und Zeichners Tilesius von Tilenau.

Über einem kühl schimmernden, wellenlosen See im unteren Bildbereich erstreckt sich eine weitläufige, teils begrünte, teils karge-bergige Hügellandschaft. Der Himmel zeigt sich wolkenverhangen in blassen Tönen. Am Ufer des Sees liegen bildmittig mehrere Boote an einem langgezogenen, ebenen Platz. Über diesen verteilen sich mehrere Personengruppen, einige tragen Offizierskleidung. Mehrere Wege führen zu den drei tempelartigen, auf verschiedenen Höhen angesiedelten Gebäuden. Die kunstvolle Zeichnung gehört zu den Blättern, welche den Aufenthalt der russischen Delegation in Japan dokumentieren. Laut den Aufzeichnungen Georg Heinrich von Langsdorffs (1774–1852), der die Expedition ebenfalls als Naturforscher begleitete, wurde Ende Oktober „den Offizieren in der Nähe unseres Ankerplatzes (ein) Flecken, Kibatsch genannt, für Spaziergänge" freigegeben. „Es war ein ringsum mit Bambusrohr eingefaßter Platz, der ungefähr zweimal so lang wie unser Schiff war; er war geebnet, aller Pflanzen beraubt und mit Sand bestreut worden. Ein kleines nach vorn offenes Holzhäuschen sollte zum Schutz gegen Regen und zum Ausruhen dienen." Die Zeichnung könnte den von Langsdorff erwähnten Besuch einiger Offiziere am 3. November 1804 schildern. Links neben dem Lager liegt auf einem Hügel der Quanwon-Tempel. Auf dem Berg scheint sich ein weiterer Tempel zu befinden, der von zahlreichen, schwarzgekleideten Personen angestrebt wird.

Annähernd zeitgleich mit Alexander von Humboldts Amerikareise (1799–1804) umsegelte Tilisius von Tilenau die Welt. Er zeichnete und dokumentierte im Dienst der Forschung. Größtenteils entstanden seine Werke 1803–1807 während der ersten russischen Weltumsegelung unter Adam Johann von Krusenstern (1770–1846). In seiner Doppelbegabung als Naturwissenschaftler und akademisch geschulter Zeichner hielt Tilesius auf der Reise zoologische, botanische, anthropologische und topographische Beobachtungen fest. Farbenprächtige und wissenschaftlich exakte Darstellungen von Vögeln, Fischen und Pflanzen finden sich hier ebenso wie die topographisch korrekte Erfassung von Landschaften, kulturtypischen Bauten und Ereignissen.

Das Konvolut von Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau befindet sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts an der Universität Leipzig. Insgesamt umfasst der zeichnerische Nachlass 236 Tusche-, Aquarell- und Gouachezeichnungen. Beinahe alle tragen sowohl vorder- als auch rückseitig zum Teil ausführliche, handschriftliche Anmerkungen. Nach und nach wird das Konvolut restauratorisch und bestandserhaltend bearbeitet. Durch die Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung (Corona-Förderlinie zur Unterstützung von Freiberuflern an Museen und Sammlungen) sowie der KEK (Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts) konnte 2021 mit der Rettung der teilweise schwer geschädigten Objekte begonnen werden.

Sammlungsgebiete

Seit der Gründung unserer Universität im Jahr 1409 bilden akademische Gerätschaften den Grundstock der Kunstsammlung. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie immer mehr an: durch Auftragsarbeiten für die Ausstattung von Gebäuden, durch die Übereignung von Porträts durch Professoren und Rektoren, durch Schenkungen, Vermächtnisse und Stiftungen. Diese Sammlung ist nicht planvoll angelegt, sondern historisch gewachsen.

Insignien und universitätsgeschichtliche Gegenstände

Wertvolle Insignien bilden den kostbarsten Besitz unserer Universität. Die prunkvollen goldenen Zepter oder das kunstreich gestaltete kleine Universitätsiegel zeigen wir in unserer Dauerausstellung im Rektoratsgebäude. Mit der Rektorkette kam Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Insignie hinzu. Zu diesem Sammlungsbereich gehören auch Fahnen, Pokale und Studentica.

Die goldene und reich bestückte Rektorkette der Universität Leipzig aus dem Jahr 1855.
Die silbernen und goldenen Elemente der Zepter der Universität Leipzig finden ihren Höhepunkt in der prächtigen Krone am oberen Ende.
Das mit Arkantusblättern verzierte Siegel der Universität Leipzig ist in Silber gegossen und zeigt auf der Stempelseite das Siegel des Rektors.

Kloster und Universitätskirche St. Pauli

Nach der Reformation erhielt unsere Universität durch die Schenkung des Paulinerklosters und der Kirche einen beachtlichen Bestand an mittelalterlichen Gemälden und Plastiken. Dazu zählen neben den Fresken des Dominikanerklosters und Skulpturen aus dem Klosterbesitz, wie die des Thomas von Aquin, Dietrich von Wettin oder des Apostels Paulus, auch einige frühe Grabplatten und der Paulineraltar. Die Epitaphien der Universitätskirche St. Pauli entstanden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

Die gedunkelte Sandsteinfigur zeigt den Heiligen Paulus mit einem Buch in der linken Hand, die recht Hand fehlt.
Die zweiseitige Tafel zeigt auf der Vorderseite Maria, die einem Mönch das Gefäß der Erwählung präsentiert.
Ein gebrannter Ziegelstein zeigt die Jahreszahl 1513 und ist dem alten Paulinerkloster zuzuordnen.

Porträtgalerien

Bildnisse bedeutender Persönlichkeiten der Universitätselite, berühmte Wissenschaftler und Gelehrte sind in Porträtgalerien zusammengefasst. Die Professorengalerie der Universitätsbibliothek umfasst Porträts des 16. bis 18. Jahrhunderts. Einen Großteil davon stellen wir heute im ersten Obergeschoss des Neuen Augusteums aus. Die Ordinariengalerie der Juristenfakultät überliefert nahezu vollständig Bildnisse aller juristischen Ordinarien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Private Ursprünge hat die Freundschaftsgalerie des Leipziger Verlegers Philip Erasmus Reich mit Porträts bedeutender Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Wir zeigen diese fast vollständig in der Kunstsammlung im Rektoratsgebäude.

Im 19. Jahrhundert gab die Universität zur Ausstattung des neuen Hauptgebäudes repräsentative Denkmale und Büsten in Auftrag, um Personen zu ehren, die sich besondere Verdienste für die Universität erworben hatten. Ein „Büstenhain“ wird im Foyer des neuen Augusteums aufgestellt (in Planung).

Das Porträt zeigt den Juristen Michael Wirth in Richterrobe
Das Porträt des Mediziners Johannes Hoppe präsentiert ihn in zeitgenössischer Kleidung und langem roten Haar
Das goldgerahmte Porträt zeigt den Leipziger Verleger Reich mit reich bestickter roter Kleidung und Perücke

Grafik

Die reichen Grafikbestände unserer Sammlung umfassen ganz unterschiedliche Konvolute. Neben der Grafiksammlung des Karl-Sudhoff-Instituts und dem zeichnerischen Nachlass von W. G. Tilesius von Tillenau (vgl. dazu unser Forschungsprojekt) sind die Handzeichnungen von B. und C. Genelli oder die Werke des Leipziger Kupferstechers Johann Friedrich Bause besonders hervorzuheben.

Eine Szenerie mit mehreren Personen konzentriert sich im Mittelpunkt auf einen Mann, der liegend auf einem Fels von einem Putten einen Spiegel vorgehalten bekommt.
Eine architektonische Inszenierung eines Porträts des Verstorbenen, in welcher ein kleiner Putte vor einem Grabstein unterhalb des Porträts sitzt
Die Grafik zeigt einen Menschen im Profil und beschreibt die verschiedenen Ebenen seines intellektuellen Denkens

Kunst der DDR

Zu Zeiten der DDR förderte die „Karl-Marx-Universität“ insbesondere Ausstellungen zeitgenössischer Künstler: Neubauten sollten mit sozialistischer Kunst geschmückt werden. So entstanden Kunstwerke unter ideologischen Vorzeichen, wie das Fassaderelief „Aufbruch“ oder das Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ von Werner Tübke. Die Kunstsammlung der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) ging in unseren Bestand über. Darunter finden sich herausragende Kunstwerke wie der „Weitspringer“ von Willi Sitte aus dem Jahr 1976 oder das "Bildnis der Eiskunstläuferin Katharina Witt" von Heinz Wagner (1986). Auch bedeutende Werke der Leipziger Schule – von Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Bernhard Heisig oder Heinz Zander – gehören zu unserem Bestand. Die Universität erhielt außerdem Künstlernachlässe, zum Beispiel von H. E. Strüning und Rudolf Oelzner.

Prächtige Farben bilden eine Stadtansicht Moskaus ab
Kurt Dornis, Moskau, 1976, Foto: Kustodie/Marion Wenzel

Das könnte Sie auch interessieren

Datenbank

mehr erfahren

Vermisste Objekte

mehr erfahren

Restaurierung

mehr erfahren